IHK-Konjunkturumfrage: Zwei Drittel der Unternehmen befürchten Verschlechterung
Düstere Prognose für Paderborner Wirtschaft

Paderborn (WB). Die Aussichten in der Paderborner Wirtschaft sind alles andere als rosig. Das bestätigt die Sonder-Konjunktur­umfrage der IHK-Zweigstelle Paderborn-Höxter, an der sich 272 Unternehmen mit insgesamt 15.841 Beschäftigten beteiligt haben.

Mittwoch, 08.07.2020, 07:54 Uhr aktualisiert: 08.07.2020, 07:56 Uhr
Die Lage der Wirtschaft im Kreis Paderborn ist sehr ernst: Dr. Claudia Auinger, Gabriele Schäfers und Jürgen Behlke (von links) präsentierten die Ergebnisse der Sonder-Konjunkturumfrage, die laut Behlke einen bisher nie dagewesenen Einbruch zeigt. Foto: Maike Stahl

„Das gilt sowohl für die derzeitige Lage, als auch für die weitere Perspektive“, sagt Zweigstellen-Geschäftsführer Jürgen Behlke. „Zwei Drittel der befragten Industrieunternehmen befürchten, dass sich die derzeitige Lage noch weiter verschlechtern wird.“ Auch wenn das nur eine Momentaufnahme und Prognosen schwierig seien, betrachtet er die Entwicklung mit großer Sorge. „Die Branchen sind verzahnt, wenn es Industrie, Handel und Dienstleistungen nicht gut geht, wird es auch das Handwerk treffen.“

Kleiner Silberstreif

Ein Lichtblick in düsteren Zeiten sei die Agilität der Paderborner Wirtschaft, sagt Behlkes Stellvertreterin Dr. Claudia Auinger. „Unsere Unternehmer stecken den Kopf nicht in den Sand, sondern akquirieren neue Kundengruppen, führen andere Vertriebswege ein und suchen nach Wegen, die Situation zu verbessern.“ Ein Rückschlag sei dabei für viele die Überprüfung der Soforthilfe, die ihrer Ansicht nach großzügiger gehandhabt werden müsste. „Die tatsächlich entstandenen Kosten müssen berücksichtigt werden, wenn es den Unternehmen helfen soll.“

Viele Ausbildungsplätze unbesetzt

Schließlich habe branchenübergreifend mehr als die Hälfte der Unternehmen Mitte Mai bis Anfang Juni angegeben, dass sie für noch mindestens sechs bis zwölf Monate mit einer verminderten Auslastung rechnen. Dennoch bilden viele Betriebe weiter aus, freut sich Jürgen Behlke, dass die Wirtschaft den drohenden Fachkräftemangel auch in der Krise im Blick habe. „Allerdings gibt es derzeit noch eine ganze Reihe freier Ausbildungsplätze, auch für das im August beginnende Ausbildungsjahr“, sagt er. Das liege unter anderem daran, dass die Berufsorientierung in den Schulen mit dem coronabedingten Unterrichtsausfall ebenfalls weitestgehend ausgefallen sei. Behlke appelliert daher an die Schulabgänger, sich jetzt noch auf die offenen Ausbildungsstellen zu bewerben. Orientierung dabei bietet unter anderem die App „Ausbildungschance digital“. Derzeit liege die Zahl der eingetragenen Ausbildungsverhältnisse noch 15 Prozent unter der des Vorjahres.

Wirtschaft

Während in der Herbstumfrage nur sieben Prozent der Industriebetriebe ihre Lage als schlecht bezeichneten, sind es jetzt 59 Prozent. Zwei Drittel erwarten, dass es noch schlechter wird. Die Zahl der Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe ist laut IHK im Kreis Paderborn im ersten Jahresdrittel um 3,1 Prozent auf 23.362 gesunken. Der Jahresumsatz um 8,2 Prozent auf 1,548 Milliarden Euro.

Handel

Im Handel bewerten 36 Prozent der befragten Betriebe ihre Lage als schlecht (Herbst: 9 Prozent), 39 (24) Prozent gehen davon aus, dass es noch schlechter wird. „Im Groß- und Onlinehandel sieht die Situation derzeit noch etwas besser aus als im Einzelhandel“, erläutert Behlke. Unterstützungs-Angebote wie die Digital-Sprechstunde (siehe Infokasten) der IHK würden sehr gut angenommen.

Dienstleistung

Die am stärksten von der Corona-Krise betroffenen Branchen sind laut Claudia Auinger der Veranstaltungsbereich sowie das Gastgewebe. „Der Konjunkturklimaindex für das Gastgewerbe ist mit 14,5 der tiefste Wert, den wir je gemessen haben.“ Doch Jürgen Behlke sieht auch Lichtblicke, da gewisse Dinge nach und nach wieder möglich würden. „Entscheidend ist, dass wir jetzt sehr sorgfältig abwägen zwischen gesundheitlichen Risiken und wirtschaftlicher Notwendigkeit. Wie auch das Gerichtsurteil zum Shutdown in Gütersloh nahelegt, sollten wir zunächst von der größtmöglichen Freiheit ausgehen, wenn es gute Konzepte gibt.“

Insgesamt bezeichnen 42 Prozent der befragten Dienstleister ihre Situation als schlecht. Im Herbst war das nur jeder zehnte. Nur 13 Prozent der Befragten erwarten, dass sich ihre Lage in absehbarer Zeit bessern wird.

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