Ansturm auf Gewässer entsetzt viele Menschen – massive Parkprobleme
Paderborner Badeseen im Fokus

Paderborn (WB). Von chaotischen Zuständen rund um und an den Badeseen der Stadt Paderborn zeigten sich am Wochenende zahlreiche Leser des WESTFALEN-BLATTES entsetzt. Auch Stadtsprecher Jens Reinhardt musste auf Nachfrage dieser Zeitung einräumen, dass das Ordnungsamt einem solchen Ansturm nichts entgegenzusetzen habe. Sogar die Polizei sprach angesichts von zugeparkten Straßen und überfüllten Parkplätzen von „chaotischen Zuständen.“

Montag, 10.08.2020, 07:10 Uhr aktualisiert: 10.08.2020, 10:06 Uhr
2500 Menschen befanden sich zum Zeitpunkt der Aufnahme am Sonntag auf dem 110.000 Quadratmeter großen Gelände. Berücksichtigt werden muss bei diesem Foto aber, dass das Objektiv „verdichtet“, die Menschen also optisch enger zusammenrückt. Foto: Hans Büttner

Betroffen waren am bislang heißesten Wochenende des Jahres insbesondere die Wasserskianlage an der B 64, Lippesee, Nesthauser See und Habichtsee. „Wild-West-Parken und einfach über die B 64 laufen. Unverantwortlich! Und Mindestabstand scheint am See auch nicht zu herrschen“. „Was heute und an den letzten Tagen rund um und am Wasserskisee los war, hat mit gesundem Menschenverstand nichts mehr zu tun. Der See scheint ein gallisches Dorf in Hinblick auf Corona zu sein.“ So und ähnlich lauteten viele Kommentare im Netz.

Die Parkplätze der Wasserskianlage waren am späten Sonntagmittag restlos gefüllt. Auch viele Straßen im Umfeld waren zugeparkt.

Die Parkplätze der Wasserskianlage waren am späten Sonntagmittag restlos gefüllt. Auch viele Straßen im Umfeld waren zugeparkt. Foto: Hans Büttner

Auch die Polizei konnte ein Lied von den Zuständen am See singen: „Mehr als 50 Prozent aller Anrufe am Samstag erreichten uns von Anwohnern von Badeseen. Die Leute parken offenbar wie sie wollen. Teilweise waren auch Feuerwehrzufahrten zugeparkt“, bestätigte der Dienstgruppenleiter der Paderborner Polizei am Sonntag. Schwierig sei es auch gewesen, den Anrufern zu vermitteln, dass dafür nicht die Polizei, sondern das Ordnungsamt zuständig sei. Doch selbst Letzteres habe angesichts der Automassen zeitweise kapitulieren müssen, sagte Stadtsprecher Jens Reinhardt. „Auch unsere Kapazitäten sind begrenzt. Im Einsatz waren zwei Politessenteams. Und die mussten nicht nur am Nesthauser See, sondern auch an den anderen Badeseen kontrollieren und gegebenenfalls Verstöße ahnden.“

Betreiber in der Pflicht

Reinhardt betonte, dass es in der Verantwortung des Betreibers der Freizeitanlage liege, dafür zu sorgen, dass nicht gegen Corona-Auflagen verstoßen wird. „Es handelt sich um eine private Anlage, und der Betreiber hat ein Hygienekonzept vorlegen müssen, dessen Umsetzung und Einhaltung ihm obliegt. Auch bei einem solchen offensichtlichen Ansturm kann man ihn nicht aus der Pflicht entlassen.“

Der Betreiber der Wasserski- und Freizeitanlage betonte gegenüber dieser Zeitung, dass man sich an die Auflagen gehalten habe. So sei unter anderem der Einlass zum 110.000 Quadratmeter großen Gelände mit 28.000 Quadratmeter Liegefläche wegen des großen Andranges am Samstag um 14 Uhr geschlossen worden. Nach Angaben von Geschäftsführer Markus Padberg hätten sich zum gleichen Zeitpunkt am Sonntag 2500 Menschen auf dem Gelände befunden. Weiter sagt er: „Vorschriftsmäßig hatten alle Besucher beim Zutritt ihre Daten anzugeben. Das Tragen von Masken an den Kiosken war Pflicht und wurde von uns auch überwacht. Insgesamt waren fünf externe und fünf private Sicherheitskräfte im Einsatz.“

Am Nachmittag löste sich das Problem der Anwohner dann ganz von alleine: Aufziehende Gewitter sorgten dafür, dass sich Badestrände und verstopfter Parkraum zügig leerten.

Am Godelheimer See in Höxter mussten nach einem chaotischen Samstag am Sonntag die Parkplätze gesperrt werden.

