Shell-Tankstelle in Paderborn schließt nach 81 Jahren
Es hat sich ausgezapft

Paderborn (WB). Die Shell-Tankstelle an der Bahnhofstraße ist eingezäunt. Das Betreten des Geländes ist verboten, die „Riesenbockwurst“ gibt es nicht mehr. Mit der Tankstelle verliert Paderborn ein Stück Geschichte. Sie war eine der ältesten Tankstellen der Domstadt.

Donnerstag, 06.08.2020, 05:18 Uhr aktualisiert: 06.08.2020, 05:31 Uhr
Ralph Messler zeigt auf die Shell-Tankstelle, die nicht mehr gebraucht wird. Autofahrer konnten dort am 31. Juli letztmals zu den Zapfsäulen fahren. Foto: Oliver Schwabe

Ralph Messler, Eigentümer des Grundstücks, hat die mit „Heil Hitler“ unterzeichnete Urkunde aufbewahrt, die es seinem Großvater Ferdinand ermöglichte, mit dem Betrieb zu beginnen. Am 24. April 1939 öffnete die Tankstelle der Rhenania-Ossag Mineralölwerke AG, aus der schließlich Shell Deutschland wurde, für ihre Kunden. „Sie war erst 400 Qua­dratmeter groß und wuchs im Laufe der Jahre auf 1900 Quadratmeter an“, erzählt Ralph Messler, der im Haus nebenan wohnt.

Autofahrer konnten am Freitag vergangener Woche zum letzten Mal tanken – nach 81 Jahren. Der Standort war für Shell einerseits ein Glücksfall, weil die Tankstelle aus beiden Richtungen angefahren werden konnte und die Bahnhofstraße eine Einfallstraße und damit vielbefahren ist.

Konkurrenz und ungewisse Zukunft

Andererseits war die Konkurrenz groß, zwei weitere Tankstellen bieten Benzin und Snacks an. Erschwerend kommt die ungewisse Zukunft hinzu: Wie berichtet, wollen Stadt und Deutsche Bahn einen neuen Bahnhof und eine neue Brücke bauen, was für Verkehrsbehinderungen und Sperrungen sorgen wird. Konkret soll die Bahnhofstraße 14 Monate lang nicht befahrbar sein. Wenn sie nicht angesteuert werden kann, machen Tankstellen keinen Umsatz. Die ungewisse Zukunft habe Shell dazu bewogen, die Tankstelle stillzulegen, sagt Ralph Messler: „Shell ist endgültig raus, die wollen nicht mehr.“

Zudem sei die Tankstelle in die Jahre gekommen: „Es wäre eine große Investition in Form eines Neubaus nötig geworden.“ Der Mitbewerber Jet habe konkret überlegt, den Standort zu übernehmen, sich dann aber aus ähnlichen Erwägungen wieder zurückgezogen, hat Messler erfahren. Er bedauert den Rückzug von Shell: „Für mich war das immer der beste Mieter – eine Mineralölgesellschaft, die nicht bezahlt, gibt es nicht.“ Shell selbst teilt auf Anfrage mit, man arbeite „stetig daran, das Netz weiter zu optimieren“. Die Tankstelle an der Bahnhofstraße habe man aus dem Netz genommen und zum 31. Juli geschlossen. „Die Rückbauarbeiten starten Anfang nächsten Jahres“, kündigt Sprecherin Cornelia Wolber an.

Gespräche über Studentenwohnheim

Ralph Messler setzt nun auf Gespräche mit der Moses-Mendelssohn-Stiftung, die sein Grundstück in dem Mischgebiet für ein Studentenwohnheim ins Auge gefasst habe. Wie berichtet, bauen die Stiftung, der Immobilienentwickler Nord Project und die Wegener Massivhaus GmbH als Generalunternehmer zur Zeit im Technologiepark 231 neue Apartments für Studenten. Bezugsfertig sollen die Zimmer in den vier zumeist fünfstöckigen Gebäudeteilen im Herbst 2021 sein. Wenn dieses Projekt abgeschlossen sei, solle es an der Bahnhofstraße losgehen, sagt Ralph Messler (60). Nach seinen Angaben ist geplant, dass die Moses-Mendelssohn-Stiftung das Grundstück für 30 Jahre pachtet. Angeblich sollen dort mindestens 120 Apartments für angehende Akademiker entstehen.

Benzin gab es früher in Apotheken

Übrigens gab es Benzin in Paderborn nicht ausschließlich in Tankstellen. „Es wurde vorher in Apotheken, Drogerien und von Maschinenhändlern wie Ritter in der Königstraße verkauft“, weiß der Archivar des Stadt- und Kreisarchivs Paderborn, Andreas Gaidt. Ritter habe zuerst Nähmaschinen und später Fahrräder und Automobile angeboten. Bereits 1925 habe es eine Freie Tankstelle in Neuhaus gegeben, sagt Andreas Gaidt und betont: „Bis zum Ersten Weltkrieg waren es nur ein paar Individualisten, die Auto gefahren sind. In den 20er Jahren nahm der Autoverkehr zu, aber zur Autostadt wurde Paderborn erst nach 1945. Der Massenverkehr setzte in den späten 50er Jahren ein.“ Wer noch mehr über dieses Thema erfahren möchte, kann sich auf Youtube den Film „Paderborn mobil“ anschauen.

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