Zahl der Stellen ist im Kreis Paderborn um 489 gesunken
Weniger Betriebe bilden aus

Paderborn (WB). „Krisenzeiten sind keine guten Ausbildungszeiten“, weiß Jürgen Behlke. Die Unternehmen sparten dann am Marketing und an der Ausbildung, sagte der Leiter der IHK-Zweigstelle Paderborn-Höxter am Donnerstag in der Agentur für Arbeit in Paderborn.

Freitag, 30.10.2020, 05:04 Uhr aktualisiert: 30.10.2020, 05:10 Uhr
Peter Gödde, Heinz Thiele und Jürgen Behlke (von links) analysierten die Situation auf dem heimischen Ausbildungsmarkt. Foto: Oliver Schwabe

Zum Glück hat sich das Virus noch nicht massiv ausgewirkt. „Corona hat deutliche Spuren hinterlassen, aber der Ausbildungsmarkt ist nicht eingebrochen“, betonte der Leiter der Arbeitsagentur, Heinz Thiele.

Gleichwohl ging die Zahl der Bewerber als auch die der Ausbildungsstellen im Zeitraum Oktober 2019 bis September 2020 im Kreis Paderborn spürbar zurück – bei den Bewerbern um 444 (minus 18,5 Prozent) und bei den Stellen um 489 (minus 20 Prozent). Zur Zeit stehen 184 unversorgte Bewerber 124 noch unbesetzten Stellen gegenüber.

Bis Ende Januar 2021 bestehe noch die Chance, neue Ausbildungsverträge abzuschließen, verwies Heinz Thiele auf die unter dem Einfluss von Corona beschlossene Sonderregelung („Ausbildungskonsens NRW“). Er mahnte die Unternehmen, die Ausbildung nicht zu vernachlässigen. In naher Zukunft würden die geburtenstarken Jahrgänge aus dem Erwerbsleben ausscheiden und dann werde kompetenter Nachwuchs gebraucht: „Nach Corona wird das Thema Fachkräftebedarf noch stärker sein als jetzt.“ Übrigens nimmt nicht jeder Bewerber am Ende eine Stelle an – im Schnitt sind es nur gut 43 Prozent.

Handwerk legt bei Verträgen sogar zu

Der Handwerkerschaft im Kreis Paderborn ist es gelungen, gegen den Trend die Zahl der Ausbildungsverträge zu erhöhen. Hauptgeschäftsführer Peter Gödde berichtete von einem Plus von 6,9 Prozent. Konnten bis zum 30. September 2019 insgesamt 610 Verträge eingesammelt werden, waren es am 23. Oktober 2020 exakt 652. „Es ist ganz wichtig, dass die Schulen offenbleiben, sonst fehlt uns eine Kommunikationsfläche für das aktuelle und kommende Ausbildungsjahr“, sagte Gödde. Der Erfolg von Kampagnen wie „Folge Deinem Ich“ hänge davon ab, dass die Schüler besucht werden können.

Was das Handwerk angeht, entscheiden sich immer mehr junge Menschen für den technischen Bereich. Abgesehen vom immer schon beliebten Beruf des Kraftfahrzeugmechatronikers sind Ausbildungsstellen für Anlagenmechaniker, zum Beispiel Heizungsbauer, oder für Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik gefragt. Dagegen rangiert der Dachdeckerberuf trotz guter Ausbildungsvergütung am unteren Ende der Hitliste. Hier müssten die Betriebe verstärkt auf die attraktiven Seiten dieses Berufes hinweisen, sagte der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe.

Für die Industrie- und Handelskammer (IHK) berichtete Jürgen Behlke von 17 Prozent weniger Ausbildungsverträgen im Kreis Paderborn. Die Zahl sank von 1368 im Vorjahr auf jetzt 1135. Das Gastgewerbe verzeichnete ein Minus von 25 Prozent, bei den gewerblich-technischen Ausbildungsberufen waren die Einbrüche in der Metalltechnik (minus 31 Prozent) und Holztechnik (minus 47,6 Prozent) noch eklatanter.

150 Ausbildungsverträge im IT-Sektor

Besonders gefragt bei jungen Leuten sind Stellen als Einzelhandels- und Industriekaufmann und als Fachinformatiker. Im IT-Sektor wurden 150 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen, erläuterte Jürgen Behlke. Er kündigte eine digitale Variante der Ausbildungsmesse „Connect“ an, die in ihrer bisherigen Form dann wieder im September 2021 stattfinden soll.

Die Tatsache, dass Firmen in Sachen Ausbildung wegen der Pandemie Zurückhaltung üben, trifft auch Praktikanten. Behlke räumte ein: „Viele Unternehmen haben wegen Kurzarbeit keine Praktikanten eingestellt. Viele sagen ‚Safety first‘ und schotten sich ab.“

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