Kommentar von Per Lütje:

Der Drang der Menschen angesichts der Temperaturen zu den Badessen ist nur allzu verständlich. Schließlich sollen sie ja in Corona-Zeiten ihren Urlaub zu Hause verbringen. Soll man ihnen dann auch noch den Badespaß nehmen? Nein, und das will auch keiner – zumindest noch nicht. Denn nichts wäre schlimmer, wenn Behörden Badeseen und Naherholungsgebiete sperren müssten, weil gegen Auflagen verstoßen wird. Dafür braucht es aber auch Disziplin und Vernunft der Besucher: Wenn ein Badesse offensichtlich überfüllt ist, einfach zum nächsten fahren.

Kommentare

Gabriel  wrote: 10.08.2020 18:38
Lippesee am Samstag
Wir sind Samstag gegen 16 Uhr zu fünft am Wasserskisee angekommen. Vor uns min. 50 Leute vor der Kasse... Also stimmt es nicht das der Betreiber sagt das um 14 Uhr die Kassen dicht waren... Im Gegenteil es waren sogar 2 Kassen damit der Einlass schneller lief. Dazu noch den höheren Eintrittspreis von 5 Euro. Nach dem Zahlen meinte ein Mitarbeiter zwar bitte Abstand halten. Darauf meinte ich das dies unmöglich sei und stattdessen lieber weniger Leute einlassen sollten, dann wäre der Abstand auch sicherer.
Da solche Badeseen nicht kontrollierbar sind und der Betreiber nur auf seine Kasse freut, sollten diese Anlagen zu Corona Zeit komplett verboten werden. Abstandshaltung, Feuerwehrzufahrten Geh und Radwege wurden komplett zugeparkt...
Das sind mehrere Gefahren...
Meiner Meinung..., dicht machen wie am Habichtssee
Denise H.  wrote: 10.08.2020 16:52
Unmögliches Verhalten
Als Anwohnerin von Sande empfand ich die Zustände an diesem Wochenende mehr als Katastrophal! Ich war einfach geschockt! Noch nie gab es einen solchen Ansturm auf unser kleines Dorf!!! Der Parkplatz am Gut Lippesee wurde komplett eingenommen von Besuchern des Wasser Ski Sees oder der Ufer vom Lippesee! Es staute sich teilweise bis zum Friedhof weil die Leute trotzdem immer weiter nach Parkmöglichkeiten suchten. Auch gestern als das Gewitter aufkam staute sich die Autoschlange einmal quer über die Sennelagerstraße - von der Brücke bis hinter zum Combi -, wenn man dann als Anwohner schon nicht mehr durchkommt wird es wirklich nervig! Ich meine Tourismus hin oder her, seid dem der Lippesee offenkundig attraktiver gemacht worden ist, explodiert der Besucheransturm regelmäßig. Auch was die Müllentsorgung angeht sind wir noch lange nicht für diese Menschenmassen gerüstet! Es fehlen Mülleiner an jeder Ecke, am Lippesee, an der Fahrradstrecke von Delbrück - Sande oder am Boker Kanal. Mit Erholung hat das alles nichts mehr zu tun.
Lipinski Hedwig  wrote: 10.08.2020 15:41
Paderborner Badeseen im Fokus
Es gibt sehr viele Seen im Paderborner Land. Daher wäre es im Sinne der Bürger, wenn die Stadt sich um eine weitere Freigabe für Badessen bemühen könnte. Da diese Attraktion z. B. im Bielefelder Raum fehlt , wäre es ein guter Anreiz den Tourismus zu fördern. Die Anlage des Wasserski Sees ist ein sehr gutes Beispiel, wie der Tourismus in Paderborn gefördert werden könnte. Gastronomie und Hotels würdem sich freuen.
Ausserdem wäre genügend Raum für viele Bürger und die Coronahygiene könnte eingehalten werden.

Da inzwischen ein grosser Teil des Haxtergrundes abgeholzt wurde und auch am Eisernen Herrgott grosse Waldstücke total abgeschlagen wurden, könnt den Bürgern so ausreichend Erholungsfläche geboten werden.
Mit freundlichen Grüssen
Hedwig Lipinski

Segeltrainer*in  wrote: 10.08.2020 08:54
Situation an Lippesee gestern
Durch die Gewitter lehrten sich gestern die Seen recht schnell. Leider waren sehr viele leichtsinnige Menschen immer noch mit Tretbooten, Stand- up Bords oder Aufblasbooten ohne Schwimmweste bei aufziehendem Gewitter mit starken Böen, Starkregen und Blitzschlaggefahr auf dem Wasser unterwegs. Teilweise ergaben sich daraus schon sehr kritische Situationen.
Bitte seid etwas umsichtiger und verlasst das Wasser schneller. Auf den Seen ist nicht immer die DLRG präsent, wenn ein Unfall auf dem Lippesee passiert, stehen die Chancen sehr schlecht, dass noch geholfen werden kann. Außerdem werden die Helfer selbst gefährdet, sie wären bei Gewitter normalerweise nicht mehr rausgefahren...
Dann noch blockierte Rettungswege und Zonen, das hätte gestern auch sehr schnell anders ausgehen können.

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