Gucken, riechen, schmecken: Gerstensaft-Genuss der ganz anderen Art
Schwarzwälder Kirschtorte zum Bier

Paderborn (WB). Hätten Sie gedacht, dass das Sieben-Minuten-Bier nur eine Legende ist? Oder dass es Rauchbier gibt, bei dem man nicht selbst zum Glimmstängel greifen muss? Und dass es entgegen einem deutschen Schlager doch Bier auf Hawaii gibt?

Sonntag, 02.08.2020, 17:47 Uhr aktualisiert: 02.08.2020, 17:50 Uhr
Moderator Martin Warm (Libori digital, von links) und Julia Kleinekemper (Radio Hochstift) sowie Bernd Zengerling (PBSV, von rechts) und Martin Hornberger (SC Paderborn) merken schnell, wie beschränkt der Wortschatz ist, um die Biere zu beschreiben. Mit im Bild: Inhaber Lutz Luig und David Stoll. Foto: Ingo Schmitz

Nein, in diesem Bericht soll es nicht darum gehen, Werbung für bestimmte Getränke zu machen oder zum hemmungslosen Alkoholkonsum aufzurufen. Vielmehr geht es darum, den Blick auf ein Genussmittel zu lenken, über das man unglaublich viel lernen kann. Um dieses Wissen ging es am Liborisamstag bei der digitalen Bierprobe in Hops Bierbar.

In guter Gesellschaft

Um es vorweg zu nehmen: Der angepeilte Weltrekord-Versuch mit mehr als 1300 digitalen Teilnehmern hat nicht ganz geklappt. Dafür bekamen aber diejenigen, die den Rechner oder das Handy einschalteten und auf dem heimischen Sofa die Bierprobe zeitgleich absolvierten eine Extraportion an Wissen und Unterhaltung geboten. Dafür sorgten vor allem die beiden Experten Lutz Luig (Inhaber Hops Bierbar) sowie der angehende Biersommelier David Stoll. Mit Bernd Zengerling (Paderborner Bürgerschützenverein) und Martin Hornberger (SC Paderborn) sowie Moderator Martin Warm (Libori digital) und Julia Kleinekemper (Radio Hochstift) hatten sie Gäste, die auch schon mal das ein oder andere Glas Pils, Alt oder Bockbier in guter Gesellschaft konsumiert haben.

Bier aus Hamburg, gebraut in Bayern

Die Bierprobe stand ganz im Zeichen der feinen Sinne. „Ihr werdet sehr schnell merken, dass ihr beschränkt seid“, leitete Lutz Luig die Probe ein – und meinte damit den Wortschatz. Denn wie ein Bier riecht, aussieht oder schmeckt, dafür braucht es schon eine teils blumige oder auch romantisch veranlagte Phantasie. Laut Lutz Luig sei ein Biertasting im Vergleich zur Wein- oder Whiskey-Probe die Königsklasse. Ganz besondere Vertreter der so genannten Craftbiere standen diesmal zur Auswahl – gemeint sind damit handwerklich von einer unabhängigen Brauerei gebraute Sorten.

Die „Superfreunde“ sind zum Beispiel zwei Berliner, die in Hamburg ihren Firmensitz haben und ihr Bier in Bayern im so genannten Lohnsud herstellen lassen. Als der erste Kronkorken von der Flasche der „Superfreunde“ entfernt wird, plätschert der Gerstensaft ins Glas, das dann samt Inhalt gegen das Tageslicht gehalten wird. Danach kommt die Nase an die Reihe, bevor Zunge, Gaumen und Hals die Flüssigkeit aufnehmen.

„Zitronig-fruchtig“, lautet das erste Geschmacksurteil. Als „gehaltvoll“ bezeichnet Bernd Zengerling seinen Eindruck. „Der bittere Geschmack bleibt bestehen“, stellt er ein paar kleine Momente später fest. Als Schützenfestbier sei es wohl nicht geeignet. Schnell lernen die Teilnehmer, woher der bittere Geschmack kommt und dass dieser in der so genannten International Bitterness Unit (IBU) gemessen wird. Eines der bittersten Biere am Markt sei das Jever Pilsener mit 40 BE. Die Superfreunde liegen mit ihrem Pils knapp darunter.

Bart von Braumeister

Das nächste Bier kommt ebenfalls von den Superfreunden und trägt den klangvollen Namen „Till Death“. Zengerling ist begeistert: „Das ist echt gut!“ – „Was würdet Ihr gerne dazu essen?“, fragt Lutz Luig. „Ein Steak!“, sind sich die Gäste nahezu einig. Doch der Experte hat einen Vorschlag, der alle überrascht: „Wir wäre es denn mit Schwarzwälder Kirschtorte?“

„Unvorstellbar!“, meint Julia Kleinekemper. Der Rest der Gruppe ist da schon experimentierfreudiger. „Wenn es nicht schmeckt, dann liegt es am Bäcker“, ist Lutz Luig von dem Produkt überzeugt. Und Produkte gibt es viele. Es existieren allein 200 verschiedene Bierstile – und das Pils ist nur einer davon.

Und was gibt es noch Wissenswertes? Zum Beispiel, dass es in Oregon ein Bier gibt, das mit der Hefe aus dem Bart von Braumeister John Maier verfeinert wird. Geschmacklich soll das Haar in der Suppe – Pardon: Barthaar im Bier – ein echtes Highlight sein. Wohl bekomm’s!

Bier auf Hawaii

Und dann gibt es noch das Bier auf Hawaii, das ebenfalls beim Biertasting auf der Getränkekarte stand. Das Kona Fire Rock Pale bringt stolze 6,0 Volumenprozent Alkohol mit. Tolles Label, starker Geschmack. Und wer die Kopfschmerzen am nächsten Tag verhindern will, der sollte zwischendurch ein Glas Wasser trinken, rät Luig. Auch das ist eine Weisheit, die die Bier-Experten parat haben.

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