Vergewaltigungs-Prozess am Landgericht Paderborn endet mit Freispruch
Verloren im Alkoholnebel

Paderborn (WB). Zwei Männer und eine Frau verbringen eine Nacht in einer kleinen Wohnung. Alle drei haben Alkohol getrunken. Am nächsten Tag behauptet die Frau, von einem der Männer vergewaltigt worden zu sein – von welchem, weiß sie nicht. Der mutmaßliche Täter saß nun zum dritten Mal auf der Anklagebank. Dann wurde er freigesprochen.

Donnerstag, 06.08.2020, 08:13 Uhr aktualisiert: 06.08.2020, 11:24 Uhr
Symbolbild. Foto: Jörn Hannemann

Der 41-jährige Beschuldigte sollte im November 2017 die Frau in seiner Paderborner Wohnung vergewaltigt haben, während sie schlief. Die Staatsanwaltschaft ging davon aus, dass der Mann die jetzt 31-Jährige und einen britischen Soldaten in den frühen Morgenstunden eines Sonntags am Westerntor getroffen und zu sich eingeladen hatte – um in seiner Wohnung in der Nähe des Westfriedhofs weiter Alkohol und Drogen zu konsumieren. In der Anklage hieß es, der Staplerfahrer habe die auf einer Matratze schlafende Frau missbraucht, ohne dass sie zunächst aufwachte. Ein „Ruckeln“ auf ihrem Körper habe sie geweckt, worauf hin die Frau zusammen mit dem Soldaten die Wohnung verlassen habe.

Widersprüche

Strafrechtlich gesehen starker Tobak, denn hätten sich die Vorwürfe beweisen lassen, wäre dies eine Vergewaltigung gewesen. Allerdings erwies sich das Verfahren gegen den 41-Jährigen als schwierig – vor allem wegen des mutmaßlichen Opfers selbst. Bereits vor knapp einem Jahr hatte die 8. Große Strafkammer an zwei Prozesstagen verhandelt, ohne zu einem Ergebnis zu kommen: Zuerst erschien die 31-Jährige nicht im Gerichtssaal. Am zweiten Tag hinterließ ihre Aussage, gemessen an ihren früheren Angaben bei der Polizei, einen widersprüchlichen Eindruck.

Ein weiteres Problem stellten die Zeugen dar: Der britische Soldat und ein Kamerad, der ebenfalls Auskunft hätte geben können über den Zeitraum vor dem Zusammentreffen mit dem Angeklagten, konnten als Zeugen nicht geladen werden. Die Aussage der 31-Jährigen wurde während der fast einjährigen Prozessunterbrechung von Psychologen auf ihre Glaubwürdigkeit hin untersucht – nicht allein wegen der Widersprüche, sondern auch, weil die Frau zum Zeitpunkt der mutmaßlichen Vergewaltigung annähernd drei Promille Alkohol im Blut hatte.

„Aussageuntüchtigkeit“

Das Gutachten kam jetzt zu dem Ergebnis, dass aufgrund einer schweren Alkoholbeeinträchtigung für den Tatzeitraum eine „dauerhafte sachverhaltsspezifische Aussageuntüchtigkeit“ vorliege.

Damit könne die Kammer die Version des Angeklagten über das, was sich in der Wohnung abgespielt habe, nicht widerlegen, befand Vorsitzender Richter Dr. Oliver Neuwinger. „Dazu wäre eine glaubwürdige Aussage der Geschädigten nötig gewesen, die wir aber nicht haben“, erklärte er.

Der 41-jährige Angeklagte hatte während der gesamten Zeit stets beteuert, es sei zwar zu sexuellen Handlungen zwischen ihm und der Frau gekommen, aber einvernehmlich und ohne Geschlechtsverkehr. Die Richter folgten mit ihrem Freispruch den Anträgen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung.

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