Paderborner Werbegemeinschaft reagiert auf Veränderungen
Der Einkaufs-Samstag bröckelt

Paderborn (WB). Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier will die Innenstädte retten. Viele haben Angst vor dem Ladensterben. Auch der Chef der Paderborner Werbegemeinschaft macht sich Sorgen um den Einkaufsstandort Paderborn.

Sonntag, 09.08.2020, 10:39 Uhr
So voll ist es freitags in der Westernstraße, samstags bröckelt die Frequenz. Neu ist auf den Königsplätzen das Digital-Büro der Stadt (von links). Der Textilhändler „Collosseum“ wird schließen. „Vom Fass“ und „Coffeein“ haben vor wenigen Wochen eröffnet. Foto: Schwabe

„Der Samstag bröckelt“, berichtet Uwe Seibel. Vom Haupt-Einkaufstag der Familien sei nicht mehr viel übrig geblieben. Nach 14 Uhr ließen seit Wochen die Besucherfrequenzen in der Westernstraße sowie im Umfeld deutlich nach. Ideen gebe es einige, um die City attraktiver zu machen. Unter anderem soll es ein Wiedersehen mit einem alten Bekannten geben: dem verkaufsoffenen Sonntag. Außerdem gibt es einige Neuigkeiten aus der Geschäftswelt.

Kommen und Gehen

Ordentlich Bewegung gibt es im Bereich Schuhe. Ein Filialist kommt zurück nach Paderborn: Auf einer Teilfläche des Modehauses Klingenthal wird künftig das Görtz-Sortiment angeboten, berichtet Seibel. Zuletzt hatte Görtz bis zur Sanierung der Königsplätze im ehemaligen Dany-Haus Schuhe verkauft, wich aber dann dem Umbau. Seit Herbst 2019 ist dort TK Maxx angesiedelt.

Wie mehrfach berichtet, wird im ehemaligen Fisch-Restaurant Nordsee im September zudem ein Salamander-Schuhgeschäft eröffnen. Der ebenfalls zur Unternehmensgruppe gehörende Schuhfilialist Klauser will sein Ladenlokal gegenüber dem Historischen Rathaus vorerst fortführen.

Ein Leerstand verschwunden

Einen Leerstand weniger gibt es im ehemaligen Telekom-Gebäude auf den Königsplätzen. Das Coffeein ist ein Großraumcafé, das sich an ein jüngeres Publikum richtet. Noch für diesen Monat wird eine Filial-Eröffnung von Royal-Donut angekündigt. Laut Uwe Seibel gibt es noch mehr Interesse an Kalorienbomben: So hätten auch ein Süßwarenladen sowie ein Pizza-to-go nach einem Standort in der City angefragt. Wesentlich gesünder ist das Angebot eines Gastronomen, der einen Smoothie-Laden eröffnen möchte. Auch ein Personal-Sport-Trainer hat offenbar Interesse, sich im Zentrum niederzulassen, berichtet Seibel.

Auf Veränderung stehen die Zeichen in der Libori-Galerie, in der kräftig umgebaut wird. Was dort passiert, dazu könne er keine Angaben machen, sagt Seibel. Dem Vernehmen nach laufen die Vorbereitungen für den Einzug des Sportbekleidungs-Filialisten Decathlon. Eine Bestätigung gibt es aber nicht. Auch Rossmann hat offenbar Pläne, die Verkaufsfläche in der Galerie zu vergrößern.

Gegenüber dem C&A wird sich demnächst das Modelabel „Colloseum“ aus der Königstraße verabschieden, berichtet Seibel weiter. Auch den Wüseke-Schuhladen auf den Königsplätzen gibt es nicht mehr, ebenso wie das Schuh-Outlet Backflash in der Königstraße.

Kunden und Gäste

Seit Mitte Mai sind nach Aussage von Uwe Seibel wieder deutlich mehr Menschen in der Stadt unterwegs – zum Shoppen, zum Flanieren, zum Eisessen. „Die Frequenz liegt derzeit bei 90 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In den Monaten Mai und Juni waren es 80 Prozent. Während des Lockdowns waren es nur fünf Prozent. Da hatten wir pro Tag nur 2000 Menschen in der Westernstraße“, blickt er zurück. Aktuell profitiere die City von der Gastronomie, die für ein schönes Ambiente sorge. Das Ausweiten der Bestuhlung tue der Stadt gut. Doch nicht alle Händler könnten von den Besuchern profitieren. Textil- und Schuhbranche hätten Umsatzrückgänge von bis zu 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Drogerien verzeichneten leichte Zuwächse. Ein wesentlicher Grund für die Kaufzurückhaltung sei die Maskenpflicht, meint Seibel. „Die ist wichtig und notwendig und wir werden sie beibehalten müssen. Aber es törnt ab – gerade jetzt bei den warmen Temperaturen“, sagt er über den Mund-Nasen-Schutz.

Überraschend sei ein Trend, der wohl auch durch Corona hervor gerufen worden sei: Aus Elsen und Wewer werden „stabile Umsätze“ berichtet. „Die Kunden bevorzugen offenbar die kurze Anfahrt, das Parken vor dem Geschäft – womöglich sogar kostenlos – erledigen den Einkauf und sind dann wieder weg. Das kann die Innenstadt nicht bieten“, sagt Seibel.

Offene Sonntage

Die Werbegemeinschaft plant aktuell vier verkaufsoffene Sonntage bis Ende des Jahres, um den Einzelhandel in der City und in der Peripherie anzukurbeln. „Der Erlebniseinkauf soll wieder etabliert werden“, sagt Seibel auch mit Blick auf das wichtige Weihnachtsgeschäft. Das Land NRW habe als Corona-Hilfe den Anlassbezug zum verkaufsoffenen Sonntag herausgenommen, was sehr helfe. „Wir wollen im gleichen Zug auch die so genannte Peripherie wieder mit einbeziehen, berichtet der Vorsitzende. Gleichzeitig möchte sich die Werbegemeinschaft jedoch von den langen Einkaufsdonnerstagen verabschieden, die sich in Paderborn nicht durchsetzen konnten.

Außerdem erinnert die Werbegemeinschaft die Stadt an die Pläne, die City mit neuen Sitzbänken und Kinderspielgeräten aufzumöbeln. Seibel bedauert, dass bislang nichts passiert sei. „Wir brauchen das Nebeneinander von frei nutzbaren Bänken und der Gastronomie“, betont er.

Kommentare

Burkhard Bröcker  wrote: 09.08.2020 22:57
Politik und Einzelhandel
Wie üblich: die "Verarmung" der Innenstädte wird beklagt, und die (Wirtschafts)Politik feiert die Ansiedelung eines Amazon- Versandzentrums (wegen der vielen neuen Arbeitsplätze ...).
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