Dahler Familien wehren sich vergeblich gegen nächtliche Ruhestörung
Kampf gegen Windmühlen

Paderborn-Dahl (WB). Drei Jahre haben 16 Familien in Dahl um ihre Nachtruhe gekämpft, haben gebangt, gehofft und nun doch verloren. Ihr Gegner: drei Windräder, die 2017 weniger als 1000 Meter vom Wohngebiet entfernt errichtet wurden. Vor einigen Wochen nun erhielten die Anwohner die für sie niederschmetternde Nachricht, dass ihre Petition an den NRW-Landtag in Düsseldorf abgelehnt wurde. Grundlage für diese Entscheidung war ein Gutachten des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv). Darin kommen die Sachverständigen zu dem Ergebnis, dass die Lärmemissionen der Anlagen keine Grenzwerte überschreiten – ein Resultat, das Heiner Kortebusch, Sprecher der 16 Familien, die Zornesröte ins Gesicht steigen lässt.

Donnerstag, 27.08.2020, 09:36 Uhr aktualisiert: 27.08.2020, 09:38 Uhr
Rund um Dahl stehen zahlreiche Windkraftanlagen. Und die verursachen nach Ansicht einiger Bewohner zuviel Lärm. Foto: Besim Mazhiqi

„Ich war 42 Jahre Polizeibeamter und habe den Rechtsstaat vertreten. Hier aber wird der Rechtsstaat mit Füßen getreten, und wir Bürger werden im Regen stehen gelassen“, ereifert sich Kortebusch. Er wirft dem Lanuv vor, dem Kreis Paderborn ein „Gefälligkeitsgutachten“ erstellt zu haben. Schließlich sei der Kreis nicht nur Genehmigungsbehörde für Windkraftanlagen, sondern sei mit eigenen Anlagen auf dem Areal der Mülldeponie Alte Schanze auch selbst Betreiber.

Diesen Vorwurf untermauert der Dahler mit eigenen Messungen, die über drei Monate mit einem geeichten Gerät in seinem Garten vorgenommen wurden. „Dabei erreichten die Werte je nach Windlage 50 Dezibel, in der Spitze sogar 60 Dezibel“, sagt Kortebusch. Um belastbare Daten zu erreichen, wurden die Bediener des Gerätes sogar eigens vom Hersteller geschult.

Alfred Kossmann, Marcus Haeusler und Heiner Kortebusch (von links) fordern die nächtliche Drosselung von Windkraftanlagen im Umfeld ihrer Wohnhäuser. Unterstützung erhalten sie von Volker Tschischke, Sprecher von Vernunftkraft OWL.

Alfred Kossmann, Marcus Haeusler und Heiner Kortebusch (von links) fordern die nächtliche Drosselung von Windkraftanlagen im Umfeld ihrer Wohnhäuser. Unterstützung erhalten sie von Volker Tschischke, Sprecher von Vernunftkraft OWL. Foto: Per Lütje

Entsprechend konnten es Kortebusch und seine Mitstreiter nicht fassen, als sie das Gutachten des Lanuv in Händen hielten. Dort sind Lärmpegel zwischen 34 und 39 Dezibel aufgeführt. Und zulässig sind in dem als allgemeines Wohngebiet ausgewiesenem Dahler Wohnviertel im Bereich der Straße Lange Trift nächtliche Werte von 40 Dezibel. Für Kortebusch hat die Angelegenheit „ein Geschmäckle“: „Würden wir als reines Wohngebiet gelten, und ein solches haben wir de facto, läge der Grenzwert bei 35 Dezibel. Dann wäre das Gutachten sicherlich zu dem Schluss gekommen, dass der gemessene Höchstwert bei 34 Dezibel liegt.“

Heiner Kortebusch und seine Mitstreiter legen wert auf die Feststellung, dass es ihnen nicht darum geht, die Windkraftanlagen zu entfernen. „Es geht uns nicht um die Optik. Wir wollen unsere Nachtruhe. Wenn aber in einer Entfernung von 860 Metern eine 200 Meter hohe Windkraftanlage unter Volllast läuft, ist an Schlaf nicht zu denken.“

