Eine Woche nach Massenprotest in Berlin
200 Menschen bei Corona-Demo

Paderborn (WB). Eine Woche nach der Großdemo in Berlin haben auch in Paderborn wieder zahlreiche Menschen in der Paderborner Innenstadt gegen die Corona-Maßnahmen protestiert und wie gewohnt Politik und Medien kritisiert.

Montag, 07.09.2020, 09:00 Uhr aktualisiert: 07.09.2020, 15:10 Uhr
Die Proteste gegen die Corona-Schutzregelungen sind am Samstag in eine neue Runde gegangen. Eine Woche nach der Großdemo in Berlin kamen 200 Menschen in der Paderborner Innenstadt zusammen. Eine Gegendemo gab es nicht. Foto: Nicole von Prondzinski

Zum 18. Mal organisierte eine Gruppierung, die sich „Querdenken 525“ nennt, die Protestaktion in der Paderborner Innenstadt, zu der am Samstag Teilnehmer aus ganz Ostwestfalen angereist waren und die friedlich verlaufen ist.

An der Herz-Jesu-Kirche trafen sich zunächst zu Beginn der Veranstaltung etwa 50 Demonstranten zu einem Protestzug bei ungemütlichem Regenwetter.

Rund 200 Teilnehmer am Domplatz zusammengekommen

Für viele Teilnehmer gab es offenbar ein Wiedersehen: Auf seine Frage hin, wer am vergangenen Wochenende bei den Demonstrationen in Berlin gewesen sei, erhoben so viele Menschen die Hand, dass kaum einer erblickt werden konnte, der sich nicht meldete. Das war Grund genug für kurzen Jubel.

Auch wenn die Bannerträger beim Marsch durch die Stadt Aufsehen erregten, war es ein absolut friedlicher Umzug, dessen Ruhe nur durch kurzes Ertönen von Trillerpfeifen unterbrochen wurde. Anfang und Ende des Zuges bildete die Polizei, bei der sich die Organisatoren für die gute Zusammenarbeit bedankten: „Hier klappt die Demokratie noch vom Feinsten.“

Am Domplatz kamen dann, wie angemeldet, rund 200 Teilnehmer zusammen. Organisator Raphael Schlaff erklärte im Gespräch mit dem WV: „Wir hatten bei allen bisherigen Demos eine in etwa konstante Teilnehmerzahl von 150 Menschen, aber mit wechselnder Besetzung.“ Zu der Demo am Samstag hatte das Organisationsteam zusätzlich Gruppierungen aus Bielefeld, Minden, Herford, Osnabrück, Bad Driburg und Detmold geladen. Die Bielefelder waren mit mehreren gelben Ortsschildern besonders auffallend gekennzeichnet.

Auf den Transparenten hieß es unter anderem „Mundschutz macht uns nicht mundtot“, „Selbst denken!“ und „Wenn die Voraussetzungen für eine ‚Pandemie von nationaler Tragweite‘ nicht gegeben sind, müssen sie aufgehoben werden”. Auch vor Microsoft-Gründer Bill Gates wurde auf einem Plakat gewarnt.

Zensur als Anzeichen für Wahrheit?

Dazu wurden Lieder zur Demokratie und Freiheit abgespielt oder live vorgetragen. Die Bielefelder Band „WONS“ (World of Nonsense) spielte einen Song, vor dem die Sängerin ankündigte: „Dafür sind wir bei Youtube zensiert worden.“ In ihrem Tonfall ist Stolz zu hören, als sie hinzufügt: „Und das ist ein gutes Zeichen! Ein Zeichen dafür, dass man die Wahrheit sagt.“

Passanten schüttelten bei der Textzeile „Corona ist vorbei, endlich wieder frei!“ nur den Kopf. Viele Demonstranten tanzten und sangen zu dem Song so, als könne man tatsächlich davon sprechen, dass die Pandemie Geschichte sei.

Die Demonstranten selbst schienen keine homogene Masse zu bilden: Ein Beteiligter hatte sein Plakat mit der Unterzeile „P.S. Ich bin kein Verschwörungstheoretiker“ versehen und ein anderer rief: „Die Verschwörungstheorien haben sich als wahr erwiesen!“

Dem Beifall konnte man entnehmen, dass sie den Sprechern, die sich für die Freiheit für Kinder, für die Aufhebung aller Corona-Maßnahmen und die körperliche Unversehrtheit aussprachen, mehrheitlich zustimmen. Mehrfach wurde Meinungsfreiheit sowie „Respekt und Toleranz für Andersdenkende gefordert“, andererseits wurden später Zeilen aus regionaler Berichterstattung wörtlich zitiert, kritisiert und missbilligt.

In ihrer Meinung sehen sich einige Sprecher sonst allerdings zunehmend bestätigt, da die angedrohte zweite Welle ausgeblieben sei und in überregionalen Medien erkannt worden sei, dass die steigende Anzahl positiver Tests nicht gleichzusetzen sei mit der Anzahl der Infektionen selbst. Die friedlich verlaufene Demonstration, zu der es keine Gegendemonstration gab, klang mit Gesprächen und Musik aus.

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