Naturkundemuseum in Schloß Neuhaus beteiligt sich an städtischem Großprojekt
Catwalk mit Leopard und Löwin

Paderborn (WB). Der zwölf Meter lange Catwalk ist eine der Attraktionen im Naturkundemuseum in Schloß Neuhaus: Auf ihm präsentieren sich nicht magersüchtige Models, sondern vier muskulöse Großkatzen. Wüstenluchs, Gepard, Leopard und Löwin zeigen ihr Fell. „Mit der Ausstellung „Kleid der Tiere: raffinierte Verpackungen in der Natur“ beteiligt sich das Naturkundemuseum an dem Gemeinschaftsprojekt der städtischen Museen und Galerien „Get dressed!“

Dienstag, 11.08.2020, 08:18 Uhr aktualisiert: 11.08.2020, 08:20 Uhr
Der Catwalk wird die Blicke der Besucher im Naturkundemuseum auf sich ziehen. Sven Mecke (stehend) und Julian Schröder präsentieren (von vorne) einen Wüstenluchs, einen Gepard, einen Leopard und eine Löwin. Mit dem Fell der Katzen beschäftigt sich einer der Ausstellungsbereiche. Foto: Dietmar Kemper

Die fünf Ausstellungen in der Städtischen Galerie in der Reithalle, dem Kunstmuseum im Marstall, dem Residenzmuseum, dem Naturkundemuseum und dem Stadtmuseum in Paderborn beginnen am Sonntag, 16. August. Sie beschäftigen sich mit dem Kleid in Geschichte, Kunst und Natur. Details gibt die Stadt am Donnerstag bekannt.

100 Exponate

Im Naturkundemuseum erwarten die Besucher 100 Exponate in sieben Abteilungen, die Überschriften wie „Sich mit fremden Federn schmücken“, „Sich in Schale werfen“ oder „Gut gepanzert“ tragen. Das sind Formulierungen, die auch wir Menschen verwenden. „Aus der Haut fahren – das machen Schlangen und Echsen auch“, nennt der Leiter des Museums, Sven Mecke, ein weiteres Beispiel. In der Ausstellung zeigt er, wie unterschiedlich die Hautoberfläche der Tiere und Fische ist und welchen Zweck Fell, Stacheln, Federn oder Schuppen erfüllen. „Die Haut und alles, was sie bedeckt, dient als Isolierschicht, der Abwehr von Feinden wie beim Igel und Stachelschwein, der Tarnung oder dazu, um Geschlechtsgenossen anzulocken“, erläutert der Zoologe.

Ein auffälliges Kleid könne sich aber auch als Fluch erweisen. Zwar locke der Pfau mit einem prächtigen Federkleid und einer langen Schleppe leichter einen Partner an, aber dafür könne er nicht mehr so gut fliegen. Wer sofort ins Auge fällt, werde auch schneller zur Beute.

Lebewesen sind raffiniert verpackt

Manchmal ist die Tarnung von einer bestimmten Umgebung abhängig. So wie beim Tiger im Bambuswald, der mit ihm verschmilzt, aber sofort wahrgenommen wird, wenn die Raubkatze ihr Habitat verlässt. Das Fell des Tigers finden wir Menschen schön, aber der Tiger ist sich seiner Attraktivität wohl nicht bewusst. Sven Mecke: „Die Schönheit fällt uns ins Auge, aber für Tiere ist das kein Argument. Die Schnecke hat nichts davon, dass ihr Haus ästhetisch ist, aber sie hat dafür den Schutz.“

Das Kleid der Tiere kann weich wie beim Schaf oder hart wie der Panzer der Schildkröte sein. Es kann schillernd bunt sein wie bei Schmetterlingen oder monoton grau wie bei Eseln. Das Chamäleon ist in der Lage, die Hautfarbe zu wechseln, der Tintenfisch passt sich sogar in Form und Farbe seiner Umgebung an. Auf 150 Qua­dratmeter erfahren die Besucher anhand von Tierpräparaten also, wie raffiniert die Lebewesen verpackt sind. Die Exponate, darunter der erst in diesem Jahr entdeckte Bennetts-Waran mit getupftem Schuppenkleid, stammen aus der eigenen Sammlung, der Zoologischen Sammlung der Philipps-Universität Marburg, dem Naturkundemuseum Ottoneum in Kassel und vom Salzkottener Tierpräparator Martin Berndt.

Raum setzt Grenzen

Bis eine Ausstellung präsentiert werden kann, vergeht viel Zeit. Als Sven Mecke im Mai 2019 als Leiter des Naturkundemuseums anfing, gab es die Idee zu „Get Dressed!“ bereits. „Nach der Idee muss man die Themen eingrenzen und sich fragen, wo man die Präparate herbekommt“, erläutert Sven Mecke das Vorgehen. Die Größe des Raumes setzt eigene Grenzen („ich kann hier keinen Elefanten reinstellen“). Dann galt es zu entscheiden, wo die Themenbereiche angeordnet und wo die Präparate präsentiert werden.

Bei der Beschaffung von Leihgaben hat Sven Mecke im Vergleich zu den Leiterinnen und Leitern von Kunstmuseen einen erheblichen Vorteil. „Naturkundliche Objekte kosten nichts, da werden keine Leihgebühren erhoben“, berichtet Sven Mecke. Was alles zu tun ist, schildert das Museum auch jeden Freitag in einem Notizblog im Internet. Dort ist zum Beispiel zu sehen, wie der Leopard aus dem Ottoneum in Kassel angeliefert wurde. Mitarbeiter Julian Schröder erläutert: „Der Notizblog soll den Prozess vom leeren Ausstellungsraum bis zur fertigen Ausstellung zeigen.“ Zu finden ist das Angebot über die Adresse www.paderborn.de/naturkundemuseum. Unter dem Punkt „Aktuelles“ gibt es dann den Link zum Blog.

Wer Sven Mecke aus 1,50 Meter Abstand live erleben möchte, kann sich von ihm durch die Schau führen lassen. Bereits am Eröffnungstag 16. August sind drei Führungen um 11, 15 und 16.30 Uhr geplant. Wegen Corona können daran maximal neun Personen teilnehmen, eine Anmeldung ist erforderlich (Tel. 05251/8811052). Das Museum ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

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