Angebot „CariFair“ soll prekäre Arbeitsverhältnisse in der Pflege vorbeugen
Caritas Paderborn fordert bessere Bedingungen für osteuropäische Pflegekräfte

Paderborn (epd). Der Caritasverband für das Erzbistum Paderborn mahnt faire und legale Arbeitsbedingungen mit einem angemessenen Lohn für osteuropäische Altenpflegkräfte an. „Es bewegt sich nichts, obwohl die Probleme in der sogenannten 24-Stunden-Pflege nicht nur in der Fachöffentlichkeit seit Jahren bekannt sind“, erklärt Diözesan-Caritasdirektorin Esther van Bebber am Dienstag in Paderborn.

Dienstag, 27.10.2020, 13:15 Uhr aktualisiert: 27.10.2020, 13:28 Uhr
Symbolbild. Foto: dpa

Die Politik müsse hier aktiv werden und klare rechtliche Voraussetzungen forcieren. Vorrangiges Ziel sollte die Anstellung der Betreuungskräfte im Privathaushalt sein, um auf diese Weise ihren Schutz durch Arbeits- und Sozialrecht gewährleisten zu können. Auf Initiative der SPD-Fraktion im NRW-Landtag ist für den 4. November eine Anhörung zum Thema im Ausschuss für Arbeit, Gesundheit und Soziales angesetzt.

Die Diözesan-Caritasdirektorin verwies in dem Zusammenhang auf eine aktuelle Studie des Deutschen Institut für Menschenrechte (DIMR). Demnach ist die irreguläre Beschäftigung von im Haushalt lebenden Betreuungskräften ohne Vertrag und Sozialversicherung nach wie vor weit verbreitet. Falls die oft osteuropäischen Altenpflegekräfte einen Einsatz vorzeitig beenden wollen, etwa aufgrund unzumutbarer Arbeitsbedingungen, drohten ihnen Vertragsstrafen. Ein weiteres Problem ist den Angaben zufolge ein unzureichender Zugang zu medizinischer Versorgung, weil der Nachweis über die Sozial- und Krankenversicherung fehlt. Auch würden Betreuungskräfte als Mini- oder Midi-Jobber angemeldet, leisteten aber faktisch einen Vollzeitjob, heißt es in der Studie.

Kooperation mit der polnischen Caritas

Der Caritasverband für das Erzbistum Paderborn hat nach eigenen Angaben 2009 das Angebot „CariFair“ entwickelt, um prekären Arbeitsverhältnissen in der Pflege vorzubeugen. Kooperationspartnerin ist die polnische Caritas. Die Beschäftigungsverhältnisse werden dabei zwischen den Pflegebedürftigen und der polnischen Betreuungsperson geschlossen. Die Pflegekräfte werden nur bei Senioren oder Seniorinnen eingesetzt, die von einer Caritas-Sozialstation ambulant betreut werden. Koordinatorinnen übernehmen demnach die notwendige Anmeldung bei Behörden und Versicherungsträgern, sie achten zudem auf faire Arbeitsbedingungen und die Einhaltung arbeits- und sozialrechtlicher Bestimmungen. „CariFair“ wird mittlerweile von 13 Caritasverbänden in Deutschland angeboten.

„CariFair“ unterstütze Familien bei der Beschäftigung einer Betreuungskraft und verhelfe den Betreuungskräften durch die Anstellung im Haushalt zu rechtssicheren Beschäftigungsverhältnissen, betonte van Bebber. In der DIMR- Studie werde eine stärkere Förderung von Vermittlungsagenturen nach dem Vorbild ausdrücklich empfohlen, hieß es.

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