Christoph Stiegemann in Paderborn mit viel Lob verabschiedet
Das Gesicht des Diözesanmuseums

Paderborn (WB). „Der Lotse geht von Bord“, sagte Festredner Harald Wolter-von dem Knesebeck über Christoph Stiegemann und spielte damit auf die berühmte englische Karikatur zur Entlassung von Otto von Bismarck 1890 an.

Freitag, 02.10.2020, 05:07 Uhr aktualisiert: 02.10.2020, 07:44 Uhr
Christoph Stiegemann leitete 30 Jahre lang das Diözesanmuseum und verabschiedet sich mit der Rubens-Schau. Foto: Jörn Hannemann

Während der Kanzler das Deutsche Kaiserreich geprägt hatte, lenkte Christoph Stiegemann 30 Jahre lang das Diözesanmuseum in Paderborn und verhalf ihm zu neuem Glanz. Am Mittwochabend wurde der Museumschef, Domkustos, Leiter der Fachstelle Kunst des Erzbistums und Honorarprofessor für christliche Kunst mit einem Dankgottesdienst im Dom und einem Festakt in der Paderhalle verabschiedet.

Anschließend war Stiegemann „überwältigt und ein bisschen sprachlos“, was bei ihm selten vorkomme, wie er einräumte. Seine Stimmung wäre gedämpft gewesen, hätte seine Herzensausstellung „Peter Paul Rubens und der Barock im Norden“ wegen des Coronavirus gar nicht stattfinden können. Weil die Schau allen Widrigkeiten zum Trotz erfolgreich läuft, falle für ihn der Vorhang genau zum richtigen Zeitpunkt, sagte Stiegemann dieser Zeitung.

„C-Klasse“

Es ist bei weitem nicht die erste herausragende Ausstellung in seiner Ägide. Mit Blick auf Stiegemanns lange Amtszeit sprach Festredner Harald Wolter-von dem Knesebeck von der „C-Klasse“ und meinte damit die Ausstellungen „Canossa“, „Credo“ und „Caritas“, ohne dabei die Karolinger-Schau zu vergessen, die 1999 allein mehr als 300.000 Besucher anlockte.

Prof. Christoph Stiegemann nach 30 Jahren als Direktor des Diözesanmuseums verabschiedet

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Foto: Jörn Hannemann
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Christoph Stiegemann habe zentrale Themen wie die Nächstenliebe, die Missionierung und die Bedeutung des christlichen Glaubens für das Menschenbild in Form einer „orchestrierten Erzählung“ dargestellt, die Besucher dabei mit dem Fremden vertraut gemacht und so einen Gegenentwurf zum „plumpen Nationalismus“ geschaffen, lobte Wolter-von dem Knesebeck, der Kunstgeschichte an der Universität Bonn lehrt und ein langjähriger Wegbegleiter Stiegemanns ist. Den zeichne eine „strahlende Freude an der Kunst“, ein wacher Geist und organisatorisches Geschick aus, lobte der Festredner und betonte: „Er hat ein Museum aufgebaut, auf das man in Deutschland und darüber hinaus blickt.“

Mit Lob wurde Stiegemann, der 1979 als Wissenschaftlicher Assistent im Diözesanmuseum angefangen war, geradezu überschüttet. Ihm sei es nachhaltig gelungen, junge und alte Menschen für das Haus zu interessieren, würdigte Generalvikar Alfons Hardt seine Leistung. Abgesehen vom kunshistorischen Sachverstand habe Christoph Stiegemann das Gebäude von Gottfried Böhm in der Umbauphase zwischen 1991 und 1993 überhaupt erst in ein funktionstüchtiges Museum verwandelt.

Eine Festschrift zu seinen Ehren

Aber nicht nur wegen der lieben Worte, sondern auch wegen der Geschenke wird sich der 65-Jährige noch lange an den Abend erinnern. Seine engen Mitarbeiterinnen Christiane Ruhmann und Petra Koch-Lütke Westhues überreichten ihm die speziell für ihn erstellte Festschrift „Museum als Resonzraum“ mit fast 500 Seiten und Beiträgen namhafter Wissenschaftler wie Matthias Wemhoff, den man in Paderborn noch gut kennt und der inzwischen das Museum für Vor- und Frühgeschichte in Berlin leitet.

Erzbischof Hans-Josef Becker erinnert in einem Aufsatz an den bayerischen Pfarrer Korbinian Aigner, der im KZ Dachau Apfelsorten züchtete. Becker schenkte Stiegemann eine Pflanze, die nach dem Streiter für den Glauben benannt ist (Korbinianapfel). Zuvor hatte ihm Bürgermeister Michael Dreier eine Stele mit einem Pfau überreicht.

 

Die Arbeit wird ihm nicht ausgehen

Christoph Stiegemann bedankte sich beim Erzbischof dafür, dass er sich in all den Jahren klar zu Kunst und Kultur bekannt habe. „Ich werde nicht arbeitslos“, kündigte er an und erklärte, er werde seine Tätigkeit im Weltkulturerbe Kloster Corvey fortsetzen. 2022 wird das Monument aus karolingischer Zeit 1200 Jahre alt. Der neue Leiter des Diözesanmuseums in Paderborn wird am kommenden Dienstag vorgestellt, Christoph Stiegemann verlässt das Haus am 15. Oktober. „Ich halte mich danach raus“, versprach der gebürtige Warsteiner. Er sei niemand, der am Sessel klebe.

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