Erzbischöfliche Stuhl weist 2,7 Milliarden Euro aus – Erzbistum will mehr Erträge ausgeben
Vermögen des Erzbistums beläuft sich auf 7,2 Milliarden Euro

Paderborn (WB). Das Erzbistum Paderborn ist die reichste Diözese Deutschlands. Das Erzbistum hat am Dienstag erstmals das Vermögen des sogenannten Erzbischöflichen Stuhls veröffentlicht, das sich insgesamt auf 2,7 Milliarden Euro beläuft. Zusammen mit dem Vermögen der Erzdiözese von 4,5 Milliarden Euro ergibt sich somit ein Gesamtkapital von 7,2 Milliarden Euro.

Dienstag, 01.09.2020, 16:08 Uhr aktualisiert: 01.09.2020, 16:44 Uhr
Generalvikar Alfons Hardt (links) und Geschäftsführer Andreas Kröger haben den Finanzbericht des Erzbischöflichen Stuhls zu Paderborn vorgestellt. Foto: Matthias Band

Bislang stand München-Freising mit einem Vermögen von 6,1 Milliarden Euro an der Spitze. Köln liegt auf Platz drei mit 3,8 Milliarden Euro. Der Bischöfliche Stuhl hat nichts mit den Einnahmen aus Kirchensteuern zu tun. Als Körperschaft des öffent­lichen Rechts ist er Träger jenes Vermögens, das dem Bischof seit der Gründung des Bistums zur Finanzierung seiner Auf­gaben zur Verfügung steht. Der Grundstock besteht unter anderem aus Stiftungen und Schenkungen aus der Zeit vor der Säkularisation Anfang des 19. Jahrhunderts.

Erzbischöflicher Stuhl gliedert sich mittlerweile in sieben Stiftungen

Der Erzbischöfliche Stuhl zu Paderborn gliedert sich mittlerweile in sieben Stiftungen. Die Stiftung Erzbischof von Paderborn, also der Erzbischöfliche Stuhl im engeren Sinne, verfügt über ein Vermögen von 177 Millionen Euro. Die übrigen sechs Stiftungen sind mit zweckgebundenen Mitteln für Seelsorge, Caritas, Bildung und Kultur zwischen 250 und 660 Millionen Euro ausgestattet. Die Erträge der Stiftungen bezifferte Geschäftsführer Andreas Krüger für 2019 auf 23,7 Millionen Euro. Davon wurden 9,2 Millionen Euro für die Stiftungszwecke ausgegeben. 14,5 Millionen Euro flossen in die sogenannte Kapitalerhaltungsrücklage.

Als Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftungen betonte Generalvikar Alfons Hardt, dass „die Stiftungen die Arbeit des Erzbistums in Seelsorge, Caritas und Bildung“ ergänzten und sicherten. Hardt sprach von einem „Politikwechsel zu früheren Zeiten“: „Wir geben die Erträge wieder aus“, sagte er. Es solle un­bürokratisch Hilfe geleistet werden. Aktuell wird mit Stiftungsmitteln zum Beispiel die frühere Gaststätte „Pflaumenbaum“ in Paderborn zu einer Anlaufstelle für Obdachlose und Bedürftige umgebaut.

Missbrauchsopfer werden aus Stiftungsvermögen entschädigt

Der Generalvikar erklärte zudem, dass der Erzbischöfliche Stuhl die bisherigen Zahlungen des Erzbistums an Missbrauchsopfer übernehme und auch künftige Zahlungen aus dem Stiftungsvermögen leisten werde. So soll ausgeschlossen werden, dass dafür Kirchensteuermittel ausgegeben werden. Bislang sei dafür ein Betrag von 550.000 Euro ausgezahlt worden.

Mit dem nun vorgestellten Finanzbericht will das Erzbistum, das etwa 3000 Mitarbeiter beschäftigt, seine Transparenzinitiative fortsetzen. 2015 hatte die Diözese, in der 1,5 Millionen Katholiken leben, erstmals ihr Vermögen offengelegt. 2018 präsentierte dann das Metropolitankapitel seine Zahlen .

Kommentare

Pazulo Schlorb  wrote: 01.09.2020 19:49
Toll!
Klasse, mit dem Geld lässt sich viel Gutes tun!
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