Götz Alsmann und Erwin Grosche entern die neue Bühne am Paderborner Dom
Ein Hoch auf Dandys und die Liebe

Paderborn (WB). Neue Bühne, gute Unterhaltung: Die Kultursommerbühne auf dem Platz vor dem Haus der Dommusik hat seine Premiere gefeiert. „Es ist ein bisschen Abstand, aber die Atmosphäre ist doch der Hammer, oder?“, fragte Veranstalter Carsten Hormes das Publikum und erntete Zustimmung.

Samstag, 01.08.2020, 05:03 Uhr aktualisiert: 01.08.2020, 05:20 Uhr
Die Freude, vor Publikum auftreten zu können, war Götz Alsmann anzusehen. Er griff zur Ukulele und philosophierte über angemessenes Auftreten. Foto: Oliver Schwabe

Hormes ist auf den Geschmack gekommen und arbeitetet daran, „hier jahrelang einen Kultursommer zu veranstalten“. Am Donnerstag und Freitag setzten Götz Alsmann und Erwin Grosche die ersten Akzente. Im Deelenhaus wiederum präsentierte Julia Ures ein neues Format. Unterhaltsam entlockte die Moderatorin ihren Gästen Libori-Liebesgeschichten.

Alsmann und die Mode

Götz Alsmann singt, liest, spielt Ukulele und Banjo. Er philosophiert über klassische Herrenmode, wirbt für den Morgen- statt Bademantel und mokiert sich über Männer, die des Nachts im Bett abgetragene Boxershorts und peinliche T-Shirts mit Aufschriften wie „Bier formte diesen edlen Körper“ tragen. Ihm zuzuhören, bereitet den Besuchern in Strandliegen und auf weißen Sitzwürfeln sichtlich Vergnügen. Das Thema des Abends ist Alsmann aber auch wie auf den eleganten Leib geschnitten. Es geht ums Dandytum, um jene Menschen also, die laut Definition einen übertriebenen Wert auf ihr Äußeres legen.

Götz Alsmann mit seiner unverwechselbaren Stehhaarfrisur erzählt von den Ursprüngen in Italien, verweist auf prominente Dandys wie Oscar Wilde, David Niven und Cole Porter und außerdem auf seinen Vater, den Grund für seine „Dandywerdung“. Vater Erich ging alle zwei Wochen zum Friseur, putzte sich jeden Sonntag heraus und klagte seinem Sohn: „Die Mädchen haben keinen Schick, und die Männer sehen beschissen aus.“ Auf Götz Alsmann (63), den Krawattenmann 2004, trifft das nicht zu. „Ich bin Musiker geworden, weil mir das die Gelegenheit gibt, jeden Tag eine Krawatte zu tragen“, sagt er und bedauert, dass der klassische Herrenausstatter ausgestorben sei. Blaue Jeans sind für ihn ein grünes Tuch, nicht mehr als ein „allgemein anerkannter Hosenersatz“.

Götz Alsmann wäre ein nur halb so großes Vergnügen, würde er nur vorlesen und sinnieren. Mit alten Schlagern, die er vor dem Vergessenwerden bewahrt, würdigt er Eddie Constantine („Eine Nacht in Monte Carlo“), Vico Torriani („Der neue Frühjahrshut steht meiner Frau so gut“) oder Bibi Johns („Wo ist mein kleiner Hund geblieben?“). Die Liebe zu anderen und sich selbst ist das Leitmotiv des Abends. Das englische Adjektiv „dandy“ meint Erstklassigkeit in dem, was man tut. Alsmann ist ein ausgezeichneter Künstler und heilfroh, dass er endlich wieder auftreten darf. Das Coronavirus habe ihn um zwei Jahre zurückgeworfen – dabei wollte er 2021 auf dem Mars auftreten...

Liebesgeschichten

Die Paderborner lieben Libori – und manchmal verlieben sie sich bei dem Volksfest auch. So wie Thilo Pohlschmidt und seine Linda. „Das Feuerwerk am letzten Libori-Sonntag im Riesenrad zu schauen, ist zur Tradition geworden“, erzählt der Frontmann der Band Goodbeats Moderatorin Julia Ures, die für die Premiere ihrer Late-Night-Talkshow im Deelenhaus ein Kleid voller Herzen angezogen hat und dem Sänger und seiner Verlobten das Geheimnis entlockt, wie sie sich kennengelernt haben. Als Single war Linda mit ihrer Clique 2014 auf Libori unterwegs, und ein Freund versprach: „Wir suchen dir einen.“ Gesagt, getan. Thilo Pohlschmidt fing Feuer und schlug der jungen Frau vor: „Hast du nicht Bock, mit mir im Riesenrad das Feuerwerk anzuschauen?“ Inzwischen haben die beiden eine dreijährige Tochter.

Verliebt in Libori ist auch Bürgermeister Michael Dreier. „Man spürt überall den Strom, und du siehst nur glückliche Menschen“, schwärmt der Elektriker. Als er das erste Mal als Bürgermeister im Dom den Liboritusch hörte, habe er Gänsehaut bekommen. Peter Stolle und Ulrike Wahren, auch fernab der Bühne ein Paar, ergänzten die launigen Gespräche durch Liebeslieder, die von Herzen kommen („I will always love You“) oder Ironie versprühen: „Du bist die Frau, die ich will – aber gibt’s dich auch in still.“

Grosches Stadtführung

Paderborn ist 179,4 Quadratkilometer groß. Für Erwin Grosches Stadtführung brauchen die Gäste aber keine robusten Schuhe. Er erklärt Paderborn auf den paar Quadratmetern der Kultursommerbühne – und das witzig und originell. Paderborn stehe nicht nur für den SCP, sondern auch für Brot, Marmelade, die Südstadtmilbe, die Mützen von Heinrichsdorff und den Drewermann-Pullover, „der nicht vom Gesagten ablenkt“, referiert das Paderborner Original und verweist natürlich auch auf die Pader, wo „die Quellen quellen raus aus allen Stellen“. Das Vokalensemble Anis oder Mandel sang das „Lied von der Pader“ so schön, dass es die Zuhörer blubbern hörten. Allerdings hörten sie immer wieder auch den Klang der Glocken, die, behauptet Erwin Grosche, das berühmte Riff von „Smoke on the Water“ nachahmen, um jüngere Menschen in die Kirche zu locken.

In seiner stationären Stadtführung geht er auch aufs Rosentor ein, wo die Passanten eine halbe Stunde warten müssten, bis der Zug kommt und wo es stinke, als ob Frankenstein seine Blasenschwäche ausgelebt hätte. Das Rosentor sei typisch für Paderborn als „Hauptstadt der Entschleunigung“. „Ich kann immer nur nix, aber das nicht schlecht“, sagt Grosche (64) über sich. Dabei kann er eines wirklich gut – auf skurrile Art und Weise unterhalten.

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