Prozess gegen BMW-Bande: schwerer Bandendiebstahl nicht nachweisbar
Autodiebe erhalten Gefängnisstrafen

Paderborn (WB). Technisch waren sie bestens ausgerüstet. Sie gingen clever vor und machten große Beute. Am Ende hatten es die litauischen Autodiebe ihrer eigenen Dummheit zu verdanken, dass sie vor Gericht landeten – und zwei von ihnen nun weiterhin im Gefängnis bleiben.

Dienstag, 07.07.2020, 18:02 Uhr aktualisiert: 07.07.2020, 18:04 Uhr
Symbolbild. Foto: Jörn Hannemann

27 gestohlene BMWs gehen auf ihr Konto, möglicherweise mehr. Aber der Diebstahl dieser 27 Luxus-Karossen konnte zwei der drei Angeklagten nachgewiesen werden, die sich seit Ende Mai vor dem Landgericht Paderborn wegen schweren Bandendiebstahls verantworten mussten. Eine umfangreiche Beweisaufnahme mit Überprüfung von Abhörprotokollen der Handy-Telefonate und Daten von GPS-Ortungen konnte sich die 5. Große Jugendkammer sparen: Zwei der Täter gestanden bereits am zweiten Prozesstag, am dritten gab der letzte der Angeklagten seine Tatbeteiligung zu – nachdem klar war, dass er nicht als Drahtzieher der Bande verurteilt werden konnte, sondern nur als Helfer.

Die Täter gingen sehr professionell vor

Wie berichtet, waren die beiden 44-Jährigen und ein 19-Jähriger aus Litauen angeklagt, zwischen November 2017 und November 2019 im östlichen Nordrhein-Westfalen und südlichen Niedersachsen Autos der Marke BMW gestohlen, in einer Halle in Minden zerlegt und in Einzelteilen nach Osteuropa geschafft zu haben . Dass es sich bei den drei Männern um eine Bande handelte, wollte die Kammer am Ende des Prozesses nicht feststellen: Der Jüngere sei lediglich an zwei Diebstählen beteiligt gewesen, dem Helfer mangele es an „Tatherrschaft“. Die Polizei geht jedoch davon aus, dass während des Tatzeitraums noch weitere noch unbekannte Täter im Rahmen der Gruppierung agiert hatten.

Die hohe Professionalität der Täter zeigte sich in ihrem Vorgehen: Ein Funkstreckenverlängerer zum Auffangen des Keyless-Go-Signals im Wert von 30.000 Euro wurde eingesetzt, um die Autos ohne Schlüssel zu starten. Dann wurde die Ortungstechnik ausgebaut und samt Kennzeichen entsorgt. Mindestens zwei Jahre lang trieb die Gruppierung ihr Unwesen, und selbst die Identifizierung des Haupttäters anhand eines in Paderborn gesicherten DNA-Treffers führte die Polizei nicht zu der Bande. Das erledigte der 44-Jährige im Sommer 2019 selbst: Er prügelte sich in Minden vor der Unterschlupf-Wohnung im Suff mit einem Nachbarn und lieferte so der Polizei den lange gesuchten Hinweis auf seinen Aufenthaltsort.

Nach einer Observierung fand die Polizei in einer Halle jede Menge Beweise

Ende November 2019, nach Observierung und Zugriff, fanden die Ermittler in der Zerlegehalle jede Menge Beweise, von denen sie wohl nicht zu träumen gewagt hatten: Müllsäcke mit Überbleibseln aus den Autos – darunter persön­liche Post und Gegenstände der Besitzer sowie Servicehefte mit Fahrgestellnummern. Ein sichergestelltes Navi enthielt 36 rückverfolgbare Adressen in direkter Nähe zu den Orten der Diebstähle.

Am vierten Prozesstag zog die Jugendkammer nun den endgültigen Schlussstrich: Angesichts der Geständnisse hatte die Kammer, die wegen des 19-Jährigen zuständig war, bereits zwei der Angeklagten in einem Deal überschaubare Freiheitsstrafen angeboten. Der Haupttäter bekam wegen 27-fachen Diebstahls viereinhalb Jahre Haft, der „Logistiker“ wegen Beihilfe zwei Jahre und drei Monate. Der 19-Jährige hatte mehr Glück: Weil er nur zwei Mal ein gestohlenes Auto gefahren hatte und nach Jugendstrafrecht verurteilt wurde, kam er mit einer 18-monatigen ­Bewährungsstrafe davon.

Kritik gab es an der Autoindustrie. „Eigentlich müsste BMW hier auf der Anklagebank sitzen und die Versicherungswirtschaft als Nebenkläger vertreten sein“, sagte Thorsten Fust, der den Haupttäter verteidigte. Dort habe man seit Jahren die Verbesserung der Diebstahlsicherung schleifen lassen, ist er überzeugt.

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