Landgericht Paderborn verurteilt Täter-Trio zu Bewährungsstrafen
Milde Strafen im Geldtransporter-Prozess

Paderborn (WB). Im Zweifel für die Angeklagten: Die Beschuldigten im Geldtransporter-Prozess kommen mit milden Strafen davon. Nach fast achtstündiger Anhörung verurteilte das Gericht die drei Täter wegen Diebstahls in besonders schwerem Fall zu Freiheitsstrafen auf Bewährung.

Samstag, 03.10.2020, 08:59 Uhr aktualisiert: 03.10.2020, 09:02 Uhr
Symbolbild. Foto: Jörn Hannemann

Die Anklage lautete zum Prozessbeginn im September noch gemeinschaftlicher schwerer Raub, den Angeklagten drohten mindestens fünf Jahre Haft. Dass die drei Täter – ein Guineer (23), ein Syrer (26) und ein in Paderborn geborener Türke (27) – nur zu elf bzw. 15 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt wurden, lag zum großen Teil daran, dass diverse Sachverhalte und Anschuldigungen vor Gericht nicht geklärt werden konnten.

Zeugenaussage offenbart Ungereimtheiten

So begründete das Gericht sein Urteil unter anderem damit, dass nicht bewiesen werden konnte, ob eine Schreckschusspistole bei der Tat Ende Februar dieses Jahres überhaupt benutzt worden sei. Der Fahrer (21) des überfallenen Geldtransporters beschrieb die vermeintliche Tatwaffe einmal als schwarz, später dann als silberfarben. „Der einzige Hinweis auf eine Waffe bei dem Überfall ist die Aussage des Geschädigten”, erklärte der Richter.

Zudem kämen weitere Ungereimtheiten, die sich auf die Rolle des Geldtransporter-Fahrers beziehen, den Angeklagten zugute. Während der Beifahrer vor Gericht aussagte, dass der 21-jährige Fahrer nach der Tat „kreidebleich und völlig aufgelöst” gewesen sei, bezeichnete ihn ein Polizeibeamter in der Vernehmung als „sachlich und wenig emotional”. Des Weiteren revidierte der junge Mann Teile seiner Aussagen in Polizeivernehmungen und löschte Telefongespräche auf seinem Handy. Das Gericht ließ außerdem die Anklagepunkte der falschen Verdächtigung und Nötigung fallen. In einer früheren Verhandlung behauptete der Fahrer, er sei von den Tätern bedroht und unter Druck gesetzt worden. „Wir können die Aussage des Fahrers für diesen Anklagepunkt nicht als Grundlage nehmen”, entschied der Richter.

Strafe bereits abgesessen

Die Staatsanwaltschaft war in ihrem Schlussplädoyer unerwartet zurückhaltend und forderte nur zwölf bzw. 16 Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung mit Sozialstunden als Auflage. Aufgrund vieler ungeklärter Sachverhalte habe sich die Staatsanwaltschaft auf den kleinsten gemeinsamen Nenner berufen – dabei handele es sich um Diebstahl in besonders schwerem Fall. Als strafverschärfend bezeichnete die Anklage die kriminelle Energie und Planung der Tat. Auch die gestohlene Geldsumme von knapp über 5500 Euro sei zu beachten, hieß es.

Die Verteidiger der drei Beschuldigten mussten ihrerseits nicht mehr viel Überzeugungsarbeit leisten. Rechtsanwalt Dr. Zacharias betonte, dass der Schlüssel zu dem Fall die Rolle des Transporterfahrers sei. Da dessen Aussagen aber nicht belastbar seien, gelte der juristische Grundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten”. Herunterspielen wollte Dr. Zacharias die Taten der Angeklagten jedoch nicht. „Das sind definitiv keine Bagatelldelikte”, stellte der Verteidiger klar. Die mehrmonatige Untersuchungshaft habe seinen Mandaten nachdrücklich geprägt. Der Wille, künftig ein bürgerliches und straffreies Leben zu führen, sei vorhanden.

Weil die Angeklagten nicht bzw. nicht einschlägig vorbestraft sind und zum Teil bereits mehrere Monate in Untersuchungshaft gesessen haben, beließ es das Gericht bei Bewährungsstrafen und verzichte auf die Anordnung von Sozialstunden.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7614507?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2512560%2F
Polizei: Gebäude des Robert Koch-Instituts angegriffen
Eine zerbrochene Fensterscheibe und Rußspuren am Gebäude des Robert Koch-Instituts in der General-Pape-Straße im Berliner Bezirk Tempelhof-Schöneberg.
Nachrichten-Ticker