Podiumsdiskussion zum „Erlebnisraum Fußgängerzone“ im Rathaus Paderborn
„Wir als Stadt bieten lediglich die Bühne für das Orchester“

Paderborn (WB). „Erlebnisraum Fußgängerzone“ – so lautete das Thema eines Abends mit Lesung und Podiumsdiskussion im Paderborner Rathaus. Dabei handelte es sich um den Auftakt einer deutschlandweiten Veranstaltungsreihe, angestoßen durch Ulrich Brinkmann, Autor des Buches „Achtung vor dem Blumenkübel! – Die Fußgängerzone als Element des Städtebaus“.

Montag, 07.09.2020, 10:28 Uhr aktualisiert: 07.09.2020, 11:22 Uhr
Bei der Podiumsdiskussion zum Thema „Erlebnisraum Fußgängerzone“ im Rathaus Paderborn sprachen (von links) Heiko Appelbaum, Ellen Jacoby, Ulrich Brinkmann und Claudia Warnecke. Auch die Gäste wurden in die Diskussionsrunde integriert.

Gemeinsam mit Ellen Jacoby, geschäftsführende Gesellschafterin der Tap Holding GmbH & Co KG und Co-Gesellschafterin sowie Creative Director von Idee-Creativmarkt, Heiko Appelbaum, Citymanager Paderborn, Claudia Warnecke, Technische Beigeordnete der Stadt Paderborn, und den Gästen im Rathaussaal diskutierte Brinkmann über Meinungen zur Paderborner Innenstadt sowie über Probleme und Attraktivitätsmerkmale.

Innenstadtattraktivität durch architektonisches Feingefühl

Der gebürtige Paderborner Brinkmann begann den Abend mit einer Lesung aus seinem Anfang des Jahres erschienenen Buches. Im Zeichen der Leitfrage „Innenstadt – Sehnsuchtsort?“ wies Brinkmann auf die Entwicklungen innerhalb Paderborns im vergangenen Jahrhundert hin, die in der Entstehung der bis heute bestehenden Fußgängerzone gipfelte. Dabei stieß er unter anderem das Thema einer möglichen Rückumwandlung zur Durchfahrtstraße an und stellte auch die Frage, wie Fußgängerzonen funktional besser gestaltet werden könnten. „Der Handel allein stellt dabei keine ausreichende Basis für Stadtzentren dar“, sagte der Buchautor und verwies auf den Faktor der architektonischen Feinfühligkeit als einer der Hauptaspekte der Innenstadtattraktivität. Brinkmann vertritt die Meinung, Architekturen der jüngeren Geschichte bei Sanierungen seien beizubehalten und als Grundlage zu nutzen.

„Im Zusammenhang mit Material, Verarbeitung und Gestaltung sollen sich Dinge über 30 bis 40 Jahre erhalten“, sagt Brinkmann. Veränderungen im 20-Jahres-Takt stellten keinen guten Weg für eine Stadt dar. Positiv seien die Arbeiten an den Paderborner Königsplätzen hervorzuheben. Brinkmann attestierte Claudia Warnecke, dass die Weiterentwicklung bei Erhaltung der ursprünglichen Merkmale gelungen sei.

„Leuchttürme“ für steigernde Attraktivität

Im Hinblick auf den möglichen Rückgang der Innenstadt zum Platz abseits des Konsums sagte Heiko Appelbaum: „Für mich gehört mehr als die Fußgängerzone dazu. Man muss sich fragen ‚Warum halten sich die Menschen in der Innenstadt auf?‘“ Als Antwort nannte er als „Leuchttürme“ bezeichnete Sehenswürdigkeiten, wie etwa den Dom, das Rathaus oder besonders die Paderquellen in direkter Nähe zur Fußgängerzone, die im Zusammenspiel mit den Einzelhändlern in der Innenstadt für eine besondere Vielfalt sorgen.

Warnecke brachte im Hinblick auf Leerstände im Paderborner Zentrum eine weitere Chance der Attraktivitätssteigerung in die Diskussion ein: Der Stadtcampus der Universität Paderborn, den auch Appelbaum als „Vorzeigeprojekt“ bezeichnete, sei ein Zeichen klarer Interesse von Einrichtungen wie der Universität am Leben der Innenstadt und zeige, dass nicht nur der Einzelhandel zum Nachfüllen der Leerstände bereit ist, sondern auch Bereiche wie Kultur, Gastronomie und Abendunterhaltung wichtig seien.

Die Öffnung der Fußgängerzone für den Stadtverkehr war auch ein diskutiertes Thema. Jacoby bezeichnete diese als schwer vorstellbar, auch Warnecke lehnte den Anstoß, auch in Bezug auf Radfahrer, ab. Im Anbetracht der Größe Paderborns bräuchten die Fußgänger ausreichend Platz. Stattdessen brachte Jacoby die Idee klassischer Betriebe, wie Metzgereien oder Kioske, ein, die mit guter Umsetzung vieles bieten und die Attraktivität erhöhen könnten. Viel Aufmerksamkeit bekam auch die Idee aus dem Publikum, flexiblere Minibusse in der Innenstadt einzusetzen, um älteren Personen den Zugang zu erleichtern und die Zahl größerer Busse zu minimieren.

Ziel: dem Kunden eine hohe Qualität bieten

Außerdem wurde angemerkt, dass man auf auswärtige Besucher angewiesen und das Städtebauliche nur einer von vielen Aspekten sei. Man müsse den Kunden eine hohe Qualität bieten, die Beratung vor Ort müsse zudem mindestens auf dem Niveau des Online-Bereiches sein. Zudem solle ein leichter Zugang stets bewahrt werden. Warnecke merkte dazu an: „Wir als Stadt bieten lediglich die Bühne für das Orchester.“ Man sei demnach auf alle Beteiligten angewiesen.

Allgemein kämen die Leute aber sehr gerne nach Paderborn, versicherte Appelbaum. Auch wenn man mit den Erwartungen realistisch bleiben müsse, so empfänden laut dem Citymanager doch viele Besucher Paderborn als sehr lebendige Stadt. Und, glaubt man Stimmen aus dem Publikum, auch die Paderborner genießen den Weg durch die Fußgängerzone, etwa auf dem Weg zur Arbeit. Die Stadt sei wie ein großes Dorf, und ähnlich wie bei einem eingespielten Orchester kennt man sich und trifft sich regelmäßig auf der Bühne namens Innenstadt.

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