Erste Erfahrungen mit dem Gratis-Angebot des ÖPNV in Paderborn
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Paderborn (WB). Mit dem Bus fahren und dafür nichts bezahlen – das hieß bislang „Schwarzfahren“. In Paderborn ist es nun erlaubt, sich ohne Ticket im ÖPNV befördern zu lassen: Zumindest gilt das jeweils am ersten Samstag im Monat. Das WESTFÄLISCHE VOLKSBLATT hat das neue Angebot getestet. Die erste Bilanz: Bei der Resonanz ist noch Luft nach oben.

Mittwoch, 05.08.2020, 12:29 Uhr aktualisiert: 05.08.2020, 12:32 Uhr
Familienausflug der anderen Art: Den kostenlosen Bustransfer am ersten Samstag im Monat nutzen Diard, Ali, Lavdie und Lendi Mustafa (von links), um einen Teppich zu kaufen. Vom Frankfurter Weg geht es im Gelenkbus zurück in Richtung Innenstadt. Foto: Ingo Schmitz

Samstag, 11.05 Uhr, Haltestelle in der Heiersstraße: Pünktlich hält der Bus in Richtung Wewer an. Ohne zu bezahlen und ohne schlechtes Gewissen geht es am Fahrer vorbei. Rund 20 Passagiere halten sich in dem Fahrzeug auf. Alle tragen ordnungsgemäß eine Maske. An der nächsten Haltestelle Landgericht steigen viele aus – vermutlich, um über den Wochenmarkt zu schlendern. Auch eine Dame mit Rollator kann den Bus problemlos verlassen.

Am Rathausplatz leert sich das gut klimatisierte Fahrzeug weiter. Bildschirme informieren über die nächsten Haltepunkte und Umsteigemöglichkeiten – da bleibt kaum eine Frage offen. Unter den 20 Leuten, die am Westerntor zusteigen, ist auch eine vierköpfige Familie. Doch dazu später. Am Bahnhof füllt sich der Bus weiter, so dass einige nur noch einen luftigen Stehplatz bekommen.

Nahezu ohne weiteren Zwischenstopp geht es weiter zum Frankfurter Weg, wo die Familie aussteigt. Im Bus bleibt unter anderem Edith Brzostowski mit ihrem Sohn Karol, die nach Wewer wollen. „Wir fahren fast nie Bus. Aber heute ist das Auto mal nicht da“, erklärt die Mutter von drei Kindern. Ihren Einkauf auf dem Wochenmarkt hat sie in einem Einkaufstrolley verstaut. Trotzdem ist sie nicht ganz zufrieden. „Wir konnten einige Sachen nicht kaufen, weil es zu schwer geworden wäre. Das nächste Mal fahren wir wieder mit dem Auto, das ist bequemer“, sagt Edith Brzostowski. Trotzdem lobt sie das Angebot der Stadt: „Es fahren viele Busse. Grundsätzlich ist das eine tolle Sache.“

Die Haltestellen Rathaus (Foto) und Westerntor sind oft besonders stark frequentiert. Am Samstag hielt sich der Andrang in Grenzen.

Die Haltestellen Rathaus (Foto) und Westerntor sind oft besonders stark frequentiert. Am Samstag hielt sich der Andrang in Grenzen. Foto: Ingo Schmitz

An der Endhaltestelle Zollhaus in Wewer legt der Fahrer eine kleine Pause ein. Die Busse seien trotz des verlockenden Angebots an diesem Samstag nicht voller als an anderen, stellt der Fahrer fest. „Es wird dauern, bis sich das Gratis-Angebot herumspricht“, meint der Chauffeur. „Viele Gäste sind überrascht, wenn ich ihnen sage, dass sie heute kein Ticket kaufen müssen“, erklärt er. Dann tritt er die Rückfahrt nach Paderborn an.

Auch bei dieser Fahrt bleiben etliche Sitzplätze leer. Am Frankfurter Weg gibt es ein Wiedersehen: Die vierköpfige Familie von der Hinfahrt steigt wieder ein. Neu dabei: Ein eingerollter Teppich, den die Eltern gekauft haben. Im Bus ist es kein Problem, den sperrigen Gegenstand zu transportieren, freut sich Vater Ali Mustafa, der ein Monatsticket für den ÖPNV hat. Umso mehr freut er sich, dass er für seine Frau Lavdie und die beiden Söhne Diard und Lendi nicht zahlen muss. „Das ist super“, stellt er fest.

Lukas Henke hingegen ist völlig überrascht, als er erfährt, dass er sich das 2,70 Euro-Ticket für die Fahrt nach Marienloh, das er am Hauptbahnhof am Automaten gezogen hat, hätte sparen können. „Wo bekomme ich denn nun mein Geld zurück?“, will der 23-jährige angehende Heilerziehungspfleger wissen.

Es bleibt dabei: Der Ansturm auf den Gratis-ÖPNV bleibt bei der Premiere aus. Der Padersprinter selbst war im Vorfeld sehr gespannt auf die Resonanz und hatte sich auf ein erhöhtes Fahrgastaufkommen eingestellt. Es wurden überwiegend Gelenkbusse eingesetzt, damit die Fahrgäste mehr Platz haben. Der Padersprinter hat seine Bilanz in Aussicht gestellt, so bald „sichere und plausible Zahlen vorliegen“.

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