Paderborner Krankenhäuser befürchten finanzielle und Versorgungs-Engpässe
„Sorge vor zweiter Welle ist real“

Paderborn (WB). Die drei Paderborner Krankenhäuser warnen davor, dass sich ihre Zukunftsperspektiven dramatisch verschlechtern könnten. Am 1. Oktober soll der Schutzschirm für sie entfallen.

Sonntag, 02.08.2020, 13:24 Uhr aktualisiert: 02.08.2020, 13:26 Uhr
Unser Bild zeigt Ärzte und Pfleger der Infektionsstation des Brüderkrankenhauses St. Josef: Dr. Andreas Zaruchas mit Stationsleiterin Katharina Fröhling (3. von rechts) und deren Stellvertreterin Sunja Baschizada (2. von links), außerdem die Fachärztinnen aus dem Team der Pneumologie. Sie stehen stellvertretend für alle Ärzte und Pfleger, die Corona-Patienten behandelt und gepflegt haben.

Seit März haben Ärzte und Pflegefachkräfte der Paderborner Krankenhäuser insgesamt über 100 an Covid-19 erkrankte Patienten behandelt. „Das waren enorme Herausforderungen“, sagt Lungenfacharzt Dr. Andreas Zaruchas, der als Leitender Arzt Pneumologie dem Krisenstab des Brüderkrankenhauses Paderborn angehört. Nach wie vor befinde sich man in Alarmbereitschaft.

Das Brüderkrankenhaus, das St.- Vincenz-Krankenhaus und das Johannisstift haben sich mit Beginn der Pandemie noch enger zusammengeschlossen. „Diese lokale Vernetzung gewährleistet, dass in der andauernden Krise die Versorgung der Bevölkerung jederzeit sichergestellt ist. Indem wir Hand in Hand arbeiten und mit niedergelassenen Ärzten und Ämtern kooperieren, bleiben wir handlungsstark und entscheidungskräftig“, so Siegfried Rörig, Kaufmännischer Direktor des BKP.

Berufsbedingt erhöhtes Infektionsrisiko

„Die Krise hat nochmals gezeigt, wie wichtig die Beschäftigten in den Kliniken sind. Deren außerordentliches Engagement ist ein wesentlicher Faktor für die Bewältigung der Pandemie“, betont Christoph Robrecht, Regionalleiter und Hausoberer des Brüderkrankenhauses, der sich unter anderem für die seelsorgerische und psychologische Begleitung im Krankenhaus in Krisensituationen stark macht.

„Es geht nicht nur um die Patienten und deren Angehörige, sondern auch um die Mitarbeitenden. Neben der Sorge um ihre Familien fallen bei ihnen das berufsbedingt erhöhte Infektionsrisiko und die besondere Arbeitsbelastung ins Gewicht“, sind sich die Verantwortlichen in den Krankenhäusern sicher.

Der Katholische Krankenhausverband Deutschlands (kkvd) sieht die dezentrale Krankenhausstruktur als sicheres Netz zur Bekämpfung der andauernden Corona-Pandemie. Nun gelte es, diesen wichtigen Vorteil nicht zu verspielen. „Befürchtungen einer zweiten Welle sind real“, prognostiziert Lungenspezialist Zaruchas, umso wichtiger sei es, ausreichend finanzielle Ressourcen für den außerplanmäßigen Einsatz von Personal und die Bereitstellung zusätzlichen Equipments vorzuhalten.

Rückkehr zum Normalbetrieb nicht absehbar

Der Schutzschirm habe Finanzierungsengpässe abgemildert, resümiert Rörig, auch die Förderung der Aufstockung von Intensivkapazitäten sei okay gewesen: „Unsere finanzielle Perspektive ist jedoch mitnichten rosig: Sie ist schlecht. Eine vollständige Rückkehr zum Normalbetrieb aus Vor-Corona Zeiten ist nicht absehbar. Das wird sich bis weit in das Jahr 2021 hinziehen. Also werden wir weiterhin mehr Isolationsbereiche und Beatmungskapazitäten als vor Corona vorhalten müssen. Wenn ab dem 1. Oktober der Schutzschirm entfällt, wird es tagesgleich große finanzielle Probleme geben“, gibt der Kaufmännische Direktor zu bedenken.

Und eine weitere Sorge treibt die Krankenhäuser um: Schon ab 1. August treten die Pflegepersonaluntergrenzen (PPUG) für Intensivstationen und in der Geriatrie wieder in Kraft. Sie waren angesichts der COVID-19-Pandemie eigentlich bis Ende des Jahres ausgesetzt. „Diese kurzfristige politische Entscheidung finden wir höchst widersprüchlich“, betont Dr. Josef Düllings von der St.-Vincenz-Krankenhaus GmbH.

Die Personaluntergrenzen könnten bei lokalen Ausbrüchen oder in einer zweiten Infektionswelle zur Sperrung von dringend benötigten Intensivbetten führen, sorgen sich die Chefs der Krankenhäuser. Derzeit sei die Lage zwar entspannt, dies könne sich angesichts der steigenden Corona-Zahlen jedoch ändern. Dann bestünde erneut die Gefahr, dass Operationen abgesagt werden müssten.

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