„Antigone“ ist hochaktuell – Doppelpremiere am Samstag im Paderborner Theater
Freiheit und Bevormundung

Paderborn (WB). Die Bilder in der „Tagesschau“ mit Anti-Corona-Gegnern, die ohne Masken und Abstand gegen angebliche Hysterie und Freiheitsberaubung durch die Politik demonstrieren, muten manchmal wie absurdes Theater an. Aus aktuellem Anlass wird der Konflikt zwischen Individuum und Staat in der Spielzeit 2020/21 in den Theatern in Deutschland sicher oft auf die Bühne gebracht. Auch in Paderborn, wo am Samstag „Antigone“ mit einer Doppelvorstellung um 18.30 und 20.30 Uhr Premiere hat.

Mittwoch, 07.10.2020, 08:03 Uhr aktualisiert: 07.10.2020, 08:50 Uhr
Kreon (David Lukowczyk) und Antigone (Barbara Fressner) bilden die Gegenspieler in der antiken Tragödie von Sophokles. Der Konflikt zwischen ihnen mutet unlösbar an. Foto: Tobias Kreft

Bei der Tragödie von Sophokles (497/496 - 406/405 vor Christus) handele es sich um einen „zeitlosen Stoff“, sagte Dramaturg Daniel Thierjung am Dienstag. Die Kernfrage laute: „Wie weit darf der Staat in die Freiheitsrechte des Einzelnen eingreifen?“

Diese Frage hat inmitten von Corona eine enorme Brisanz bekommen. In der Geschichte von Sophokles will Antigone ihren Bruder Polyneikes würdig bestatten. Er starb im Krieg gegen seinen Bruder Eteokles, der im Zweikampf ebenfalls sein Leben ließ. Thebens neuer Herrscher Kreon gewährt ihm ein ehrenhaftes Begräbnis, dem „Verräter“ und Kämpfer gegen Theben Polyneikes dagegen nicht. Antigone akzeptiert das nicht und widersetzt sich der Anordnung.

Würdelose Beerdigungen sind auch 2020 inmitten der Corona-Pandemie ein Thema. „In Italien mussten Menschen in Massengräbern bestattet werden“, erinnerte Daniel Thierjung. „Antigone“ bietet also viele Anknüpfungspunkte zur Gegenwart. Auch in der Form der Inszenierung, die Paulina Neukampf übernommen hat. Die Besucher im Großen Haus erwartet eine multimediale Inszenierung, bei der einige Figuren über Videoeinspieler erscheinen und mit denen auf der Bühne interagieren. Die Verbindung von Video und Livespiel spiegelt die Tatsache wider, dass in Zeiten von Corona vieles über Bildschirme abläuft – die Arbeit im Homeoffice und die Pflege von Beziehungen zu Freunden und Großeltern.

Die siebenwöchige Probenarbeit war schwierig, ließ Neukampf durchblicken: „Wir haben immer mit Maske und viel Abstand geprobt.“ Die Besucher würden aber schon „richtiges Theater“ erleben und müssten nicht befürchten, „dass sie die ganze Zeit die Corona-Vorschriften sehen“, versprach Daniel Thierjung. Das Stück selbst wurde auf 75 Minuten gekürzt, einige Partien des Chors fallen weg. Maximal 480 Menschen lässt das Paderborner Theater am Samstag ins Große Haus. Die Garderobe bleibt geschlossen, Bierflaschen bleiben es auch, und den Besuchern wird empfohlen, auch während der Aufführung eine Maske zu tragen. Paulina Neukampf will sich trotz aktueller Bezüge nicht zu weit von der Geschichte der Antigone entfernen und den darin enthaltenen Grundkonflikt „auf die Bühne bringen und zur Schau stellen“. Aber ernsthaft und nicht als absurdes Theater wie in der „Tagesschau“.

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