Verwaltung überlegt, den Wochenmarkt zugunsten des Weihnachtsmarktes zu verlegen
Händler sorgen sich um Standort

Paderborn (WB). Am Samstagmorgen gab es unter den Beschickern auf dem Paderborner Wochenmarkt nur ein Thema: Sie lehnen mit aller Deutlichkeit die Überlegungen der Stadtverwaltung ab, den Wochenmarkt in der Vorweihnachtszeit zugunsten des Weihnachtsmarktes auf den Parkplatz Florianstraße zu verbannen.

Montag, 12.10.2020, 06:05 Uhr aktualisiert: 12.10.2020, 11:44 Uhr
Für viele Bürger gehört der Einkauf am Samstag auf dem Paderborner Wochenmarkt zum Wochenende dazu. Beate Rodenbröker, Vorstandsmitglied des Wochenmarktvereins, fordert, dass der Standort nicht verlagert werden soll. Foto: Ingo Schmitz

Beate Rodenbröker, Vorstandsmitglied des Wochenmarktvereins, hat einen Brief an die Verwaltung geschrieben und diesen an die Mitglieder verteilt. „Ich habe sehr viel Zustimmung erhalten“, betont sie. In dem Schreiben fordert der Vereinsvorstand, dass der Wochenmarkt an gewohnter Stelle verbleiben soll – und zwar dort, wo er auch in den vergangenen Jahren vor Weihnachten zu finden war: auf dem Parkplatz vor dem Generalvikariat. Das größte Ärgernis sei aber, so Rodenbröker, dass die Stadt bislang nicht mit den Marktbeschickern gesprochen habe, obwohl man mehrfach ein Gespräch angeregt habe. „Wir sollen vor vollendete Tatsachen gestellt werden“, ärgert sich die Händlerin.

Wie berichtet, möchte die Stadt Paderborn gemeinsam mit den Schaustellern einen Weihnachtsmarkt unter Corona-Bedingungen auf die Beine stellen. Auf Kinderkarussells, Glühweinbuden und Kunsthandwerk soll möglichst nicht verzichtet werden. Dies soll dadurch ermöglicht werden, indem die Buden deutlich mehr Abstand halten, als es in der Vergangenheit der Fall war. Dies führt zu einem Platzproblem.

Am Mittwoch wurde bekannt, dass es offenbar die Idee gibt, den Wochenmarkt sieben Wochen lang auf den Parkplatz Florianstraße umzusiedeln. „Wir sind von diesen Überlegungen völlig überrascht worden“, sagte Beate Rodenbröker dieser Zeitung. Übrigens: Auch der Maspernplatz sei offenbar als alternativer Standort für den Wochenmarkt im Gespräch, berichtet Rodenbröker.

 

Sie und die Mitglieder des Wochenmarktvereins halten die Ideen der Verwaltung für ungeeignet. Dafür gebe es mehrere Gründe. Egal ob Maspernplatz oder Florianstraße: Die Standorte seien zu weit weg von der Innenstadt. Darüber hinaus handele es sich bei dem Platz an der Florianstraße um eine Schotterfläche, auf der ältere Kunden mit Rollatoren keine Chance hätten. Außerdem fehle dort die komplette Infrastruktur, damit die Händler ihre Stände aufbauen könnten, meint Rodenbröker. Und zu guter letzt müssten die Kunden sich komplett neu orientieren, weil die Stände nicht in gewohnter Reihenfolge aufgestellt werden könnten. Die Kunden hätten aber ihre gewohnten Laufwege, um sich mit Obst, Gemüse, Eiern, Kartoffeln, Fleisch und Blumen zu versorgen.

Der Wochenmarktverein schlägt vor, mit seinen Ständen – wie in den vergangenen Jahren vor Weihnachten auch – auf den Parkplatz des Generalvikariats umzuziehen, um Platz für den Weihnachtsmarkt zu schaffen. „Wir sind ja bereit, uns zu beschränken“, sagt Rodenbröker. Grundsätzlich wollen die Händler aber im Schatten des Doms bleiben.

