23-Jähriger muss sich vor Gericht verantworten – angebliches Opfer hat Erinnerungslücken
Prozess wegen Raubes an der Paderhalle

Paderborn (WB). Ein Duo überfällt einen 29-Jährigen an einer belebten Stelle in Paderborn, traktiert ihn mit Schlägen, Tritten und einem Messer. Wäre es so gewesen, wäre das ein schweres Raubdelikt. Aber am ­Ende des ­ersten Verhandlungs­tages ist die 8. Große Strafkammer des Landgerichts noch nicht einmal so schlau wie vorher.

Dienstag, 11.08.2020, 08:08 Uhr aktualisiert: 11.08.2020, 08:10 Uhr
Symbolbild. Foto: Jörn Hannemann

Abgespielt haben soll sich der Vorfall während des Paderborner Weihnachtsmarktes, und zwar auf dem Parkplatz an der Paderhalle. Von einem der mutmaßlichen ­Täter ist nur der Vorname bekannt, der andere sitzt seit Montag auf der Anklagebank: Ein 23 Jahre alter Mann aus Albanien, der sich schon länger in Paderborn aufhält – einen festen Wohnsitz hat er nicht. Zu sagen hat er auch nichts, zumindest nicht zum Prozessauftakt: Weder zur Person noch zu den Vorwürfen will er Stellung nehmen. Die Anklage geht davon aus, dass der 23-Jährige an jenem Abend Anfang Dezember mit dem unbekannten Kumpel in Höhe der Sparkasse auf den 29-Jährigen getroffen ist, ihn zu Boden geschlagen, dort getreten und schließlich mit einem Messer „geschlagen“ haben soll. Schließlich sollen sie mit der Geldbörse und dem Handy des Opfers abgehauen sein.

Widersprüchliche Aussagen

Letzterer dürfte der einzige Sachverhalt sein, der einigermaßen als belegt gilt. Denn das mutmaßliche Opfer offenbarte im Zeugenstand Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache, musste wiederholt zu denselben Fragen antworten und gab zu, die Fragen des Vorsitzenden Richters Dr. Oliver Neuwinger nicht verstanden zu haben. Auch gab es wenig Konsistenz in seiner Aussage, wenn es um frühere Angaben bei insgesamt drei Vernehmungen bei der Polizei ging. Jetzt waren es plötzlich zwei Messer, die im Spiel waren, und nun hatte er leichte Stichwunden am Bein erlitten, von denen der 29-Jährige bei der Polizei noch nie etwas gesagt hatte. Im Kern blieb seine Aussage jedoch gleich: Er sei mit einem Bekannten auf dem Weg zum Weihnachtsmarkt gewesen, als die beiden Männer, die er vom Sehen kenne, ihn zu sich gerufen hätten. Dann habe es gleich einen Hieb gesetzt, er sei zu Boden gegangen, dort sei er mit dem Messer ins Bein gepikst worden, „nur so ein bisschen“, um die Herausgabe von Handy und Geldbeutel zu for­cieren. Das habe aber alles der Unbekannte gemacht, nicht der auf der Anklagebank.

Polizei soll Licht ins Dunkel bringen

Diverse Ungenauigkeiten und Erinnerungslücken erklärte der Überfallene damit, er sei „ein bisschen besoffen“ gewesen – um dann auf die hartnäckige Nach­frage von Verteidiger Dr. Tobias Diedrich kleinlaut zuzugeben, dass er zuvor auch „gekokst“ habe. Das Thema Drogen spielt für die Verteidigung ohnehin eine Rolle: Ob es um so etwas gegangen sei bei dem Zusammentreffen? Das verneinte der 29-Jährige. Allerdings hatte eine Zeugin die Rangelei beobachtet und auch gesehen, wie der 29-Jährige sich einige Zeit nach dem Eintreffen der Polizei zu einer Männergruppe in der Nähe gesellt und dort einer Person etwas übergeben habe, was diese in die Hosentasche stopfte.

Die Kammer hofft in der kommenden Woche durch die Vernehmung von Polizeibeamten mehr Licht in das Dunkel zu bringen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7529592?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2512560%2F
Die neuen Corona-Regeln in NRW
Gesundheitsminister Laumann hat am Mittwoch die neue Corona-Schutzverordnung vorgestellt. Foto: dpa
Nachrichten-Ticker