Irritation über Messwerte

Drei Monate war die Lärmmessanlage des Lanuv im Garten von Heiner Kortebusch aufgebaut. Mittels einer Fernbedienung konnte der Dahler die Messungen selbst starten. „Dann wurden jeweils eine Stunde lang die Geräusche aufgezeichnet.“ Insgesamt zehn Mal drückte Kortebusch den Knopf der Fernbedienung – und zwar immer dann, wenn der nächtliche Lärm der Windkraftanlagen seiner Ansicht nach besonders groß war. Entsprechend lagen dem Lanuv Audiodateien über zehn Stunden vor. So habe der Ex-Polizist in eine dieser Dateien Einblick nehmen können, und dort seien Geräuschpegel bis zu 49 Dezibel aufgetreten. „In dem Gutachten taucht das aber merkwürdigerweise nicht auf“, sagt er. Vielmehr seien in dem Gutachten Werte „schön gerechnet“ worden, indem von den Sachverständigen aufgeführt wird, dass Wind, Regen und andere Störgeräusche zu Ausreißern bei den Messungen geführt hätten.

Ob Kortebusch einen weiteren Versuch unternehmen will, eine Drosselung der Anlagen in der Nacht zu erreichen, ist noch nicht entschieden. Dass er und seine Frau dessen ungeachtet künftig dennoch gut schlafen können, dafür hat der Dahler tief in die Tasche gegriffen und vor wenigen Wochen für einen fünfstelligen Betrag dreifach verglaste Schallschutzfenster einsetzen lassen. „Jetzt haben wir zwar Ruhe, aber dafür keine frische Luft mehr.“

Kommentare

franz.B  wrote: 30.08.2020 17:35
Blühende Landschaften
Das sind unsere vom Altkanzler prognostizierten blühenden Landschaften. Niemand hat sich bis heute Gedanken gemacht, was nach 25- 40 Jahren mit dem Beton- und Stahlschrott passiert, wenn sich die innovativen Investoren anderen Dingen widmen.
Arme Landschaften mit geschädigten Bürgern ohne Erholungswert.
Hermann Dirr  wrote: 28.08.2020 16:21
untauglich zur Stromversorgung
So lange wir nicht über großtechnisch nutzbare Speicher verfügen, grenzt der Ausbau und Betrieb von Windkraftanlagen an Bürgerbetrug. Windkraftanlagen sind zur zuverlässigen, Bedarf angepasster Strombereitstellung gar nicht in der Lage.

Die gesicherte Strombereitstellung aller 30.000 Windkraftanlagen in Deutschland lag bei 0,154 GW. Die installierte Leistung bei stolze 54 GW.

Was bedeutet das? Windkraft ist nicht in der Lage konventionelle Kraftwerke zu ersetzen und dienen allein wenigen Menschen zum generieren von EEG Subventionen.

Dafür müssen Menschen Tiere und Natur leiden?
Kuekmann  wrote: 27.08.2020 11:02
Kampf gegen Windmühlen
Derartige Kämpfe dürfen nicht sein, wenn man umweltfreundliche Energiequellen mehr und mehr in Zukunft braucht und nutzen muss. Dass der Mensch darunter leidet, kann nicht sein. Hierfür müssen Grundsatzregeln aufgestellt werden. Sicher gibt es noch mehr Flächen, die für Windkraft ausgewiesen werden können, ohne dass der Mensch wiederum zu Schaden kommt. Der Mensch ist einfach nicht lernfähig. Die Masse der Bevölkerung kann Windkraft nur unterstützen, wenn er selbst nicht geschädigt wird. Hier muss immer wieder auch auf Einzelne Rücksicht genommen werden zugunsten der Gesundheit. Dann klappt es auch zugunsten der Umwelt. Was sich einrichten lässt, sollte eingerichtet werden.
Total 3 comments
Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7552881?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2512560%2F
Gesundheitsminister Spahn hat Corona
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat sich mit dem Coronavirus angesteckt.
Nachrichten-Ticker