Paderborner Gutachter warnt vor dubiosen Firmen
Kampf gegen die Rohr-Mafia

Paderborn (WB). Toilette verstopft? Oder die Spüle will nicht abfließen? Wer sich in einer solchen Notsituation befindet, droht Opfer der sogenannten Rohr-Mafia zu werden – zumindest wenn man sich allein auf die Google-Suche im Internet verlässt. Darauf macht der Paderborner vereidigte Sachverständige Maik Menke aufmerksam. Er rät Verbrauchern, sich in einem solchen Fall immer direkt an die bekannten Handwerksbetriebe in der Region zu wenden.

Freitag, 04.09.2020, 10:24 Uhr aktualisiert: 04.09.2020, 10:26 Uhr
Maik Menke hat inzwischen juristischen Beistand bei Dr. Andreas Jolmes eingeholt, um selbst gegen die dubiosen Firmen vorzugehen. Die externen Rohrreiniger-Firmen zocken seiner Meinung nach auf üble Weise Menschen in Notsituationen ab. Foto: Oliver Schwabe

Was Maik Menke als Gutachter schon gesehen hat, macht sprachlos. Wegen einer an sich harmlosen Verstopfung haben dubiose Monteure bereits ganze Gärten umgegraben und Rohre aus dem Boden geholt, um dann abzukassieren und zu verschwinden. Meist mit dem Hinweis: „Wir müssen noch Ersatzteile holen.“

Betrüger nehmen Zehnfache

Ebenfalls beliebt sind nach Aussage von Menke völlig überhöhte Rechnungen. „Wenn die Toilette verstopft ist, muss man am Wochenende im Notdienst mit Kosten in Höhe von 400 bis 500 Euro rechnen.“ Betrüger nähmen jedoch gern das Zehnfache.

In einer der Redaktion vorliegenden Rechnung werden die Machenschaften der dubiosen Firmen, die bundesweit aktiv sein sollen, deutlich. „Zunächst einmal wird eine Anzahlung verlangt. Im vorliegenden Fall musste der Kunde 1000 Euro zahlen“, erläutert Menke. Als weitere Position wird die Einrichtung der Baustelle mit 200 Euro berechnet. Begründet wird dies mit dem „Bereitstellen erforderlicher Geräte und Werkzeuge“. „Auch das ist völlig unüblich“, sagt Menke. Allein für die Hochdruckreinigung sind in dem Fall 2618 Euro berechnet worden. Weitere 500 Euro fallen als Festpreis für die Erneuerung der Leitungen an. Menke: „Ein seriöser Handwerker hätte nur einen Bruchteil verlangt.“

Maik Menke zeigt eine der überzogenen Rechnungen.

Maik Menke zeigt eine der überzogenen Rechnungen. Foto: Oliver Schwabe

In einem anderen Fall, der in Augustdorf spielt, habe eine Firma dem Hauseigentümer eine Rechnung für eine Rohrreinigung in Höhe von 6500 Euro präsentiert. Angeblich seien 85 Meter Rohr bearbeitet worden. Der Rentner habe gezahlt. Inzwischen sei aber nachgewiesen worden, dass im gesamten Haus nur neun Meter Rohr vorhanden sind.

„Eine Handwerkerrechnung muss angemessen und zum ortsüblichen Preis sein“, erläutert der Paderborner Rechtsanwalt Dr. Andreas Jolmes, der Maik Menke juristisch vertritt. Denn der Gutachter ist jetzt ebenfalls Opfer geworden: Dubiose Firmen, die den Kunden überteuerte Rechnungen schreiben, erwecken den Eindruck, in seinem Namen unterwegs zu sein. Möglich mache dies die Suche bei „Google“. Wer „Menke“ und „Rohrreinigung“ eingibt, bekommt verschiedene Anzeigen präsentiert.

Anrufe landen in Callcentern

Eine Paderborner Anwältin hatte dort bei einem Schadensfall in ihrem Haus eine 0800er Nummer entdeckt und gewählt. In dem Telefonat habe man die Frau nicht darüber aufgeklärt, dass sie nicht mit dem Unternehmen Menke verbunden sei, berichtet Jolmes. Nach dem Gespräch sei sie stutzig geworden und habe noch einmal direkt bei Menke angerufen und sei dort auf die Masche der dubiosen Firmen hingewiesen worden.

Doch wie erkennt man die unseriösen Machenschaften? Laut Maik Menke landen die Anrufe in Callcentern, die dann Monteure beauftragten. „Die befinden sich aber nicht vor Ort, sondern haben meist eine Anfahrt von drei Stunden und mehr“, sagt der Gutachter. Darüber würden die Kunden aber nicht informiert. Stattdessen würden fadenscheinige Erklärungen (Stau, Autopanne, anderer Notfall) vorgebracht, warum sich der Mitarbeiter verspäte. Die Monteure kämen meist mit Lieferwagen ohne Firmenbeschriftung, dafür mit auswärtigen Kennzeichen. Gerne würden die Kunden zu einer Anzahlung gedrängt, mit der sich einige bereits aus dem Staub machten, ohne das Problem gelöst zu haben.

Das sagt der Anwalt

Der Bundesgerichtshof hat nach Aussage von Dr. Andreas Jolmes in einem Grundsatzurteil ausgeführt, dass eine Verwechslungsgefahr bei ­Google dann nicht wettbewerbsrelevant ist, wenn zwischen dem gesuchten Schlüsselwort und dem Firmennamen eine Rubrik mit der Überschrift „Anzeigen“ eingeblendet ist. Der Anwalt vertritt jedoch die Ansicht, dass durch solche Anzeigen ein Eindringen in einen fremden Kundenkreis und das Abfangen von Kunden ermöglicht wird.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7566424?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2512560%2F
Vermisster Mountainbiker wohlbehalten wieder aufgetaucht
Die Suche nach dem Mann wurde am Mittwoch abgebrochen. Foto:
Nachrichten-Ticker