Das Paderborner Bestattungshaus Voss feiert am 1. Oktober 125-jähriges Bestehen
Vom Tischler zum Bestatter

Paderborn (WB). 1895 läuft der erste Kinofilm der Welt über die Leinwand, im gleichen Jahr nimmt auch in Paderborn die Geschichte der Firma Voss ihren Anfang. Am 1. Oktober 1895 gründet Friedrich Wittrock eine Tischlerei, die bis heute als Bestattungshaus an der Kisau existiert. Schon 1895 war es üblich, dass Tischlereien auch Särge hergestellt haben. Der Wandel vom klassischen Handwerksbetrieb zum modernen ­Bestattungsdienstleister lag also näher, als es sich zunächst an­hören mag.

Donnerstag, 01.10.2020, 11:35 Uhr aktualisiert: 01.10.2020, 13:38 Uhr
Im Bestattungshaus Voss ist bereits die fünfte Generation im Unternehmen. Luis, Peter, Sebastian und Thomas Voss (oberes Foto links, von links) freuen sich über die Vorarbeit von Friedrich Wittrock und seiner Familie (unten links). Das Fachwerkhaus an der Kisau (oben Mitte) wurde im Krieg zerstört. Als in den 1970er Jahren die italienische Flug­gesellschaft streikte, haben die Bestatter einen Verstorbenen von Paderborn nach Sizilien mit dem Leichenwagen überführt (oben rechts). Unten rechts ist der damalige Leichenwagen, ein Borgward, Anfang der 1960er Jahre vor der Kapelle auf dem Westfriedhof zu sehen. Fotos: Voss Bestattungen

In der Gründungsbekannt­machung, die im WESTFÄLISCHEN VOLKSBLATT veröffentlicht wurde, warb der Gründer „dass es mein größtes Bestreben sein wird, für gute und dauerhafte Arbeit Sorge zu tragen. Gleichzeitig empfehle ich mich zur Anfertigung aller Arten von Möbeln”.

125 Jahre später kann das Versprechen von Friedrich Wittrock zweifellos als eingelöst betrachtet werden, auch wenn mit Luis und Sebastian Voss schon die Ur-Ur­enkel in den Startlöchern stehen, um die Firma weiterhin auf Kurs zu halten.

1927 heiratete Georg Voss seine Frau Theresia Wittrock und gab dem Betrieb so seinen heutigen Namen. 1945 fiel das alte Fachwerkhaus einem Brand zum Opfer. Im Zuge des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Firma schließlich für Bestattungen erweitert. Neben der Tischlerei eröffnete die Firma Voss auch ein Möbelhaus an der Kisau. Die großen Schaufenster des Gebäudes weisen noch heute darauf hin. Peter Voss erinnert sich: „Als Kind bin ich immer durch den Verkaufsraum zu meinen Großeltern gelaufen.”

Die große Wende kommt im Jahr 1968. Friedrich und Antonius Voss haben die Tischlerei und das Möbelhaus zwischenzeitlich von ihrem Vater Georg übernommen. Konkurrenzfähig war das Möbelgeschäft aber nicht mehr, erzählt Thomas Voss. Er erinnert sich, dass die beiden Geschäftsführer damals im neu eröffneten Südring auf ein- und dasselbe Möbelstück gestoßen seien, das auch an der Kisau angeboten wurde, allerdings zum Einkaufspreis.

Friedrich und Antonius Voss handelten: Das Möbelhaus und die Tischlerei wurden eingestellt, in Zukunft wollte man sich nun voll und ganz auf das Thema Bestattungen konzentrieren. Georg, Friedrich, Antonius und Peter Voss engagierten sich aber auch über das Gewerbe hinaus im Bestatterverband NRW. Peter Voss ist aktuell Kreisvorsitzender des Verbandes sowie Delegierter im Landesverband und vertritt so die Interessen der Mitglieder in den berufsständischen Belangen vor Ort und in NRW.

Im Jahr 1992 übernahmen die heutigen Geschäftsführer Thomas und Peter Voss das Ruder an der Kisau. Als „fachgeprüfte Bestatter” wollen sie das Erbe ihrer Vorfahren in Ehren halten, ohne dabei allzu sehr in der Vergangenheit verhaftet zu bleiben: „Wir sind stolz auf unsere traditionellen Wurzeln und nutzen den großen Erfahrungsschatz unserer Familie, um Voss Bestattungen in die Zukunft zu führen”, sagt Peter Voss – und Thomas Voss ergänzt: „Wie vieles im Leben geht aber auch die Bestattungskultur mit der Zeit.“

Das zeigt sich vor allem an der Bestattungsform: Während die Sargbestattung lange Zeit die vorherrschende Form war, hält sie sich inzwischen mit der Urnen­bestattung die Waage. Für Kunden stehen deshalb im Bestattungshaus auch unterschiedliche Modelle zur Auswahl. Wer will, könne sich sogar in einer Dreihasen-Urne bestatten lassen, sagen die Geschäftsführer. Dabei endet die Aufgabe eines Bestatters nicht bei der Sargauswahl. „Im Prinzip können wir alle Aufgaben über­nehmen, die im Rahmen einer Beerdigung anfallen”, sagt Peter Voss und meint damit zum Beispiel Todesanzeigen, Traueranzeigen, aber auch das Beantragen der Witwenrente. Dabei stehe stets der würdige Umgang mit den ­Toten im Vordergrund, sind sich beide einig. Um den Trauernden einen angemessenen Abschied zu ermöglichen, stehen im Haus auch mehrere Trauerräume zur Ver­fügung.

Mittlerweile ist auch die fünfte Generation im Familiengeschäft angekommen. Sebastian und Luis Voss wollen beide in die Fußstapfen ihrer Vorfahren treten. Dabei ist es Luis Voss wichtig, dass das auch seine persönliche Entscheidung war: „Ich bin mit dem Beruf aufgewachsen und mir gefällt die Arbeit sehr”, sagt der junge Bestatter. „Die Zukunft des Hauses ist damit gesichert”, freuen sich die stolzen Eltern.

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