Steuerzahlerbund: Münster, Dortmund und Paderborn sollen kooperieren – mit Kommentar
NRW-Flughäfen fordern Hilfe

Paderborn/Düsseldorf (WB). Die Flughäfen in NRW wehren sich gegen Pläne der Grünen, die den Luftverkehr einschränken wollen . Über ein neues Luftfahrtkonzept will die Partei erreichen, dass Airports nicht mehr ausgebaut, Kurzstreckenflüge auf die Schiene verlagert sowie Start- und Landezeiten strenger begrenzt werden.

Donnerstag, 03.09.2020, 02:48 Uhr aktualisiert: 03.09.2020, 06:56 Uhr
Der Steuerzahlerbund fordert, dass der Paderborner Flughafen mit anderen defizitären Airports kooperiert. Foto: Jörn Hannemann

Nicht Einschränkung, sondern Unterstützung und Ausbau sei das Gebot der Stunde, betonten dagegen die Vertreter der Regionalflughäfen Dortmund, Münster/Osnabrück und Weeze in einer gemeinsamen Stellungnahme für den Verkehrsausschuss des Landtags. Während Airlines in der Corona-Krise staatliche Unterstützung erhalten hätten, seien Airports weitgehend leer ausgegangen. Sie forderten einen Ausgleich der für die Betriebsbereitschaft entstandenen Kosten. Bundesweit gehe es um 170 Millionen Euro monatlich.

Rückendeckung für Insolvenz

Den Grünen-Plänen stellten die drei Airport-Vertreter eigene Forderungen gegenüber: Dazu zählt die Anbindung an den Schienenverkehr und eine einheitliche Übernahme der Kosten für die Flugsicherung. Rückendeckung der drei Flughafenchefs gab es für die am Flughafen Paderborn geplante Insolvenz und Fortführung in verkleinerter Form . „Die Aufgabe auch nur eines Flughafenstandorts hätte für sowohl für die regionale Wirtschaft als auch für den Tourismus schwerwiegende Folgen“, warnten die drei Flughafenchefs.

Als Ausweg aus der Airport-Krise forderte der Steuerzahlerbund NRW ein Umdenken: Wenn die außer Weeze defizitären Regionalflughäfen nach EU-Vorgabe ab 2024 ohne Zuschüsse auskommen sollen, müssten Dortmund, Münster/Osnabrück und Paderborn/Lippstadt eine enge Zusammenarbeit eingehen. Eine Kooperation unterstützt auch die Industrie- und Handelskammer NRW, dafür müsse aber das Land die Voraussetzungen schaffen. IHK-Experte Joachim Brendel mahnte aber, an den bestehenden Nachtfluggenehmigungen dürfe das Land nicht rütteln.

Kommentar zur Flughafen-Kooperation von Elmar Ries:

Mehr Kooperation, weniger Konkurrenz: Nun fordert auch der Bund der Steuerzahler NRW die drei westfälischen Flughäfen Münster/Osnabrück, Paderborn/Lippstadt und Dortmund zu enger Zusammenarbeit auf – und erneuert damit eine Idee, die der Dortmunder SPD-Oberbürgermeister-Kandidat Thomas Westphal vor Wochen äußerte.

Die Idee klingt zunächst verlockend. Die drei Airports hängen am Tropf der Öffentlichen Hand. Alle graben sie sich gegenseitig das Wasser ab, leiden nachhaltig unter der Corona-Pandemie und müssen bis 2024 zumindest operativ profitabel sein, weil Brüssel das so will. Auch im NRW-Verkehrsministerium, so ist zu hören, werde der Gedanke nicht als abwegig eingestuft.

Nur: Hinter der Forderung kommt zunächst einmal – nichts. Weil Regionalflughäfen eben nicht ohne Weiteres zusammenarbeiten können. Die Fixkosten sind unteilbar, da standortgebunden und hoch. Die Abhängigkeit von Fluggesellschafter und Reiseveranstaltern ist noch größer. Auch wenn das deren sich zumeist autonom wähnenden Gesellschafter nicht gerne hören: Ohne das Go von Lufthansa, Ryanair, Tui oder Schauinsland bleibt jede Kooperationsidee ein Planspiel im Wolkenkuckucksheim.

Kommentare

Peter Lautsch  wrote: 03.09.2020 09:45
Weeze subventionsfrei?
Die regionalen NRW-Flughäfen sind alle defizitär. Auch der private in Weeze. Dort verzichtet der Kreis seit Jahren auf Zinsen- und Kreditrückzahlungen in Millionenhöhe und tauscht diese in ziemlich wertlose stille Beteiligungen ein. Und jetzt gab es nochmal 6 Millionen obendrauf - noch vor Corona!
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