Sarah Bosetti liest im Deelenhaus
Mit Liebe und Humor gegen den Hass

Paderborn (WB). Bewaffnet mit Liebesgedichten gegen Sexismus: Die Autorin Sarah Bosetti präsentierte am Mittwochabend mit viel Selbstbewusstsein im Deelenhaus ihren Lyrikband „Ich hab nichts gegen Frauen, du Schlampe!“ vor.

Freitag, 04.09.2020, 12:57 Uhr aktualisiert: 04.09.2020, 13:14 Uhr
Sarah Bosetti liest aus ihrem Buch vor. Foto: Rebecca Borde

„Frau Bosetti, ich hoffe, dass Sie bald ein Axtmörder besucht“, „Halt’s Maul, Systemhure!“ oder „Du schreist ja förmlich danach. Du willst doch misshandelt werden.“ Das sind nur einige der vielen Beschimpfungen, die Sarah Bosetti täglich nach eigenen Worten über sich ergehen lassen muss. Egal zu welchen Themen sie sich äußert, egal wie gut ihre Absichten sind, ständig wird sie vom anderen, aber auch vom eigenen Geschlecht verspottet. Doch das ist für die schlagfertige, junge Frau kein Grund zu resignieren. Dafür scheint sie viel zu selbstbewusst zu sein. Einen Großteil des gegen sie gerichteten Hasses sammelt Sarah Bosetti und reagiert in Liebesgedichten auf sie. Diese stellte sie am Mittwochabend im Deelenhaus vor. Ihr aktuelles Programm trägt den selben Titel wie ihr Lyrikband: „Ich hab nichts gegen Frauen, du Schlampe!“

Ist es in Ordnung, jetzt zu lachen?

Selbst auf Kommentare wie „Dir sollte der Kopf abgeschnitten werden und als Blowbanggerät an Flüchtlingsheime verscherbelt werden. Huren wie du haben jedes Lebensrecht verwirkt” findet Bosetti eine Antwort. Denn der Handel mit Köpfen sei schon lange aus der Mode. Für ihren Sarkasmus und ihren lockeren Umgang mit derartig ernsten Themen erntet sie Gelächter. Doch es ist ein unsicheres Lachen, das ihr Publikum Bosetti entgegenbringt.

Es folgen nicht nur ein riesiger Applaus für die taffe Powerfrau, sondern ebenfalls empörte Zwischenrufe bezüglich der Hasskommentare. Doch Bosetti nimmt kein Blatt vor den Mund. Sie sieht jeder Beleidigung und jeder Morddrohung ins Auge und nimmt sie gelassen: „Schneid mir den Kopf ab, und mir wachsen zwei neue“, entgegenet sie in ihrer Lyrik.

Autorin mit starkem Selbstbewusstsein

Nicht nur der Sexismus, sondern auch der Hass gegen Ausländer, gegen die Politik und gegen alles, was sich hassen lässt, ist Teil ihres Programms. Vor allem das Thema der Vergewaltigung durch Täter mit Migrationshintergrund beschäftigt sie. Denn Bosetti ist der Meinung, ausländische Täter sollten genauso bestraft werden wie deutsche, statt direkt von Abschiebung zu reden. Dann seien die Täter schließlich nicht weg, sondern nur woanders und dort gebe es schließlich auch Frauen.

Auf die folgenden Hasskommentare, die ihr nun wünschen, selbst misshandelt zu werden, erwidert Bosetti ironisch, wie wichtig es ihr sei, dass ihr Vergewaltiger ak­tzentfrei stöhne. Der Applaus füllt das Deelenhaus wie Donnerschläge und bringt Bosetti verdienten Respekt angesichts ihres starken Selbstbewusstseins.

Sarah Bosetti selbst ist froh, endlich wieder auf der Bühne vor Publikum sprechen zu können. Denn sie hat wegen der Pandemie viele Monate der unfreiwilligen Pause hinter sich. „Ich sage meinem Publikum immer ‚Schön, dass ihr da seid’, aber heute meine ich es noch ein bisschen mehr“, gibt sie zu.

Auch der Veranstalter Nurguteleute zeigt sich glücklich, Bosetti als Gast willkommen zu heißen. Denn es ist die erste Indoorveranstaltung seit dem 7. März. Aufgrund der räumlichen Enge musste das Publikum in zwei Hälften aufgeteilt werden. Und auch Bosetti splittete ihr Programm spontan und kürzte es auf eine Stunde. Doch eines ist ihr bereits klar: „Nächstes Mal machen wir wieder zwei Stunden!“

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7566748?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2512560%2F
Neuhaus glaubt an „mächtig Stimmung“
Uwe Neuhaus (links, mit Assistent Peter Nemeth) setzt auf die Hilfe der Fans. Foto: Starke
Nachrichten-Ticker