Wiederbelebung dreier Bahnstrecken in Ostwestfalen-Lippe gefordert
Neuer Verkehr auf alten Gleisen?

Berlin/Paderborn/Rahden (WB). Schienen durchziehen vielerorts die Landschaft, ohne dass auf ihnen noch ein Zug fährt. Teilweise liegen die Strecken schon seit Jahrzehnten still. Inzwischen häufen sich aber die Fälle, dass einige wiederbelebt werden. Im vergangenen Jahr wurden auf diese Weise 106 Kilometer Schienen wieder an das deutsche Eisenbahnnetz, das insgesamt 33.291 Kilometer misst, angeschlossen.

Freitag, 10.07.2020, 04:00 Uhr aktualisiert: 10.07.2020, 14:10 Uhr

Der Verband VDV, dem Unternehmen des öffentlichen Personennahverkehrs und des Bahn-Güterverkehrs angehören, und die Allianz Pro-Schiene haben nun am Donnerstag eine Liste von 55 Projekten veröffentlicht, für die sie eine Revitalisierung fordern. Dazu gehören auch drei Bahnstrecken in Ostwestfalen-Lippe: die Almetalbahn auf 27 Kilometern von Paderborn bis Büren, die doppelt so lange Verbindung von Rahden nordwärts bis Bassum sowie in Lippe die Strecke Lemgo-Lüttfeld nach Barntrup; sie ist mit 17 Kilometern die kürzeste.

Strecken bei Sperrungen als Ausweichmöglichkeit nutzen

Der Allianz pro Schiene geht es nicht nur um einen besseren Anschluss des ländlichen Raumes. Die Strecken könnten auch genutzt werden, um etwa bei Sperrungen Nadelöhre zu umfahren.

Im Falle der Almetalbahn rennen die Verbände bei den CDU-Gemeinderatsfraktionen in Borchen, Brilon, Büren und Salzkotten offene Türen ein. Sie setzen sich schon einige Zeit für die Wiederbelebung der Strecke zwischen Paderborn über Büren bis Brilon ein. Kritiker verweisen vor allem auf die hohen Kosten für die Sanierung von Brücken und Schienen. Bei der vorläufig endgültigen Stillegung 2006 verkehrten zuletzt nur noch Museumszüge auf der Almetalbahn. Im Bereich Brilon fahren seit einigen Jahren wieder Regional- und Güterzüge, etwa zum Möbelzulieferer Egger.

„Revitalisierung der Strecke Rahden-Bassum-Bremen wäre ein Gewinn“

Was die Strecke von Rahden im Landkreis Minden-Lübbecke ins niedersächsische Bassum betrifft, so liegt diese seit etwa 20 Jahren still. Touristen wird zeitweise die Möglichkeit geboten, die Landschaft zwischen Rahden und Wagenfeld-Ströhn auf einer Draisine zu genießen. Die Fahrt der Eurobahn aber endet in Rahden. Auch die Güterbahn, die früher von Süden kommend unter anderem die Rahdener Eisengießerei Meier (heute Meierguss) mit Kohle belieferte, wurde nicht wiederbelebt. „Für unsere Region im nördlichen OWL wäre eine Revitalisierung der Strecke Rahden-Bassum-Bremen ein echter Gewinn“, sagt Stemwedes Bürgermeister Kai Abruszat (FDP). Entsprechende Resolutionen der Kommunalparlamente in Stemwede und Rahden würden auch von den heimischen Bundestags- und Landtagsabgeordneten unterstützt.

Die frühere Bahnstrecke Bünde-Bassum endet in Rahden. Nach Norden geht es nur noch mit der Draisine weiter.

Die frühere Bahnstrecke Bünde-Bassum endet in Rahden. Nach Norden geht es nur noch mit der Draisine weiter. Foto: Dieter Wehbrink (Archiv)

Auch für die Strecke Lemgo-Barntrup gibt es vor Ort Unterstützung von CDU bis Linke. Seit längerem im Gespräch ist zudem eine Revitalisierung der 25,1 Kilometer langen Bahnstrecke Harsewinkel-Gütersloh-Verl für den Schienenpersonennahverkehr.

IHK-Sprecher Jörg Deibert begrüßt grundsätzlich Investitionen in den Schienenverkehr, sofern die Kosten im Rahmen bleiben.

Kommentar von Bernhard Hertlein

Die Bahn kommt – in großen Städten. Ländliche Regionen wurden jahrzehntelang immer nur abgekoppelt. Das hat weder dem Schienenverkehr noch dem ländlichen Raum gut getan. Deshalb sollte weniger über eine neue Schnelltrasse Bielefeld-Berlin nachgedacht werden, die im Übrigen Minden links liegen lassen will, als über eine Revitalisierung alter Strecken.

Sofern noch keine Umwidmung stattgefunden hat, ist auch der Genehmigungsweg kürzer. Es gibt gute Beispiele wie den „Haller Willem” von Bielefeld nach Osnabrück.

Trotzdem sollte nicht blind revitalisiert, sondern erst der Bedarf abgefragt werden. Ei­ne Bahn, die nicht kaum genutzt wird, ist weder ökonomisch noch ökologisch sinnvoll. Dabei könnten sich auch neue Forderungen ergeben – wie etwa im Kreis Paderborn ein Anschluss des Flughafens.

 

Kommentare

Gerke  wrote: 11.07.2020 11:13
Neuer Verkehr auf alten Gleisen
Die vom Vorkommentator genannten Nahverkehrszüge Minden - Nienburg mit nicht wieder eröffneten Halten sind für baubedingte Umleitungen von Güter- und IC Zügen seid Jahren ständig und über Wochen /Monate im Ausfall. Auf anderen wichtigen Strecken ähnliche Probleme. Für ein zuverlässiges Angebot, das überzeugt, fehlen Umleitungs- und Ausweichstrecken. Der ICE Anschluß Herford/Bielefeld wäre auch für Niedersachsen attraktiv. Würde deren Politik bisher nicht einseitig auf die Straße setzen. Derweil verliert Sulingen sein Krankenhaus und die Schuhproduktion mit Hunderten Arbeitsplätzen. Grund genug Reaktivierungen und den Ausbau vorhandener Strecken und neuer Halte nicht aus dem Blick zu verlieren. Und auch die Strecke Bünde - Rahden hat noch nicht den Standard einer modernen Bahn.
Friedrich Büsching  wrote: 10.07.2020 07:56
Zwischenhalte
... und es gibt sogar Bahnstrecken (z.B. NI-MI), die noch von der Bahn genutzt werden.

Allerdings hält der Zug nur in den "großen Orten" und alle Dörfer dazwischen werden ausgelassen...

An den Haltepunkten müsste sicher nach knapp 40 Jahren etwas investiert werden, aber wenn woanders ganze Strecken reaktiviert werden sollen, könnte man auch darüber nachdenken.
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