Kreis Paderborn: IHK sieht bei der Konjunktur viel Schatten, aber auch ein wenig Licht
Wird es ein V oder eine Wanne?

Paderborn (WB). Die Talfahrt der Wirtschaft im Kreis Paderborn war rasant. Doch langsam scheint die Talsohle der Corona-Krise für manche Branchen zumindest erreicht zu sein. Es gibt Hinweise, dass sich das Konjunkturklima leicht aufhellen könnte. In der heimischen Industrie, im Handel und bei den Dienstleistern wächst vorsichtiger Optimismus, dass die Situation sich erholen könnte. Die Stimmung sei längst nicht mehr so schlecht, wie noch im Sommer, fasst IHK-Geschäftsführer Jürgen Behlke die Ergebnisse der Herbstumfrage zusammen.

Mittwoch, 07.10.2020, 08:38 Uhr aktualisiert: 07.10.2020, 08:42 Uhr
Ernster Blick: IHK-Geschäftsführer Jürgen Behlke sieht in den Ergebnissen der Herbst-Konjunkturumfrage sehr viel Schatten. Allerdings zeige sich für manche Branchen bereits ein zartes Licht im dunklen Corona-Tunnel. Foto: Ingo Schmitz

Die Frage sei: Wird es ein „V“ mit einem starken Ab- und einem starken Anstieg, oder wird es eher eine Badewanne mit einem Anstieg, der etwas länger dauern wird? Das werde von Branche zu Branche sehr unterschiedlich sein, meint Behlke. „Doch nur sehr wenige Unternehmen im Kreis Paderborn gehen im Moment davon aus, dass sie nie wieder den Stand vor der Corona-Krise erreichen werden“, berichtet der IHK-Chef für das Hochstift.

Weniger Teilnehmr

290 Unternehmen mit insgesamt 17.000 Beschäftigten hatten sich an der Herbstbefragung der Industrie- und Handelskammer im Kreis Paderborn beteiligt – deutlich weniger, als zuletzt. Auch das sei wohl eine Folge von Corona, meinte Behlke, der diesmal einige Großunternehmen beim Rücklauf der Fragebögen vermisste.

Der Industrie scheint es – bis auf Ausnahmen – im Vergleich zum Handel und den Dienstleistungen noch am besten zu gehen. Die Beurteilung der gegenwärtigen und der erwarteten Lage habe fast wieder die Null-Linie des Konjunkturklimas erreicht, bilanzierte Behlke die Antworten aus der Industrie. Problematisch sei allerdings weiterhin die Auftragslage: „Die Hälfte der Unternehmen ist weniger als 80 Prozent ausgelastet. Das bedeutet in vielen Fällen, dass die Kosten höher als die Einnahmen sind.“ Die Unternehmen lebten von der Substanz und gingen zudem davon aus, dass dieser Zustand mindestens weitere sechs bis zwölf Monate andauern werde.

Allerdings seien die Prognosen positiv: Die Bereitschaft, im Inland zu investieren, steige. Kritisch sieht Behlke die Zahl der Beschäftigten: „Nachbesetzungen gibt es nur im Bereich von Schlüsselpositionen.“ Er mahnte die Unternehmer, jetzt in der Krise nicht den bestehenden und sich stetig verschärfenden Fachkräftemangel zu vergessen. „Was geht, sollte getan werden“, sagte er mit Blick auf das Thema Aus- und Weiterbildung. Diesen Appell richtete er auch an den Handel sowie an die Dienstleister. „Der demographische Wandel wird sich auch mit Corona fortsetzen“, betonte er.

„Die Kaufzurückhaltung ist deutlich spürbar“

Deutlich schlechter als bei der Industrie fallen die Erwartungen laut IHK-Umfrage beim Einzelhandel aus. Während der Lebensmittelbereich, Baumärkte und Fahrradgeschäfte im Kreis Paderborn gut durch Krise gekommen seien, leide der Textil-Einzelhandel weiterhin. Die Prognosen seien zudem durch die Kurzarbeit in anderen Branchen getrübt. „Die Kaufzurückhaltung ist deutlich spürbar. Sieben Prozent sagen, dass sie bis zum Jahresende einen Umsatzeinbruch von 50 Prozent und mehr haben werden. Das ist schlimm. Dennoch will Dreiviertel der Unternehmen die Mitarbeiter halten.“ Jürgen Behlke befürchtet, dass sich Ende 2020, Anfang 2021, die Finanzprobleme der Einzelhändler verstärken und die Zahl der Insolvenzen steigen wird.

Besonders schwer getroffen von der Corona-Krise sei weiterhin der Dienstleistungssektor, dessen weitere Aussichten noch sehr unsicher seien. Hier befürchteten elf Prozent der Unternehmen, dass sie an den Erfolg vor Beginn der Krise nie wieder anknüpfen könnten. 32 Prozent der Firmen rechneten damit, dass sie länger als zwölf Monate brauchen werden, um das Tal hinter sich zu lassen. Für den IHK-Chef sind die Folgen klar: „Wir müssen damit rechnen, dass die Zahl der Beschäftigten zurückgehen wird. Wir hatten 2019 allerdings auch ein Allzeithoch.“

IHK-Vizepräsidentin Gabriele Schäfers betonte, dass die momentane wirtschaftliche Lage weiter Anlass zur Sorge gebe. „Auch wenn die Konjunkturdaten negativ sind: Mit Jammern können wir nichts regeln“, zeigte sie sich kämpferisch.

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