Ausstellung im Museum in der Kaiserpfalz in Paderborn wird am 24. Juli eröffnet
Vom Leben am Toten Meer

Paderborn (WB). „Darin kann kein Tier leben“, schrieb der römische Gelehrte Plinius der Ältere in seiner Naturgeschichte über das Tote Meer, den „Asphaltsee“, wie er es nannte. Eine Handschrift aus dem 5. Jahrhundert aus Italien mit den Beschreibungen des Plinius gehört zu den herausragenden Exponaten der Ausstellung „Leben am Toten Meer: Archäologie aus dem heiligen Land“ im Museum in der Kaiserpfalz. Dort wird sie vom 24. Juli bis zum 15. November 2020 zu sehen sein.

Samstag, 11.07.2020, 07:00 Uhr aktualisiert: 11.07.2020, 09:58 Uhr
Herausragendes Exponat: Museumsdirektor Martin Kroker schaut sich die Handschrift aus dem 5. Jahrhundert an, die die Naturgeschichte von Plinius dem Älteren enthält. Foto: Oliver Schwabe

24. Juli? War da nicht was? In der Tat: Die große Rubens-Ausstellung im nur ein paar Schritte entfernten Diözesanmuseum beginnt am selben Tag. Die Terminkollision sei „nicht glücklich“, räumt der Leiter des Museums in der Kaiserpfalz, Martin Kroker, ein, aber es gehe nicht anders.

Ursprünglich sollte das Leben am Toten Meer ab dem 8. Mai geschildert werden, und die Eröffnung von „Peter Paul Rubens und der Barock im Norden“ war für den 29. Mai vorgesehen. Kroker: „Wir waren anfangs drei Wochen auseinander.“ Aber dann machte das Coronavirus die Planungen zunichte – und so wie sein Kollege im Diözesanmuseum, Christoph Stiegemann, ist Martin Kroker inzwischen heilfroh, dass die Schau überhaupt noch stattfinden kann. Allerdings werden die Einblicke in Natur, Leben und Kultur einer unwirtlichen Region in Israel sieben Wochen kürzer zu sehen sein als ursprünglich geplant.

Große Leihgabe aus Israel

„Die Israelis haben zwischenzeitlich gesagt ‚Wir geben auf‘“, erzählt Martin Kroker. Die Ausstellung, die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe vom Staatlichen Museum für Archäologie in Chemnitz übernimmt und durch weitere Exponate ergänzt, stand gewaltig auf der Kippe. In Sachsen wurde sie wegen des Coronavirus zwischenzeitlich wieder geschlossen.

Die Ausstellung lebt von den 130 Exponaten aus Israel, einem der Hotspots der Corona-Pandemie. Zudem kommen Leihgaben aus einem weiteren vom Virus stark heimgesuchten Land, aus Großbritannien. Die israelische Antikenbehörde jedenfalls wacht mit Argusaugen über die nationalen Kulturgüter. Eigene Leute sind bei den Ausstellungen im Ausland immer dabei, und in Paderborn wird das nicht anders sein.

Die Geschichte des Mannes, der nach Paderborn kommen wird, ist kurios. Er habe in Holland Urlaub gemacht und sitze dort wegen des Coronavirus jetzt fest, berichtet Martin Kroker. Deshalb sei entschieden worden, dass der Mann seinen Urlaub um drei Wochen verlängert und danach in Paderborn eintrifft. „Am 19. Juli kommen die Exponate aus Chemnitz. Der Mitarbeiter der israelischen Antikenbehörde packt dann mit uns die Kisten aus und sagt, wie wir die Leihgaben präsentieren können“, beschreibt Martin Kroker das weitere Vorgehen.

Lichtempfindliche Exponate

Unter den 320 Ausstellungsstücken befinden sich bis zu 12.000 Jahre alte Funde aus dem besonderen Kulturraum mit Jericho als ältester Stadt der Welt und dem einzigartigen Salzsee zwischen Israel, dem Westjordanland und Jordanien. Einige von ihnen wie die komplett erhaltene römische Tunika aus Wolle sind extrem lichtempfindlich und vertragen maximal 35 Lux. Für die Textilien werde eigens eine „Dunkelkammer“ in der Kaiserpfalz eingerichtet, kündigt Martin Kroker an. Auch Fragmente von Tora-Texten aus den berühmten Höhlen von Qumran werden in Paderborn gezeigt.

Die etwa 80 Vitrinen und die Medienstationen dokumentieren die Entwicklung des Toten Meeres mit seinem permanent sinkenden Wasserspiegel, die Bedeutung als Wellnessort bereits in der Antike, die Erscheinungsformen von Religion, die Siedlungsgeschichte und die Kontakte und den Austausch zwischen den Einheimischen und den Besatzern wie Persern, Griechen und Römern.

Mitunter resultierten daraus blutige Auseinandersetzungen – wie der Jüdische Krieg gegen die Römer, in dem sich Aufständische schließlich auf die Bergfestung Masada flüchteten und sich 73 oder 74 nach Christus in aussichtsloser Lage teilweise selbst töteten.

Damals herrschte Chaos, und Chaos herrschte wegen des Coronavirus zeitweise auch in Paderborn bei der Organisation der Ausstellung. Für das Museum in der Kaiserpfalz ist es aber nicht irgendeine. Martin Kroker: „Es ist bislang das größte Projekt, das wir allein gemacht haben. Jetzt freuen wir uns darauf, dass es endlich losgeht.“

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