Neuer Reiseführer „111 Orte in Paderborn, die man gesehen haben muss“ hebt Paderborns kleine Schätze hervor
Es muss nicht immer das Rathaus sein

Paderborn (WB). Das schafft nicht jede Frittenbude. Stephanie Katerle hat in ihr Buch „111 Orte in Paderborn, die man gesehen haben muss“ einen Imbiss mit aufgenommen. Broers mit der „leckeren Mantaplatte“ gehöre zu Paderborn wie der Dom und die Pader, meint die Autorin.

Montag, 05.10.2020, 05:17 Uhr aktualisiert: 05.10.2020, 14:30 Uhr
Nicht so imposant wie das Original, aber dennoch sehenswert: der „kleine Hermann“ an der Detmolder Straße. Foto: Jörn Hannemann

Auch Kneipen sind Sehenswürdigkeiten

Ihr Reiseführer zeichnet sich dadurch aus, dass er eben nicht nur die herausragenden, für alle sichtbaren steinernen Zeugnisse der Stadtgeschichte herauspickt und beschreibt. So erhalten weder das Weserrenaissance-Rathaus noch das Computermuseum einen eigenen Beitrag, dafür sind das Café Röhren mit Kultur und Ankreuzfrühstück, die Kultkneipen „Sputnik“ und „Lenz“ und der Kara-Markt als Anlaufstelle für die Russlanddeutschen aufgeführt.

Der Titel des Buches ist insofern irreführend, als der Blick über die Stadt Paderborn hinausgeht und in die Umgebung schweift. Altenbeken (Viadukt), Bad Lippspringe (Gartenschaugelände), Lichtenau (Kloster Dalheim), Delbrück (der schiefe Turm) oder Salzkotten (Polizeimuseum) kommen genauso vor wie Schlangen mit der Gauseköte.

 

„Paderborn ist durchaus modern“

Aber zurück nach Paderborn. Was zeichnet die Stadt nach Auffassung von Stephanie Katerle aus? Das Vorurteil, Paderborn werde von Kirche, Konservatismus und Nieselregen geprägt, stimme mit der Realität nicht überein, ist sie überzeugt: „Paderborn ist durchaus modern – und zwar in einer Weise, die man mit ‚Vintage‘ bezeichnen könnte: Altes ist schick und wird zur Eigenmarke erklärt. Was früher mal begeistert hat, wird erhalten – und zwar so lange, bis es wieder rockt.“

Paderborn mache nicht auf alt, sondern sei es wirklich, und der Sinn für Wert, Bestand, Sicherheit und Tradition bewahre die Stadt davor, ein „gesichtsloser Einheitsort“ zu werden mit Fußgängerzonen nach Schema F, lobt die Autorin. Sie wurde 1967 in Karlsruhe geboren und kam 1976 mit ihrer Familie nach Paderborn. Die historischen Gebäude der Domstadt muteten nicht museal an, sondern seien „in Gebrauch, lebendig und haben Seele“.

Für Katerle sind nicht nur das Diözesanmuseum und die Busdorfkirche mit ihrem Kreuzgang typisch für Paderborn, sondern auch Weyhers Biergarten im Haxtergrund. Er sei das Gegenteil von stylish, hip und cool und „damit also exakt das, was Paderborn ausmacht“. Wer Paderborn kennenlerne wolle, könne „tausend Bücher lesen oder einfach bei Weyhers ein Bier trinken“, glaubt die Verfasserin.

Auf den Boden gucken

In der Reihe „111 Orte“, in der inzwischen mehr als 30 Bücher erschienen sind, widmet sie jeweils zwei Seiten den Sehenswürdigkeiten, zu denen auch kleine, unscheinbare gehören – wie die Totenleuchte am Dom, die die Erinnerung an die Opfer der Bombenangriffe 1945 wachhalten soll. Katerle rät auch dazu, den Blick zum Boden zu richten und auf der Westernstraße auf die Gullydeckel mit Stadtwappen oder Dreihasenmotiv zu achten.

Auch nicht sofort ins Auge fällt der verblasste, rote Heina-Schriftzug an der Fassade des Hauses Neuhäuser Straße 41. Die Trinkhalle schloss vor vielen Jahren, die Fassade inklusive Eingangsgitter blieb. Es ist ein kleines Stück Paderborner Wirtschaftsgeschichte, zu der Traditionsgeschäfte wie Kerzen Bartsch oder der Hutladen Heinrichsdorff noch immer gehören. Sie werden im Buch ebenfalls gewürdigt.

Nicht in jedem Fall muss man die Begeisterung der Reiseführerautorin, die im Hauptberuf als Coach und Paarberaterin arbeitet, teilen. Dass das Naturkundemuseum „ganz und gar erfüllt“, was man von so einem Museum erwarte, ist eine mutige These. Aber vielleicht weiß Stephanie Katerle nicht, dass der neue Museumsleiter Sven Mecke das altmodische Konzept des Hauses vollständig überarbeiten will.

Dennoch eignet sich das Buch dazu, die Eindrücke einer Stadtführung zu vertiefen. Es weist fernab der großen Linien der Geschichte auf Geheimtipps wie das kunstliebende Café-Restaurant und Hotel „Petite Galerie“ und andere mehr hin und macht deutlich, dass Paderborn nicht provinziell und miefig ist. „111 Orte in Paderborn, die man gesehen haben muss“ ist im Kölner Emons-Verlag erschienen, kostet 16,95 Euro und kann unter der ISBN-Nummer 978-3-7408-0645-3 bestellt werden.

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