Verkehrswacht Paderborn fördert Radfahrtraining an Grundschulen
Elterntaxis sind die schlechtere Wahl

Paderborn (WB). „Ich bin jedes Mal hingefallen, aber nach fünf Tagen habe ich es hinbekommen“, erzählt die achtjährige Pia, wie sie das Radfahren gelernt hat. Das Mädchen besucht die Grundschule Sande, und dort ist es wie bei anderen Grundschulen auch: Statt ihre Kinder mit dem Rad zum Unterricht fahren zu lassen, bringen immer öfter Mama oder Papa ihre Kinder mit dem Elterntaxi. Das sorgt morgens für Stau und außerdem dafür, dass so mancher Junge und so manches Mädchen bei der Radfahrausbildung in Klasse 4 überfordert ist.

Dienstag, 06.10.2020, 05:27 Uhr aktualisiert: 06.10.2020, 05:30 Uhr
Kilian und Pia, Andreas Drost, Maxi Brautmeier-Ulrich, Hubert Böddeker, Jürgen Niggemeyer (Straßenverkehrsamt), Werner Brüseke und Rainer Hoberg (von links) stehen vor dem neuen Fahrradmobil der Verkehrswacht Paderborn. Foto: Oliver Schwabe

„Die Kinder kommen oft mit nagelneuen Rädern zur Radfahrausbildung, und dann merkt man, dass sie gar nicht fahren können“, hat Rainer Hoberg beobachtet. Er ist der neue Geschäftsführer der Verkehrswacht Paderborn, und die rät dringend dazu, das Radfahren schon in den ersten beiden Klassen zu üben.

Fahrradmobil kostete 25.000 Euro

Mit einem neuen Mercedes-Transporter, in den acht Räder, drei Roller und außerdem Pylonen passen, mit denen ein Parcours markiert werden kann, fährt die Verkehrswacht die Grundschulen an und stellt die Ausrüstung ein bis zwei Wochen lang zur Verfügung. 25.000 Euro hat das Fahrradmobil gekostet, mit 12.500 Euro beteiligte sich die Sparkassenstiftung an den Kosten, und nicht zuletzt habe „ein hohes Bußgeld vom Amtsgericht Paderborn unser Fahrzeug investiert“, erzählt Werner Brüseke von der Verkehrswacht am Montag.

Auch das Straßenverkehrsamt des Kreises beteiligt sich an der Aktion für mehr Sicherheit im Straßenverkehr – indem sie die Fahrräder und jährlich bis zu 2000 Schutzwesten für Kinder bereitstellt. „Das alte Fahrzeug war schon 18 Jahre alt und erfüllte nicht mehr die Umweltstandards“, macht Werner Brüseke klar, dass Handlungsbedarf bestand.

Defizite bei der Motorik

Der besteht auch bei den „Fahrkünsten“ der Kinder. Die Koordination und das Halten des Gleichgewichts bereiteten zunehmend Probleme, sagt der Verkehrssicherheitsberater der Paderborner Polizei, An­dreas Drost: „Es ist wie beim Schwimmen – es wird immer mehr.“ Der Verkehrsbeauftragte der Grundschule Sande mit ihren 242 Mädchen und Jungen in elf Klassen, Rainer Amediek, hat festgestellt: „Das normale Fahren bekommen die Kinder ganz gut hin, aber problematisch ist das einhändige Fahren.“

Mami hält morgens vor der Schule

Das Anfahren, Bremsen und Abbiegen können die Kinder auf einer markierten Fläche auf dem Schulhof üben. Für Roller, „ein großer Trend“ (Rainer Amediek), gibt es einen eigenen Parkplatz. Die Sicherheit der Kinder nimmt die Schulleitung sehr ernst, zurzeit läuft die Aktionswoche „Zu Fuß zur Schule“. Die Schulleiterin Maxi Brautmeier-Ulrich stellt bedauernd fest: „Auch Kinder, die hier direkt um die Ecke wohnen, werden von Mami gebracht.“

Mit dem Rad oder zu Fuß zu kommen, sei sinnvoll, um sich mit dem Straßenverkehr auseinanderzusetzen und so Selbstvertrauen zu gewinnen, betont die Verkehrswacht. Mit den Rädern aus ihrem Mobil können Kinder im Schonraum Schule das sichere Fahren üben. Das Angebot wird genutzt. „Im Frühjahr ist das Fahrzeug immer ausgebucht“, erzählt Werner Brüseke. Wer möchte, dass das Fahrradmobil auch zu seiner Schule kommt, meldet sich per E-Mail (info@verkehrswacht-paderborn.de). Nicht nur der Vorsitzende der Sparkassenstiftung, Hubert Böddeker, findet es „toll, dass die Verkehrswacht diese Arbeit macht“. Wenn sich dadurch auch nur ein Unfall verhindern ließe, habe sie sich schon gelohnt. Alle Altersgruppen eingeschlossen, verunglückten 2019 im Kreis Paderborn 375 Radfahrer.

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