Jugendkammer Paderborn verhandelt: Quartett soll Tankstelle ausgeraubt haben
Maskiert und mit Softair-Pistole

Paderborn (WB). Ein Tank­stellen-Überfall im November hat vier junge Paderborner vor Gericht gebracht. Ihnen drohen wegen schweren Raubes mehrjährige Haftstrafen – vorausgesetzt, der Vorwurf lässt sich beweisen. Denn möglicherweise haben die Vier zwar die Tankstelle um einen vierstelligen Euro-Betrag erleichtert, aber gar nicht beraubt.

Mittwoch, 09.09.2020, 11:28 Uhr aktualisiert: 09.09.2020, 12:20 Uhr
Vier Angeklagte behaupten, gemeinsame Sache mit dem Tankstellen-Kassierer gemacht zu haben. Foto: Jörn Hannemann/Archiv

10. November 2018: Nachts um 3 Uhr tauchen an der Aral-Tankstelle an der Borchener Straße zwei maskierte Männer am Nachtschalter auf, bedrohen den Kassierer mit einer Pistole. Der öffnet den Hintereingang, lässt beide Männer ein, gibt ihnen Geld aus der Kasse und öffnet den Tresor. Einer der Maskierten demoliert die Elektronik des Überwachungs­kamera-Systems, bevor die beiden mit einer Beute von 9000 Euro und Zigaretten für genau 47,50 Euro wieder verschwinden, ein paar Meter weiter zusammen mit ihrem Schmiere stehenden Kumpan in ein Fluchtauto steigen und davonfahren.

Der Kassierer bleibt mit einem Schock zurück, muss für eine Woche stationär in der LWL-Klinik bleiben. So steht es in der Anklageschrift, und deshalb stehen vier junge Männer aus Paderborn (jetzt 19, 20, 24, 26) vor Gericht. Und zwar vor der 5. Großen Jugendkammer, denn der Jüngste von ihnen war zum Tatzeitpunkt erst 17.

Kassierer habe gemeinsame Sache gemacht

So wie angeklagt war es wohl auch ungefähr, wenn man vier Angeklagten glaubt. Zwei von ihnen, nämlich die ehemals Maskierten, sind bei ihren Geständnissen durchaus auskunftsfreudig, die anderen schließen sich inhaltlich dem Gesagten an, ohne groß in Details zu gehen. Wie auch? Der 26-Jährige hatte als einziger ein Auto und hat mit diesem die Truppe erst einmal vom Tatort weggefahren. Der Jüngste hat nur das Tankstellengelände beobachtet und hätte vor „Kundschaft“ warnen sollen.

Aber während die Aussagen der Angeklagten die Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft stützen, offenbaren alle vier übereinstimmend einen weiteren Aspekt – einen widersprüchlichen. Der jetzt 24 Jahre alte Kassierer habe mit ihnen gemeinsame Sache gemacht, der 24-jährige Maskenträger nennt ihn gar „den Drahtzieher“: „Der hat sich selbst was eingesteckt, und uns als Blöde benutzt, um ihm zu helfen.“ Die Beute seien keine 9000 Euro, sondern nur 5000 Euro gewesen, die habe man teilen wollen.

Alles bloß Inszenierung?

Allerdings sei der Kassierer, der den ganzen Plan mit den anderen gemeinsam ausgeheckt habe, zuerst ja in die LWL-Klinik eingewiesen worden – und habe sich danach gar nicht mehr gemeldet, woraufhin man seine 1000 Euro wiederum aufgeteilt habe. Richterin Nicole Klein fragt nach dem Grund, warum dann überhaupt die Softair-Pistole mit im Spiel gewesen sei und die Angeklagten die teure Video-Elektronik geschrottet hätten: Das hätten sie gemacht, „damit alles authentisch rüberkommt“, sagt der 20-jährige Pistolen-Schwenker.

Der Polizeibericht schildert das „Auftreten“ des Kassierers beim Eintreffen einer alarmierten Streife eindeutig: Der Mann habe sich im Schockzustand befunden und stark hyperventiliert. Als Zeuge vor Gericht zittert er am Dienstag und ist kaum in der Lage, zu sprechen. Vor Gericht verweigert er die Aussage. Denn gegen ihn gibt es ein Ermittlungsverfahren wegen möglicher Tatbeteiligung. Dieses ist zwar eingestellt worden, weil es keinen hinreichenden Tatverdacht gab – aber das ist nur vorläufig.

Am kommenden Dienstag wird weiter verhandelt.

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