Vorsitzender Michael Pavlicic war 36 Jahre im Bezirksausschuss
Eine Ära endet in Neuhaus

Paderborn-Schloß Neuhaus (WB). An die Sitzung, als Michael Pavlicic 1984 als sachkundiger Bürger der CDU für den Bezirksausschuss Schloß Neuhaus/Sande verpflichtet wurde, kann der 64-Jährige sich genau erinnern. „Das war vor 350 Leuten in der Schützenhalle Sennelager. Dort kochte gerade die Diskussion um Rotlicht-Etablissements hoch“, erzählte er am Dienstag in seiner letzten Sitzung als Vorsitzender des Ausschusses, dem er 36 Jahre angehört. Kurioserweise stand dabei erneut das Thema Vergnügungsstätten in Sennelager auf der Tagesordnung.

Donnerstag, 08.10.2020, 06:47 Uhr aktualisiert: 08.10.2020, 07:00 Uhr
Michael Pavlicic steht für Schloß Neuhaus. Und daher ist er sogar dabei, wenn er einmal nicht dabei sein, wie beim Königsschießen 2019. Weil er erkrankt war, wurde kurzfristig während des Schießens ein Foto von ihm aufgestellt. Foto: Jörn Hannemann

Pavlicic würde sich freuen, wenn sich der Kreis für ihn auch insoweit schließt, dass er nach seinem Ausscheiden aus dem Stadtrat dem Bezirksausschuss als sachkundiger Bürger erhalten bleiben könnte. „Ich würde mich freuen, wenn ich gefragt werde“, sagte er am Dienstag, als ihm sowohl SPD-Fraktionschef Franz-Josef Henze, als auch CDU-Fraktionschef Markus Mertens für sein langjähriges Engagement als Ausschussvorsitzender dankten. Und genau wie bei seiner Verpflichtung konnte auch die für ihn letzte Sitzung zu seinem Bedauern nicht im Sitzungssaal der Verwaltungsnebenstelle in seinem Heimatort Schloß Neuhaus stattfinden – dieses Mal allerdings nicht wegen der zu erwartenden großen Zuhörerschaft, sondern wegen der coronabedingten Hygiene- und Abstandsregeln.

Wenn Michael Pavlicic, der 1989 in den Stadtrat gewählt wurde, und dann auch den Ausschussvorsitz übernahm, auf die Jahrzehnte politischer Arbeit für Schloß Neuhaus zurückblickt, gibt es für ihn nicht das eine herausragende Ereignis oder Streitthema, das ihm unvergessen geblieben ist. „Gerade in Hinblick auf heiße Diskussionen kann ich mich an viele erinnern, weil ich von morgens bis abends durch die historische Brille gucke, und mich in der Sache auch schon mal gegen meine eigenen Leute gestellt habe“, erzählt der Ortsheimatpfleger, der dieses Amt schon seit seinem 27. Lebensjahr inne hat.

Da gab es beispielsweise die Diskussion um den richtigen Standort für einen Wochenmarkt in den 1980er Jahren. Michael Pavlicic war dafür, ihn auf dem historischen Marktplatz unterhalb des Kirchplatzes zu installieren. „Dafür bin ich damals abgewatscht worden“, erinnert er sich. „Heute verstehe ich das. Denn auch wenn der Marktplatz 100 mal der historisch beste Ort ist – wo will man da parken?“ Insofern habe ihn das Alter ein wenig milder werden lassen. „Aber nicht nur mich. Im Laufe der Jahre hat sich die politische Diskussionskultur verändert“, hat er festgestellt. „In den ersten Jahren gab es viele Charakterköpfe, die richtig Pfeffer in die Diskussionen gebracht haben. Heute ist es insgesamt ein wenig ruhiger geworden, auch im Bezirksausschuss.“

Das 1000-Jahr-Fest in Schloß Neuhaus war in mehrfacher Hinsicht ein Heimspiel für Michael Pavlicic, hier mit Franz-Josef Henze.

Das 1000-Jahr-Fest in Schloß Neuhaus war in mehrfacher Hinsicht ein Heimspiel für Michael Pavlicic, hier mit Franz-Josef Henze. Foto: Jörn Hannemann

In seine Zeit als Vorsitzender fielen viele prägende Entwicklungen in Schloß Neuhaus. „Schon im Vorfeld der Landesgartenschau entwickelte sich das Schlossparkgelände, weil die Briten peux á peux Gebäude aufgegeben haben. Da wurde über die Entwicklung auch sehr kontrovers diskutiert.“ Unvergessen ist für ihn auch der letztlich erfolgreiche Protest eines Anwohners der Dubelohstraße, der sich gegen deren Ausbau als mittlere Umgehung von Schloß Neuhaus stark gemacht hat und bis vor den Petitionsausschuss des Landtags ging. „Mit Erfolg, 1985 hat der Kläger tatsächlich den Rückbau erzwungen.“

Auch viele schöne Erinnerungen wie die Gartenschau, die 1000-Jahr-Feier 2016 und Bundesschützenfest 2019 verbindet Pavlicic mit seinem Wirken in Schloß Neuhaus, wo er auch Schützenoberst ist. Politisch wird er sich nach dem Ausscheiden aus dem Stadtrat im Kreistag weiter engagieren.

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