Im Januar 2021 soll wieder im Paderborner Kleinkunsttheater gespielt werden
Das Amalthea macht weiter

Paderborn (WB). Kann ein kleines Theater die Corona-Pandemie überstehen? Diese Frage treibt auch die Verantwortlichen des Amalthea um, wo die letzte Veranstaltung am 29. Februar stattfinden konnte.

Samstag, 03.10.2020, 05:23 Uhr aktualisiert: 03.10.2020, 17:24 Uhr
Mit Plexiglasscheiben wollen Hansgeorg Enzian (links) und Klaus Sindern das Amalthea-Theater coronasicher machen. Foto: Oliver Schwabe

„Jetzt sind wir ganz hoffnungsvoll“, sagte der Vorsitzende des Betreibervereins, Hansgeorg Enzian, am Donnerstagabend dieser Zeitung. Mitarbeiter des Ordnungs- und Gesundheitsamtes hätten bei einem Ortstermin das geplante Hygiene-Konzept wohlwollend aufgenommen.

Ausweichquartiere gefunden

Demnach soll es ab Januar 2021 wieder Auftritte in dem Kleinkunstjuwel an der Jühengasse geben. Bis dahin treten vom Amalthea gebuchte Künstler in Ausweichquartieren auf – in der Aula des Theodorianums und im Liboriusforum. Konkret gastieren Erwin Grosche (10. Oktober) und Fee Badenius (23. Oktober) jeweils um 20 Uhr in der Aula, während Markus Kiefer (17. Oktober) und das Kabarett Radau (28. November) ins Liboriusforum kommen.

„Die Aula haben wir praktisch unentgeltlich bekommen, und im Liboriusforum zahlen wir einen Euro pro Karte an die Kirche“, erläutert der steillvertretende Vereinsvorsitzende Klaus Sindern. So wie der ganze Verein freut er sich über die Solidarität, die das Gymnasium, Erzbistum und Kulturamt gegenüber dem Amalthea beweisen.

Bühne nur zehn Quadratmeter groß

Mit nur 50 Quadratmetern ist das Amalthea eines der kleinsten Theater in Westfalen, die Bühne misst gerade einmal zehn Qua­dratmeter. Die besondere Atmosphäre im Saal entsteht dadurch, dass Zuschauer und Künstler eng beisammen sind – in Zeiten von Corona eine denkbar ungünstige Konstellation. Deshalb blieb den Verantwortlichen nichts anderes übrig, als die von März an geplanten Programme abzusagen. „Bei dem geforderten Mindestabstand von vier Meter zur Bühne hätten wir nur acht Leute ins Amalthea hineinbekommen“, machen Enzian und Sindern klar, dass solche Auftritte weder für die Künstler noch den Verein einen Sinn ergeben. Natürlich habe man sich gefragt, ob das Coronavirus das Ende des Amalthea bedeutet, räumt Enzian ein.

Programm besteht zur Hälfte aus Musik

Das Programm des 1997 gegründeten Theaters besteht zu 50 Prozent aus Musik, und Gesang gilt wegen der dabei entstehenden Aerosole als besonders gefährlich. Trotzdem gibt der Verein nicht auf, und seine Mitglieder besprachen am Donnerstag erneut, wie es weitergeht. „Wir sind dankbar, dass wir diese Möglichkeit haben“, sagte Hansgeorg Enzian (73) mit Blick auf die Aula des Theodorianums, in die 60 Personen dürfen, und das Liboriusforum, in das 30 Stühle gestellt werden können.

Entsprechende Mietverträge sind unterschrieben. Der Verein muss sicherstellen, dass er nachweisen kann, wer zum Beispiel in der Aula auf Platz 17 gesessen hat. Damit die Künstler trotz der geringeren Zuschauerzahl auf ihre Kosten kommen, hat der Verein den Kartenpreis von 15 auf 18 Euro angehoben. Karten gibt es auch nur noch im Vorverkauf im Ticketcenter am Marienplatz. Die Möglichkeit, Karten telefonisch oder per E-Mail zu reservieren und an der Abendkasse abzuholen, bietet der Verein vorerst nicht mehr an.

Plexiglasscheiben sollen die Lösung sein

Im Amalthea fanden vor Corona bis zu 70 Freunde der Kleinkunst Platz. Beim Neustart Anfang 2021 sollen es 40 bis 50 sein. Mindestens drei größere an der Bühnenkante montierte Plexiglasscheiben sollen dafür sorgen, dass überhaupt wieder Auftritte vor einer nennenswerten Zahl von Gästen stattfinden können. Die Scheiben sollen den Mindestabstand von vier Meter zwischen Bühne und Publikum überflüssig machen. Schon in der Vergangenheit hatten die Verantwortlichen die Namen der Besucher auf die Sitze geschrieben. Das erleichtert die Nachverfolgbarkeit. Die Veranstaltungen in der Aula und im Liboriusforum seien in trockenen Tüchern, aber im Januar wolle man an die alte Wirkungsstätte zurückkehren, sagt Klaus Sindern (76): „Das Amalthea ist hier.“

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