Bäckerei Gaßmüller in Schloß Neuhaus schließt Heiligabend
Nach 45 Jahren ist Schluss

Paderborn (WB). Jetzt ist es offiziell: Die Backstube Gaßmüller in Schloß Neuhaus wird vom 24. Dezember an ihre Türen für immer schließen. „Es ist finanziell einfach nicht mehr möglich, die Bäckerei hier zu halten“, sagt Heinrich Gaßmüller, der den Betrieb seit 45 Jahren leitet.

Samstag, 19.09.2020, 06:00 Uhr
Heinrich Gaßmüller hat die erste Ladung Weihnachtsgebäck bereits fertig gemacht. Es wird wohl das letzte Mal sein, denn am 24. Dezember schließt die Backstube. Foto: Rebecca Borde

Gerade die Corona-Pandemie habe zur Verschlimmerung der Situation beigetragen. „Normalerweise nehmen wir im Frühjahr sehr viel ein und kommen damit durch den Sommer über die Runden.“ Doch nach dem Lockdown im März gingen viele Einnahmen verloren.

Wie sich die Bäckerei bis Weihnachten halten und was anschließend aus den Räumlichkeiten wird, bleibt zunächst ungeklärt. Die Backstube ist ein Betrieb, der seit drei Generationen im Besitz der Gaßmüllers ist. Heinrich Gaßmüllers Großvater habe die Räumlichkeiten bereits in den 1930er Jahren erworben. Schon vor dem Kauf habe sich dort eine Bäckerei befunden. Sein Großvater etablierte dann den Namen Gaßmüller. Doch zur Übernahme der vierten Generation soll es nicht mehr kommen. Obwohl der Sohn des 59-jährigen auch gelernter Bäckermeister sei, habe er sich mit seinem Studium für einen anderen beruflichen Werdegang entschlossen.

Supermarkt statt Bäcker

Doch sei Corona nicht der Hauptgrund für die Schließung. Vielmehr lege das Problem in der aktuellen Entwicklung der Nachfrage. „Heutzutage kaufen Menschen lieber verpacktes Brot aus dem Supermarkt“, sagt Gaßmüller resigniert. Auch seine treuen Stammkunden könnten diesen Verlust an Kundschaft nicht ausgleichen. Die Bäckerei befindet sich außerdem im alten Ortskern in Neuhaus an der Residenzstraße und liegt somit nicht im attraktiven Einkaufsbereich der Innenstadt. Zu wenige Kunden finden den Weg zur Backstube noch.

Nach Angaben Gaßmüllers seien auch einige treue Käufer schockiert über die Schließung. Eine Familie aus Elsen, die schon lange zu den Stammkunden gehört, habe ihm in einem Brief ihre Reaktion mitgeteilt. Sie habe es nicht fassen können und sei sehr traurig gewesen.

Finanzielle Probleme zwingen ihn zur Schließung. Auf keinen Fall sei der Entschluss aber gefallen, weil der 59-jährige keine Freude mehr an seinem Beruf habe. „Ich hatte viel Spaß an meiner Arbeit und habe sie immer gern gemacht.“ Doch jetzt ginge das einfach nicht mehr.

Seit 1983 nachts am Arbeiten

Auch wenn der Beruf des Bäckermeisters ihm immer gefallen habe, bleibt die zu verrichtende Arbeit hart. Selbst bei Sonnenaufgang aufzustehen, käme hier wohl Ausschlafen gleich. Der Arbeitsalltag Gaßmüllers beginnt bereits mit den ersten Minuten des Tages, um Mitternacht. Von da an arbeitet er die ganze Nacht durch bis um 8 Uhr morgens. „Das schaffe ich einfach nicht mehr.“ Schließlich arbeitet er mittlerweile seit 1983 ununterbrochen als Bäckermeister. Die Backstube übernahm er nur ein Jahr nachdem sein Vater bereits im Alter von 57 Jahren verstorben war. „Damals hatte mein Vater ein Café, aber das wollte ich für mich nicht.“ Stattdessen beließ Heinrich Gaßmüller es bei der Backstube.

Wie es im kommenden Jahr weitergehen soll, ist für den 59-jährigen noch ungewiss. Die Räume der beiden Filialen an der Residenzstraße und der Bielefelder Straße sollen in jedem Fall vermietet werden, sagt Gaßmüller, dem beide Gebäude gehören. Wer genau letztendlich in die Räumlichkeiten einziehen wird, ist noch offen.

Heinrich Gaßmüller hofft, dass sich die Bäckerei noch bis zum Ende dieses Jahres halten kann. Er habe noch sechs weitere Angestellte und zwei Gesellen, von denen einer jedoch zum Ende des Monats gehen werde. „Dann muss ich wahrscheinlich sieben Tage die Woche arbeiten“, befürchtet Gaßmüller.

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