Holger Kempkens muss das Haus in Paderborn barrierefrei umgestalten
Der Neue im Diözesanmuseum

Paderborn (WB). Auf Holger Kempkens warten nicht nur Ausstellungen, auch Baulärm kommt auf ihn zu. Zu den Aufgaben des neuen Leiters des Diözesanmuseums wird es gehören, das Haus barrierefrei zu machen.

Mittwoch, 07.10.2020, 05:24 Uhr aktualisiert: 07.10.2020, 05:30 Uhr
Das Diözesanmuseum mit den Porträts von Kaiser Heinrich II. und seiner Frau Kunigunde ist das neue Arbeitsfeld von Holger Kempkens. Foto: Oliver Schwabe

„Die erfindungsreiche Architektur mit ihrer begehbaren Spirale hat dazu geführt, dass das Museum nicht überall behindertengerecht ist“, sagte der Nachfolger von Christoph Stiegemann am Dienstag bei seiner Vorstellung. Seinen Dienst wird Kempkens am 15. Oktober antreten.

Generalvikar: „Jetzt brennt’s“

Das 1853 gegründete Diözesanmuseum ist das älteste seiner Art im deutschsprachigen Raum und beherbergt mehr als 12.000 Exponate aus fast 1000 Jahren von der Romanik bis zum Barock. Als der von Gottfried Böhm gestaltete Neubau 1975 eingeweiht wurde, sei behindertengerechtes Bauen noch kein Thema gewesen, sagte Generalvikar Alfons Hardt: „Aber jetzt brennt’s. Die Problematik, dass einige, die hineinwollen, nicht hineinkönnen, ist groß.“ Möglicherweise soll ein Anbau möglich machen, dass Rollstuhlfahrer alle Ebenen des Museums erreichen können.

Wer ist der neue Leiter des Diözesanmuseums? Holger Kempkens stammt aus dem Rheinland, hat Kontakte nach Westfalen, wo seine Mutter in Bielefeld lebt, und ist 49 Jahre alt. Er hat in Bonn und Bamberg Kunstgeschichte sowie die Nebenfächer Historische Geografie, Volkskunde, Denkmalpflege und Bauforschung studiert.

Im Kloster Dalheim mitgearbeitet

Mit der Geschichte der Paderborner Fürstbischöfe wie Clemens August (1700 bis 1761), der im Schloß Neuhaus residierte, ist er genauso vertraut wie mit dem Kloster Dalheim in Lichtenau. Dort gestaltete Kempkens von 2007 bis 2010 die Dauerausstellung mit und erarbeitete eine Sonderausstellung über die Benediktiner. Im Bistum Münster machte er sich 2012 mit der Schau „Goldene Pracht – Mittelalterliche Schatzkunst in Westfalen“ einen Namen, danach leitete der Wissenschaftler bis zuletzt das Diözesanmuseum Bamberg mit Schätzen wie den Kaisergewändern von Heinrich II. und seiner Frau Kunigunde.

Auf die Frage, warum es ihn trotzdem nach Paderborn gezogen hat, verwies er auf die aus seiner Sicht besseren Perspektiven: „Die Arbeitsmöglichkeiten sind hier deutlich großzügiger.“ In Bamberg sei die personelle und finanzielle Ausstattung gering gewesen, jetzt wolle er nicht mehr Einzelkämpfer sein, sondern in einem Team arbeiten.

Inhaltlich will Holger Kempkens die erfolgreiche Arbeit von Christoph Stiegemann, den er über die Arbeitsgemeinschaft kirchliche Museen und Schatzkammern und aus dem Beirat der Gotik-Ausstellung in Paderborn kennt, fortsetzen. Stiegemann, der vor einer Woche nach 30 Jahren als Museumsdirektor in der Paderhalle verabschiedet worden war, hatte lokale Ereignisse als Aufhänger genommen, um europäische Geschichte zu erzählen. Ausstellungen wie die über die Karolinger brachten dem Museum massenhaft Besucher.

Alte und zeitgenössische Kunst vereint

„Die Rückkopplung an örtliche Ereignisse ist wichtig“, betonte Holger Kempkens. Ihm schwebt konkret eine Begleitausstellung zum 1200-jährigen Bestehen des Klosters Corvey vor, das 2022 ansteht. Für wichtig hält er die Verbindung von alter mit moderner Kunst: „Objekte der Sammlung werden mit zeitgenössischer Kunst in einen neuen Zusammenhang gebracht. Dadurch ergeben sich interessante und unerwartete Querverweise.“ Das hat Kempkens zum Beispiel bei seiner Ausstellung „Der Funke Gottes“ 2019 in Bamberg beobachtet.

Ansprechen will der Neue nicht nur die Zielgruppe 60 plus. Jüngere Menschen könne man mit neuen Formaten und Ausstellungen zum Beispiel über Tod und Bestattung durchaus erreichen, ist er überzeugt. Wie viele Personen sich auf die Stelle in Paderborn beworben haben, wollte Generalvikar Alfons Hardt nicht sagen. Von Kempkens Qualitäten ist er überzeugt: „Mit ihm haben wir eine Persönlichkeit gefunden, die der westfälischen sakralen Kunst eng verbunden ist und die – aus der Arbeit für das Erzbistum Bamberg – um die Bedeutung von Kunst als Kulturträger in kirchlichem Umfeld und darüber hinaus weiß.“ Mit den großen Sonderausstellungen und der Inventarisierung der Kunstausstattung in den Kirchen hinterlasse Christoph Stiegemann „ein Erbe, das wohl bewahrt und weitergeführt werden soll“.

Heinrich II. und Kunigunde begleiten ihn

Übrigens wird sich Holger Kempkens jeden Tag an Bamberg erinnert fühlen. An der Seite des Paderborner Diözesanmuseums prangen unübersehbar Porträts von Heinrich II. und Kunigunde. Paderborn sei im 11. Jahrhundert einer ihrer Lieblingsorte gewesen, weiß Kempkens, dem zu wünschen ist, dass die ostwestfälische Domstadt für ihn im Laufe der Jahre eine ähnlich große Rolle einnehmen wird.

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