Wochenmarkt an der Florianstraße sei „viel zu weit draußen“

„Warum kann man mit Teilen des Weihnachtsmarktes nicht auf die Königsplätze oder ins Paderquellgebiet ausweichen?“, will Beate Rodenbröker wissen. Sie habe Verständnis für die Schausteller und deren große wirtschaftlichen Probleme. Aber auch für die Beschicker des Wochenmarktes seien die Wochen vor Weihnachten wichtig fürs Geschäft.

Auch in der jüngsten Sitzung des Rates war das Thema angeschnitten worden. SPD-Ratsherr Ulrich Koch vertrat ebenfalls die Ansicht, dass ein Wochenmarkt an der Florianstraße „viel zu weit draußen“ sei. Koch hatte den Abdinghof als eine erprobte Ausweichfläche ins Spiel gebracht.

Presse- und Marketingchef Jens Reinhardt betonte in der Sitzung, dass die Florianstraße ein Denkmodell sei – nicht mehr, nicht weniger. „Wir müssen in alle Richtungen denken, wenn wir den Weihnachtsmarkt Corona-Fit bekommen wollen“, stellte Reinhardt fest. Das Projekt sei nicht einfach umzusetzen. Und Bürgermeister Michael Dreier ergänzte: „Es ist nichts entschieden. Wir sind dabei abzuwägen.“

Hans-Otto Bröckling, Vorsitzender des Paderborner Schaustellervereins, betonte, dass der Vorschlag Florianstraße nicht aus den Reihen der Schausteller komme. Sehr wohl gebe es in der Bevölkerung eine große Nachfrage nach einem Weihnachtsmarkt. Wie dieser aussehen könnte, darüber sei der Schaustellerverein bislang nicht informiert. „Wir warten ebenfalls auf die große Wundertüte, weil wir unter Umständen auch noch Anpassungen in unseren Geschäften vornehmen müssen. Wir sind uns sicher, dass der Marktmeister sehr penibel plant und kein Risiko eingeht.“

Kommentar

Der Wochenmarkt ist ein Aushängeschild für Paderborn. Der Weihnachtsmarkt erfüllt dieses Kriterium auch. Es bringt aber nichts, Schausteller und Händler gegeneinander auszuspielen. Der Hinweis, dass die Schausteller in diesem Jahr kaum Einnahmen generieren konnten, ist leider wahr. Das sollte aber nicht dazu führen, dass nun den Beschickern des Wochenmarktes die Einnahmequelle abgegraben wird. Eine Verlagerung des Wochenmarktes an die Florianstraße wird mit erheblichen Einbußen für die Händler verbunden sein.

Wie sensibel der Kunde auf Veränderungen reagiert, dass hat sich in der Bauphase auf dem Marktplatz gezeigt, wo die Händler drei Jahre lang „Dreck fressen“ mussten. Zudem haben die Händler seit Ausbruch von Corona bewiesen, dass sie die Vorschriften bestens umsetzen können. Warum sollte man sie bestrafen? Warum sollte man die vielen Paderborner bestrafen, die hier gern einkaufen?

Nachdenklich stimmen die Äußerungen der Verwaltung im Rat. Dort wurde behauptet, man sei mit den Beschickern im Gespräch. Letztere erklären mit Nachdruck, dass dies nicht stimme. Was denn nun? Offenbar ist die Kommunikation zumindest mal deutlich ausbaufähig.

Von Ingo Schmitz

 

Kommentare

Astrid T.  wrote: 12.10.2020 17:27
Im Zweifel sollte der Grundversorgung (Wochenmarkt) vor der Spaßversorgung (W-Markt) Vorrang eingeräumt werden, wenn wir nicht bis dahin sowieso trotz Mundschutz und allem wieder zuhause bleiben müssen.
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