Paderborner Firma Mettenmeier baut eigene Teststrecke für innovative Handy-App
Anschlüsse vermessen per Smartphone

Paderborn (WB/jhan). Normalerweise werden Hausanschlüsse vom Baudienstleister mit einem Maßband oder einem Laserent­fernungsmessgerät eingemessen und in einer handschriftlichen Skizze dokumentiert. Anschließend muss ein Vermessungsbüro an die Arbeit. Die Paderborner App „NAVA“ bietet eine Alternative für Netzbetreiber und Stadtwerke, indem es die Funktionen moderner Handys nutzt. Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigt eine neue Testrecke am Firmensitz des IT-Unternehmens Mettenmeier in Paderborn.

Mittwoch, 23.09.2020, 06:01 Uhr aktualisiert: 23.09.2020, 06:20 Uhr
Präsentieren die neue Teststrecke für die Vermessungs-App am ­Firmensitz von Mettenmeier: Geschäftsführerin Stefanie Mollemeier (Mitte), Victoria Voßen (Westfalen Weser), Joachim Magiera, Masoud Zandieh und Jörn Achtelik (von links). Foto: Jörn Hannemann

„Wir setzen auf dabei auf Augmented Reality und die immer besser werdenden Handy-Kameras“, sagt Firmenchef Ulrich Mettenmeier. „Mit der App kann jeder Monteur den Hausanschluss direkt nach der Leitungsverlegung einmessen, Fotos machen und den Graben zeitnah wieder schließen. Dies ist ein großer Vorteil für den Hausbesitzer und den Netzbetreiber, denn die Einmessung liegt bereits vollständig digital vor und der Plan kann direkt in das Geo­informationssystem des Netzbetreibers übernommen werden.“

Für den kompletten Datenfluss von der Einmessung bis hin zur Darstellung in der digitalen Karte hat Mettenmeier ein durchgängiges Verfahren entwickelt. Dabei erfolge auch die Dokumentation von Mehrspartenhausanschlüssen inklusive Liniendarstellung in einem Vorgang.

Die App entstand den Angaben zufolge vor knapp zwei Jahren im Zuge eines Innovationsworkshops mit Studenten der Universität Paderborn. Das Paderborner Unternehmen an der Klingenderstraße sorgte damit bundesweit für Aufsehen, weil es damit die erste Vermessungs-App speziell für Netzbetreiber auf den Markt gebracht hat. Mettenmeier spricht gar von einer „Revolution des Vermessungsprozesses“. Die Anzahl der durchgeführten Messungen würden in Kürze sechsstellig.

Smartphone statt Zollstock: Mit der App der Paderborner IT-Firma Mettenmeier können Hausanschlüsse von Netzbetreibern leicht und schnell vermessen werden. Auch moderne Augmented-Reality-Technik kommt zum Einsatz.

Smartphone statt Zollstock: Mit der App der Paderborner IT-Firma Mettenmeier können Hausanschlüsse von Netzbetreibern leicht und schnell vermessen werden. Auch moderne Augmented-Reality-Technik kommt zum Einsatz. Foto: Jörn Hannemann

Stolz berichtet das Unternehmen darüber hinaus, dass zu den Kunden auch der österreichische Energieversorger Tigas-Erdgas Tirol zähle. Sämtliche Hausanschlüsse des Netzbetreibers in Tirol werden demnach mit der innovativen Paderborner App ausgemessen.

Um die App weiterzuent­wickeln, muss sie immer wieder auf den neuesten Smartphone-Modellen getestet werden. Dafür hat Mettenmeier nun eine eigene und flexible Teststrecke an der Klingenderstraße in der Nähe der Benhauser Straße errichtet. Dabei wird an mehreren Stellen ein Hausanschlussgraben simuliert, mit dem Vergleichsdaten erhoben und die Genauigkeit der Messungen sichergestellt werden soll. Da es sich um eine Technologie handelt, ist die Genauigkeit der Messungen von großer Bedeutung, denn nicht alle Smartphones liefern heute schon verwendbare Ergebnisse für die Vermessung. Dieses könne man im Testfeld überprüfen. „Kein anderer Hersteller nutzt bislang ein solches Testfeld“, erläutert Mettenmeier. Die Bauteile für die Leitungen hat der regionale Netzbetreiber WestfalenWeser-Netz beigesteuert. Für Mettenmeier „ein Paradebeispiel für lokale Kooperation“, denn Westfalen-Weser-Netz war bereits beim Innovationsworkshop in der Uni als Experte mit an Bord, aus dem die App am Ende entstand.

Mettenmeier ist ein mittelständisches Softwareunternehmen mit Hauptsitz in Paderborn und beschäftigt derzeit etwa 200 Mitarbeiter.

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