Gründung des Hospizdienstes „AchtsamZeit”
„Eine starke Erfahrung“

Paderborn (WB). In der letzten Phase ihres Lebens sollen Menschen einen guten Begleiter an ihrer Seite haben. Das ist das Ziel des neuen Hospizdienstes „AchtsamZeit“, den der Verein für katholische Altenhilfeeinrichtungen (VKA) im Herbst gründet. Am 10. September informiert der VKA im Haus St. Elisabeth Paderborn über den neuen Hospizdienst und die Ausbildung für Ehrenamtliche.

Dienstag, 01.09.2020, 05:55 Uhr aktualisiert: 01.09.2020, 06:01 Uhr
Zuwendung in der letzten Phase des Lebens (von links): die Hospizbegleiter Schwester Maria Ancilla und Günter Roggel, Ursula Langer und Ulrike Molitor, Leiterin des Hospizdienstes.

Der VKA startet mit „AchtsamZeit“ den ersten ehrenamtlichen Hospizdienst für stationäre Einrichtungen in Ostwestfalen-Lippe. Die ehrenamtlichen Helfer werden schwerstkranke Bewohner in den Wohn- und Pflegeheimen des VKA begleiten.

Der VKA reagiert damit auf einen dringenden Bedarf. „Das Anliegen, in Würde zu sterben, wird immer wichtiger“, ist Ulrike Molitor überzeugt. Die Diplom-Sozialpädagogin leitet „AchtsamZeit“. „Hospizbegleiter geben Zuwendung und vermitteln Sicherheit“, sagt Ulrike Molitor. „Die Menschen in den Wohn- und Pflegeheimen sind in den vergangenen Jahren pflegebedürftiger geworden. Die neue Hospizbegleitung hilft uns, mit Bewohnern und Angehörigen eine entsprechende Versorgung aufzubauen.“

Projekt genießt große Priorität

Das Hospizprojekt genießt beim VKA, dem bistumsweit tätigen katholischen Träger von 22 Senioreneinrichtungen, große Priorität – auch weil die Vorbildwirkung der Hospizarbeit wichtig ist. Das betont auch Timo Halbe, Vorstand des VKA: „Hospizbegleiter tragen dazu bei, dass sich ein Wandel im Umgang mit schwerstkranken und sterbenden Menschen vollzieht“, sagt er.

Schwester Maria Ancilla und Günter Roggel arbeiten bereits als ehrenamtliche Mitarbeiter in der Hospizbegleitung im „Haus Pauline von Mallinckrodt“ in Paderborn. Wenn im Herbst der erste Ausbildungsgang für „AchtsamZeit“ beginnt, werden beide zum Ausbilderteam gehören.

Schwester Maria Ancilla war Regionaloberin der Schwestern der Christlichen Liebe in Paderborn und Schulleiterin der Paulinen-Schule. 38 Jahre hat sie mit sehbehinderten Kindern und Jugendlichen gearbeitet. Seit kurzem ist sie im Ruhestand. Sie hat nicht gezögert, als sie von der Gründung des Hospizdienstes erfuhr. „Ich möchte den Menschen in dieser Situation nahe sein“, sagt sie, „die Menschen zu begleiten, mit ihnen zu gehen, das erfüllt mich.“

Noch ein Tabuthema

Ein solcher Wunsch ist nicht selbstverständlich. Noch immer ist das Sterben in der Öffentlichkeit ein tabuisiertes Thema. „Das drückt man lieber weg“, sagt Günter Roggel. Früher war das bei ihm nicht anders. Seitdem er im Hospizdienst arbeitet, hat sich seine Einstellung gewandelt. „Sterbenden Menschen nahe zu sein ist eine starke Erfahrung“, sagt er. „Das gibt mir viel, eine neue Klarheit.“

Vor allem ist die Hospizbegleitung eine wichtige Unterstützung in der letzten Lebensphase von schwerstkranken Bewohnern. Die Verwaltungsangestellte Ursula Langer arbeitet im „Haus Pauline von Mallinckrodt“. Die Einsamkeit vieler älterer Menschen seit Ausbruch der Coronakrise sei unübersehbar gewesen, sagt sie: „Es war zu merken, wie sehr die Besuche fehlten.“ Ursula Langer hat für sich entschieden, dass sie etwas tun will. Sie ist eine der ersten Ehrenamtlichen, die sich für die neue Hospiz-Ausbildung angemeldet haben.

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