Verein stößt in nur einer Stunde auf 20 leerstehende Immobilien in Paderborns City
„Es ging Schlag auf Schlag“

Paderborn (WB). Die erste „Leerstandswanderung“ war aufschlussreich. In nur einer Stunde stießen die fünf Mitglieder des Vereins Zwischenstand in der ­Paderborner City auf 20 verwaiste Objekte, darunter geschlossene Läden und ehemalige Clubs wie das Cube an der Mühlenstraße. „Dass es Schlag auf Schlag geht, hat uns schon überrascht“, sagt der Vereinsvorsitzende Philip Steller.

Mittwoch, 08.07.2020, 09:17 Uhr aktualisiert: 08.07.2020, 09:20 Uhr

Carola Pense, Johanna Wemmel, Philip Steller, Hermann Holstein und Nina Eichhorn waren am Samstag aus mehreren Gründen losgezogen: Zum einen wollten sie sich einen Überblick über die Leerstände im Zen­trum verschaffen, und zum anderen suchen sie selbst passende Räume. Wie berichtet, war der Verein Zwischenstand, der sich seit sechs Jahren für kulturelles Leben in leerstehenden Ladenlokalen einsetzt, von Anfang 2018 bis Ende 2019 auf dem Königsplatz untergekommen, im Gebäude mit der Hausnummer 10. Es war eine zentral gelegene Bleibe, die nicht nur dieser Verein für Ausstellungen, Konzerte, Lesungen und Workshops nutzte.

„In Paderborn ist die Lage noch sehr positiv“

Paderborns Citymanager Heiko Appelbaum hält die vom Verein ermittelte Zahl von 20 Leerständen in der City nicht für dramatisch. „In Paderborn ist die Lage noch sehr positiv“, sagt er. So sei die Westernstraße sehr gut vermietet: „Wenn ein Geschäft rausgeht, kommt schnell ein neues nach.“ Noch leer steht das Gebäude, in dem das Fisch­restaurant Nordsee untergebracht war.

Mit Sorge blickt Appelbaum aber auf die nächsten drei bis fünf Monate, wenn deutlich werde, welche Geschäfte wegen der Corona-Pandemie aufgeben. Die Parfümeriekette Douglas habe angekündigt, das Filialnetz auszudünnen, die Modekette Esprit habe Insolvenz angemeldet. „Bei Galeria Kaufhof ist der Kelch zum Glück an uns vorbeigegangen. Das Warenhaus ist ein Magnet, eine Schließung wäre eine mittlere Katastrophe“, sagt der Citymanager.

Sorgt Corona für sinkende Mieten?

Was ihm nicht gefällt, ist die zunehmende Uniformität in den Innenstädten. Das habe mit den Mieten in 1A-Lagen „auf sehr hohem Niveau“ zu tun, die sich nur bundesweit agierende Ketten leisten könnten. Inhabergeführte heimische Geschäfte könnten das Geld nicht aufbringen, bedauert Heiko Appelbaum. Er hofft aber darauf, dass die Mieten unter dem Einfluss der Corona-Pandemie sinken werden. Die Leerstände im Bereich der Königsplätze hätten mit der Umbruchsituation dort zu tun, Verbesserungsbedarf sieht der Citymanager gegenüber der ehemaligen Zentralstation zwischen TK Maxx und C&A.

„Die hohen Mieten sind ein Problem“, sagt auch die Immobilienkauffrau Brigitte Kesternich (Von Poll Immobilien). Ein Beispiel dafür sei der ständige Wechsel an der Rosenstraße. „Es kann nicht so weitergehen wie bisher, sonst werden die Leerstände noch zunehmen“, warnt die Expertin. Würden die Eigentümer die Mieten nicht senken, schreite die Uniformität in den Städten weiter voran.

Brigitte Kesternich schlägt vor, dass sich die Paderborner Werbegemeinschaft mit den Eigentümern zusammensetzt und ein Konzept erarbeitet, in dem auch die Frage beantwortet wird, wie viel Individualität die Stadt bei ihren Geschäften haben wolle. Aber auch die Kunden seien gefordert: „Wenn ich alles online ­mache, habe ich irgendwann eine tote Stadt.“

Was die Lebendigkeit in der ­City angehe, sieht Philip Steller vom Verein Zwischenstand aber auch die Immobilienfirmen selbst in der Pflicht: „Viele Objekte werden von großen Immobilienfirmen verwaltet, und für die ist es unter Umständen wirtschaftlich günstiger, sie erst einmal leerstehen zu lassen.“ Gebäude seien auch ein Spekulationsobjekt.

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