Kreditgeber sichern Restrukturierungsplan ab – kein KfW-Kredit
Benteler: Finanzierung steht

Salzburg/Paderborn (WB). Der Automobilzulieferer Benteler hat sich mit seinen wichtigsten Kreditgebern auf eine Refinanzierung geeinigt. Im Kern geht es um die Verlängerung laufender Kredite und um frische Darlehen. Die Abmachung hat nach Angaben der Konzernleitung in Salzburg eine Laufzeit bis Ende 2024.

Donnerstag, 22.10.2020, 03:30 Uhr
Benteler – hier zwei Mitarbeiter in der Automobilzulieferung in Paderborn – kann weitermachen. Das kleine Foto oben links zeigt Konzernchef Ralf Göttel. Foto: Florian Stuerzenbaum/Benteler

Zugleich sei sie die Basis für die Weiterführung der 2018 begonnenen Sanierung und Restrukturierung des Unternehmens, das seinen größten Standort in Paderborn hat. Weitere Produktionsstätten in Ostwestfalen-Lippe befinden sich in Lichtenau-Kleinenberg, Warburg und Bielefeld. In der Region arbeiten 7000 der konzernweit insgesamt etwa 30.000 Beschäftigten.

Die Schulden des Konzerns waren in der Branche zuletzt auf zwei Milliarden Euro beziffert worden. Die Refinanzierung soll bis Jahresende einen rechtssicheren Rahmen erhalten. Dazu müssen noch einige kleinere Geldgeber ihre Zustimmung geben. Nach Angaben aus der Branche sollen sie jedoch zusammen nicht mehr als zehn Prozent des Kreditvolumens vertreten.

Benteler nimmt keinen staatlichen Kredit in Anspruch

Die Einigung mit den Finanzpartnern ist Benteler zufolge gelungen, ohne dass ein KfW-Kredit in Anspruch genommen werde . Eine mögliche Inanspruchnahme deutscher Staatshilfe hatte in den vergangenen Monaten Diskussionen ausgelöst, weil die Benteler-Holding ihren Sitz vor zehn Jahren aus steuerlichen Gründen der Eigentümer von Paderborn ins österreichische Salzburg verlegt hat.

Ralf Göttel ist Vorsitzender der Benteler-Geschäftsführung.

Ralf Göttel ist Vorsitzender der Benteler-Geschäftsführung. Foto: Benteler

Der Vorsitzende der Geschäftsführung, Ralf Göttel, nannte die Einigung mit den Kreditgebern am Mittwoch einen „zentralen Meilenstein“. Wie andere Autozulieferer auch muss Benteler seine Position im Zuge des Rückzugs der Verbrennungsmotoren neu definieren. Immerhin, so betont eine Sprecherin des Konzerns, seien 85 Prozent der automobilen Produkte von Benteler, obwohl dazu auch Abgassysteme gehören, unabhängig von der Antriebsart. Gleichwohl sei eines der Hauptziele der Transformation die Konzentration und Zusammenarbeit mit Partnern bei der Entwicklung von Zulieferteilen für Elektroautos.

Die dennoch schon vorher begonnene Transformation ist in diesem Jahr durch die nicht erwartbaren Folgen der Corona-Pandemie massiv erschwert worden. Göttel zufolge gelang es dem Konzern jedoch „mit einem enormen Kraftakt“, die Lieferketten intakt zu halten. Der Neustart sei nach einem zeitweisen Lockdown erfolgreich abgeschlossen.

Nach Corona-Zwangspause produzieren wieder alle Werke

Inzwischen produzieren wieder weltweit alle Automobilwerke des Konzerns. Der Sektor macht nach dem Verkauf der Stahlhandelssparte 2019 aktuell etwa 80 Prozent des Konzernumsatzes von zuletzt 7,7 Milliarden Euro. In der Stahlproduktion werde es, so Göttel, weiterer Maßnahmen bedürfen, um die Zukunft zu sichern – allerdings nicht mehr im Jahr 2020. Zu dem, was 2021 kommen werde, zähle auch der gezielte Ausbau von Wachstumsfeldern .

Auch Sanierungsvorstand Arno Hasselhorst , der im Juni 2020 zum Unternehmen gestoßen ist, wertete die Einigung mit den Kreditgebern als Beleg für die gute Arbeit in der Pandemie und dafür, dass die Restrukturierung greife.

Zu den Details der Vereinbarung hat sich Benteler am Mittwoch nicht geäußert. „Wir haben mit unseren Finanzierungspartnern Vertraulichkeit vereinbart“, erklärte eine Sprecherin.

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