Thomas Berning und ein Streichquintett überzeugen bei Konzert im Paderborner Dom
Auch Mozarts kleine Kirchenmusikwerke faszinieren

Paderborn (WB). Als nachempfundene „Abfolge einer werktäglichen Messe an einem Marienfeiertag“ wollten die Ausführenden des Domkonzertes im Rahmen des Paderborner Kultursommers am Sonntag ihre Aufführung von Kompositionen Mozarts verstanden wissen. Dazu hatte Domkapellmeister Thomas Berning ein faszinierendes Programm mit „kleinen Kirchenmusikwerken“ zusammengestellt, die weitgehend aus Mozarts Salzburger Zeit stammen.

Dienstag, 01.09.2020, 10:49 Uhr aktualisiert: 01.09.2020, 10:52 Uhr
Beifall für die Aufführenden des großartigen Konzertes mit Werken von W.A. Mozart im Paderborner Dom Foto: Hermann Knaup

Unter Bernings versierter Leitung musizierten die Gesangssolisten Ina Siedlaczek und Sarah Romberger (Sopran), Nils Giebelhausen (Tenor), Fabian Kuhnen (Bass) sowie die Instrumentalisten Andres Ramirez-Gaston und Jasper Sommer (Violine), Rica Schultes (Viola) und Jana Telgenbüscher (Violoncello) als Streichquintett. Thomas Berning leitete das Konzert stilgerecht von der Truhenorgel aus und imponierte durch seine souveräne und vielseitige Orgelbegleitung.

Im Jahre 1749 reglementierte Papst Benedikt XIV. im Rahmen einer Enzyklika maßgeblich die Vorschriften der musikalischen Gestaltung der Messliturgie. Der gottesdienstliche Musikanteil wurde auf 45 Minuten reduziert, Pauken und Trompeten wurden aus der Messliturgie ausgeschlossen.

Nicht weltlich oder opernhaft

Die Musik sollte in der Liturgiefeier eben nicht weltlich oder opernhaft wirken. Zwangsläufig kam deswegen die Form der „Missa brevis“ (die kleine Messe) als Kompositionstypus mehr zur Geltung. Dazu zählt auch Mozarts „Kleine Credo-Messe“ in F-Dur KV 192, die als Hauptwerk des Sonntagskonzertes in solistischer und kammermusikalischer Besetzung aufgeführt wurde.

Bereits in ihrem Entstehungsjahr 1774 wurde dieses Werk auch anlässlich der 100-jährigen Kirchweihfeier der bekannten Salzburger Wallfahrtskapelle Maria Plain aufgeführt. Gesangssolisten wie Instrumentalisten zeigten sich als gut einstudierte Besetzung, insbesondere in den oft rasanten Fugato-Passagen von Gloria, Credo und Osanna. Zwischen den Ordinarien spielte Thomas Berning (Orgel) mit einer kleinen Streicherbesetzung die Kirchensonaten KV 145 und KV 244.

In den damaligen höfischen Messfeiern wurden diese klein angelegten Instrumentalwerke gern zwischen Epistel und Evangelium aufgeführt. Das vierstimmige Offertorium „Sancta Maria, Mater Dei“ KV 273 (1777), ein berührendes, andachtsvolles Chorwerk, gestalteten die Solisten sehr sensibel. Thomas Berning legte Wert auf eine dynamisch differenzierte Gestaltung.

Wohltuende Motette

Auch die zweistimmige Communio-Vertonung „Sub tuum praesidium“ (Unter deinen Schutz und Schirm) KV198, gesungen von Ina Siedlaczek und Sarah Romberger, beeindruckte durch eine dezidierte und sehr eindringliche Interpretation.

Abschließend erklang als Mozarts wohl bekanntestes geistliches Werk „Ave verum corpus“ KV 618, eine Motette, die in zeitlicher Nähe zu seinem Requiem in Wien entstand. Wohltuend, dass Thomas Berning Mozarts Alla-breve–Anweisung aufgriff und damit dieses Werk nicht zu langsam, in gebührender Schlichtheit und ohne jede Hektik dirigierte und somit jegliche, oft zu hörende überstrapazierte Sentimentalität vermied.

Die Musiker waren sich spürbar der Bedeutung der großartigen Musik Mozarts bewusst und realisierten eine würde- und eindrucksvolle Aufführung. Respekt auch für eine gelungene Balance mit der schwierigen Akustik des Domes. Am Schluss des Konzertes stellte sich eine nachwirkende Pause ein, bis dann die Zuhörergemeinde für eine beeindruckende Aufführung dankbar applaudierte.

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