Im neuen Schüco-Werk in Paderborn werden Schiebeelemente für Europa gebaut
Büros mit Panoramablick

Paderborn (WB). Nichts soll den Blick nach draußen verdecken. „Offenheit und Weite zu erleben, ist ein Megatrend“, sagt Reinhard Jürgens von der Firma Schüco. Schließlich sei es ja kein Zufall, dass im Urlaub jeder ein Zimmer mit Meerblick haben wolle. Mit dem Trend zu Transparenz beim Bau von Bürogebäuden und Privathäusern mit Terrasse macht der Bielefelder Spezialist für Fenster, Türen und Fassaden ein Geschäft. Eigens dafür hat Schüco eine Halle an der Pamplonastraße in Paderborn errichten lassen, um dort Schiebeelemente für Europa herzustellen.

Dienstag, 20.10.2020, 23:00 Uhr
Reinhard Jürgens blickt in die Halle, die jetzt noch weitgehend leer ist. Hier werden Prototypen hergestellt und die Produktionsabläufe analysiert und laufend verbessert. Foto: Oliver Schwabe

Seit dem 1. Juli ist die 5000 Quadratmeter große Halle fertig. „Wir waren schnell, vier Wochen vor Plan fertig“, stellt Stefan Groß fest, der mit Reinhard Jürgens und dem künftigen Leiter des Werks Dominik Schnell das Projekt umgesetzt hat. Von der Entscheidung für den Standort Paderborn bis zur Fertigstellung hat es nur 15 Monate gedauert. Das Grundstück bietet weitere 5000 Quadratmeter für Erweiterungen. Zurzeit wird die noch freie Fläche als wilde Blumenwiese genutzt.

Zielgruppe sind Metallbaubetriebe

Schüco liegt nicht nur im Zeit-, sondern auch im Kostenrahmen. „Zehn Millionen Euro hatten wir veranschlagt, zehn Millionen sind es geworden“, erläutert Firmensprecher Thomas Lauritzen. Zielgruppe der Schiebeelemente seien nicht die Endkunden, sondern die Metallbaubetriebe, die sie in Büros oder Häusern einbauen.

„Wir liefern montagefertige Bausätze“, sagt Lauritzen. Sie bestehen aus dem vorkonfektionierten Rahmen und dem verklebten Glas. Die Schiebeelemente sind bis zu sechs Meter lang und maximal 3,25 Meter hoch.

Mit solchen Dimensionen sind kleine Metallbauer überfordert. Ihnen fehlen der Platz, aber vor allem die Glasverklebegestelle und spezielle Krantechnik, wie sie Schüco in dem neuen Werk auffährt. Bis auf das Glas, das das Unternehmen von vier Lieferanten aus der Region bezieht, stammt der komplette Maschinenpark aus dem eigenen Haus. Insgesamt beschäftigt Schüco 5700 Mitarbeiter.

„Schiebeelemente werden immer filigraner, die Glasscheibe übernimmt zunehmend die Statik“, betont Stefan Groß. Die Schiebeelemente bestehen aus Glas, die Blend- und Flügelrahmen aus Aluminium oder glasfaserverstärktem Kunststoff. Zudem wiegen sie bis zu einer Tonne und müssen auf großen Lastwagen abtransportiert werden.

Funktionaler Standort

Natürlich hat Schüco bei der Planung der 40 Meter breiten und 140 Meter langen Halle daran gedacht, dass die Lkw mühelos manövrieren können. Das Grundstück sei dafür bestens geeignet, freut sich der Leiter des Supply Chain Managements, Reinhard Jürgens.

Aber nicht nur das gab den Ausschlag für Paderborn als Standort. Die Nähe zur A33 und A44, zur Universität und zu Unternehmen wie Benteler, Hella und Phönix Contact hätten eine Rolle gespielt. Die Zusammenarbeit mit der Stadt habe reibungslos funktioniert. „In Paderborn hat das gut gepasst“, sagt Reinhard Jürgens, der selbst in der Domstadt lebt.

Zurzeit sind nur zehn Mitarbeiter in dem von der Firma Goldbeck errichteten Werk beschäftigt, bei Vollauslastung sollen es bis zu 50 sein. Im nächsten Jahr soll es mit der Produktion richtig losgehen, mittelfristig sind 2000 Schiebeelemente pro Jahr anvisiert. Aktuell wird getestet, der Fertigungsprozess beobachtet und bei Bedarf optimiert. Prototypen werden hergestellt.

Die passenden Mitarbeiter zu finden, war schon jetzt nicht einfach, bedauern Stefan Groß und Reinhard Jürgens. Schüco braucht Maschinenführer, Maschinenbauer, Logistiker und Experten im kaufmännischen Bereich. Groß: „Wir mussten lange suchen.“ Das gilt nicht nur Schüco. „Ohne Renovierung von Gebäuden bekommen wir den Klimaschutz nicht hin, aber dafür brauchen wir viele geeignete Leute“, gibt Firmensprecher Thomas Lauritzen zu bedenken.

Zurückhaltende Nachfrage möglich

Und dann ist da noch Corona. Den Bau des Werks in Paderborn beeinflusste das Virus nicht, aber wie wirkt sich die Pandemie auf die Nachfrage nach Bauprojekten aus? Vor Corona angestoßene Bürogebäude werden zu Ende gebaut, aber jetzt könnte eine Investitionszurückhaltung das Ergebnis der mit der Pandemie verbundenen Unsicherheit sein. „Wir fahren auf Sicht und schauen von Monat zu Monat“, nennt Lauritzen die Devise in schwierigen Zeiten.

Dass sich das Werk in Paderborn als Fehlinvestition herausstellt, ist aber kaum zu erwarten. Der Trend zu Transparenz, zum Panoramablick hält seit Jahren an. „In Asien ist in Bürogebäuden fast nur noch Glas“, hat der Firmensprecher beobachtet.

Auch im privaten Bereich findet man immer häufiger bodentiefe Fenster und Schiebetüren, durch die die Besitzer ungestört die Terrasse sehen können, auf der sie kurz darauf entspannen. Die Zeiten, in denen die Deutschen mit Rollläden den Blick ins private Reich verwehrten, scheinen vorbei zu sein. Aber lockt das transparente Glas nicht Einbrecher an? „Das Glas der Schiebeelemente ist einbruchsicher“, beruhigt Stefan Groß.

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