Prozess in Paderborn: 47-Jährige soll 90 Konten gehabt haben - Polizei-PC beschlagnahmt
Mord in Borchen: Angeklagte Tochter hatte 170.000 Euro Schulden

Paderborn/Borchen (WB). Im Prozess um den Mord an einer 76-jährigen Witwe aus Borchen sind beim Fortsetzungstermin am Montag weitere Details bekannt geworden. Dabei standen insbesondere die hohen Spielschulden der 47-jährigen angeklagten Tochter im Fokus. Die Staatsanwaltschaft vermutet Habgier als Mordmotiv.

Dienstag, 06.10.2020, 06:02 Uhr aktualisiert: 07.10.2020, 07:06 Uhr
Die Angeklagte, die ihre Mutter mit Nachttischlampen erschlagen haben soll, möchte nicht erkannt werden. Foto: Jörn Hannemann

Zwischen 2014 und 2019 soll die Tatverdächtige, die regelmäßig auf Tennisspiele und andere Sportereignisse wettete, insgesamt 215.000 Euro gesetzt, jedoch nur 80.000 Euro eingenommen haben. So habe sich nur in diesem Zeitraum ein Verlust von 135.000 Euro ergeben, sagte ein Finanzermittler der Polizei vor Gericht aus. Die Angeklagte habe ihren Wetteinsatz kontinuierlich gesteigert. Seien es zu Beginn noch 10.000 Euro im Jahr gewesen, habe sich der Einsatz auf bis zu 70.000 Euro jährlich erhöht. „Die Ausgaben standen in keinem normalen Verhältnis zu den Einnahmen”, machte der Beamte deutlich. Zuletzt soll die Frau fast 60.000 Euro in einem Jahr verloren haben.

Auch das Haus ist belastet

Die Angeklagte, die monatlich etwa 2000 Euro netto verdient haben soll, finanzierte die Sportwetten offenbar mit einer Vielzahl von Krediten unterschiedlichster Anbieter. Die Polizei ist bei ihren Ermittlungen auf fast 90 Bankkonten der Frau gestoßen, darunter viele Kreditkonten.

Insgesamt soll die Angeklagte 170.000 Euro Schulden gehabt haben, auch das Haus sei belastet. Die finanzielle Situation des damaligen Ehemanns (die Ehe ist seit knapp einer Woche geschieden), der anfangs unter Tatverdacht stand und drei Monate unschuldig in U-Haft verbrachte, sei unauffällig, gab der Ermittler an.

Hat Polizistin Dienstcomputer für private Nachrichten genutzt?

Während die Aussagen des Finanzermittlers ein Stück weit Licht ins Dunkeln brachten, warfen zwei Zeugen vor Gericht neue Fragen auf. Eine Polizistin aus Rietberg, die von Sommer 2017 bis März 2018 ein Verhältnis mit dem damaligen Ehemann der Angeklagten hatte, zog das Interesse der Verteidigung auf sich. Die Frau gab an, auch jetzt noch mit dem 54-jährigen Mann per E-Mail und WhatsApp in Kontakt zu stehen und sich mehrmals wöchentlich auszutauschen. Dazu soll sie ihren Dienstcomputer auf der Polizeiwache nutzen. Auf Nachfragen von Verteidiger Mario Prigge stellte sich heraus, dass die Zeugin fast alle Mails und Kurznachrichten gelöscht haben soll.

Das machte auch Richter Eric Schülke stutzig. Das Gericht ordnete deshalb an, die gelöschten E-Mails von Experten wiederherstellen zu lassen, um gegebenenfalls neue Ansatzpunkte in dem Prozess zu gewinnen. Noch am Montag wurde der Dienst-PC der Polizistin beschlagnahmt.

Notizen einer Zuhörerin wurden eingezogen

Durch Zufall fand das Gericht außerdem heraus, dass die jetzige Lebenspartnerin des Ex-Manns im Publikum saß und den Prozess schriftlich dokumentierte. Die Unterlagen wurden vom Gericht eingezogen, weil der Verdacht besteht, dass der Mann auf seine Aussage in kommenden Anhörungen vorbereitet werden sollte.

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