Vor 50 Jahren stieg der VfL Schlangen in die höchste Fußball-Amateurliga auf
Die beste Motivation kam vom Gegner

Schlangen (WB). „Wir waren bereit, das Letzte zu geben, um als Sieger in das Lipperland heimzukehren“, heißt es in schriftlichen Erinnerungen des leider 2018 verstorbenen Friedhelm Lüning. Er beschreibt einen denkwürdigen Tag und den größten Erfolg, den jemals eine Schlänger Fußball-Mannschaft erreichte: Vor genau 50 Jahren, am 8. Juli 1970, ist der VfL Schlangen in die damals höchste deutsche Amateurklasse, die Verbandsliga, aufgestiegen.

Mittwoch, 08.07.2020, 08:12 Uhr aktualisiert: 08.07.2020, 08:16 Uhr
Diese Fußballer stiegen am 8. Juli 1970 mit dem VfL Schlangen nach einem 3:0-Erfolg gegen den TuS Eving-Lindenhorst in die damals höchste deutsche Amateur-Liga, die Verbandsliga, auf: (hinten, von links) Fußballobmann und Präsident Dieter Neese, Frank Rehlaender, Klaus Hamelmann, Georg Emmighausen, William Couchman, Karl Krämer, Hermann Lüning, Alfred Michalke, Trainer Heinz Brannolte, Geschäftsführer Reinhard Richtermeier, (vorne, von links) Reinhold Walter, Manfred Wobbe, Rudi Zwikirsch, Friedhelm Lüning, Klaus Jahn, Hugo Fischer, Günter Meier, Bernd Krummschmidt, Manfred Libuda und Betreuer Tetz Märtens.

Ein Jubiläum, das eine Feier verdient hätte. „Aber die Corona-Pandemie und ihre Beschränkungen lassen dies derzeit kaum zu“, sagt Georg Emmighausen. Sicher werde es Gelegenheit zum Feiern geben, wenn im kommenden Jahr ein weiteres Jubiläum ansteht: Fortuna Schlangen feiert das 100-jährige Bestehen.

Würdiges Endspiel

Die Szenerie war der eines Endspiels würdig. In Scharen waren die Schlänger Fußballfans nach Soest gefahren, wo das Entscheidungsspiel ausgetragen wurde. Der VfL war als Vizemeister der Landesliga Ost berechtigt, um den Aufstieg zu spielen. Sein Gegner war der TuS Eving-Lindenhorst, Zweiter der Landesliga Ruhrgebiet. In einem ersten Kräftevergleich hatten sich die Mannschaften mit einem 2:2-Unentschieden getrennt. Zweimal hatte Günter Meier für die Schlänger ins Tor getroffen, zweimal glich der Gegner aus Dortmund aus. Also musste ein Entscheidungsspiel her.

Im Soester Jahn-Stadion sorgten 1500 Zuschauer für Stimmung. VfL-Trainer Heinz Brannolte hatte die Mannschaft optimal vorbereitet. Zusätzliche Motivation lieferte der Gegner: Dessen Trainer, Ex-Nationalspieler Friedhelm Schulte, hatte in einem Zeitungsbericht von einer „klaren Angelegenheit“ gesprochen. Diesen Zeitungsbericht präsentierte Brannolte seinen Spielern.

Klare Angelegenheit

Es wurde tatsächlich eine „klare Angelegenheit“ – aber für den VfL Schlangen, der 3:0 gewann. Frank Rehlaender war in der 39. Minute nach einer Ecke von Rudi Zwikirsch zur Stelle und traf zum 1:0. In der 56. Minute traf Georg Emmighausen nur die Torlatte, aber Klaus Hamelmann drückte den Abpraller zum 2:0 über die Torlinie. In der 69. Minute vollendete Manfred Wobbe – nach einem Alleingang und Querpass von Georg Emmighausen – zum viel umjubelten 3:0 für die Schlänger. Dabei blieb es.

Der Jubel der Mannschaft und der Fans war überschwänglich. Blau-weiße Fahnen wurden geschwenkt, Siegesgesänge angestimmt und natürlich flossen auch Freudentränen. Friedhelm Lüning beschrieb es so: „Es war ein unheimlich beglückendes Gefühl ein Ziel erreicht zu haben, wovon man jahrelang nur zu träumen gewagt hatte. Der Weg von der Spielfeldmitte bis zu den Kabinen glich einem ‚Triumphzug‘.“

Pastor im Freudentaumel

Als der Bus mit der Mannschaft nach der Heimreise in die Ortsmitte einbog, empfing ihn eine unerwartet große Menschenmenge. Nur mühsam gelangte der Bus zum Vereinslokal. Selbst den evangelischen Geistlichen hatte der Fußballtaumel erwischt. Pastor Karl August Ewerbeck war im Bademantel an die Straße geeilt, um die Ankunft der Sieger nicht zu verpassen. Im Vereinslokal wurde kräftig gefeiert, am Morgen ging es mit einem Katerfrühstück am Kalkofen hoch über Schlangen weiter.

Der Schlänger Fußball war in Ostwestfalen salonfähig geworden. Die Neider, die prophezeiten „Die tanzen doch nur einen Sommer“, wurden eines besseren belehrt: Der VfL Schlangen hielt sich bis zum Ende der Spielzeit 1974/75 in der Liga. Aber: Nach dem Abstieg verließen zehn Spieler den Verein, eine Vorstandskrise sorgte für Zündstoff. Doch der Donner verhallte bald, der Verein ging wieder ruhigeren Zeiten entgegen.

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