Paderborner Programmierer wollen es Senioren leicht machen
Telefonieren ohne zu wählen

Paderborn (WB). Die Paderborner Programmierer Daniel Schmaltz und Christoph Disse haben ein Telefon entwickelt, das ältere Menschen ganz einfach bedienen können. Das für Senioren mit einer Sehschwäche oft beschwerliche Wählen der Telefonnummer wird dadurch überflüssig. Jetzt hoffen die beiden, dass Altenheime in Paderborn die Geräte testen und die Bewohner zu Kunden werden.

Dienstag, 07.07.2020, 08:07 Uhr aktualisiert: 07.07.2020, 08:38 Uhr
Daniel Schmaltz (links) und Christoph Disse glauben, dass mit ihrem Gerät auch ältere Menschen problemlos Videotelefonie praktizieren können. Foto: Oliver Schwabe

„Alle Geräte für Senioren unterscheiden sich kaum von herkömmlichen Telefonen, der Unterschied sind die größeren Bedientasten“, sagte Daniel Schmaltz am Montag. Bei dem neuen Telefon drücken ältere Menschen nur noch eine einzige Taste im Inneren des Hörers, um Gespräche anzunehmen oder zu beenden. Das Videotelefongespräch mit Angehörigen läuft über WhatsApp und ein Handy ab, das in einem im 3D-Druckverfahren hergestellten schwarzen Ständer steckt und durch eine kleine Plexiglasscheibe vor unabsichtlichen Berührungen geschützt ist.

Telefonieren über Kontaktkarten

Mit einer Sofortbildkamera werden zuvor Fotos der Menschen gemacht, mit denen man regelmäßig sprechen möchte. Die Bilder werden auf NFC-Karten, wie man sie vom bargeldlosen Bezahlen kennt, geklebt und in einem Kontaktmäppchen gesammelt. Um einen Kontakt erstmals zu aktivieren, tippt der Senior aufs Display, woraufhin ein Menü erscheint, in dem er den Namen und die Telefonnummer zum Beispiel seines Sohnes einträgt. Dann steckt er die NFC-Karte in den Schlitz des Telefons, wodurch sie beschriftet wird. Bei allen weiteren Gesprächen reicht es, die Karte in den Schlitz zu stecken und der Anruf wird automatisch eingeleitet.

Daniel Schmaltz (35) und Christoph Disse (30) haben ihr Start-up Make-it-take-it und ihr Telefon nach dem Helden aus der griechischen Mythologie, Nestor, genannt. „Nestor kümmerte sich liebevoll um seinen kranken, alten Vater“, begründete Daniel Schmaltz die Wahl des Namens.

Ihren Kunden liefern die beiden die Handys, den Telefonhörer, den Ständer mit Plexiglasscheibe, ein Zehner-Set Kontaktkarten und ein Mäppchen. Für 69 Euro übernehmen sie die Einrichtung und verlangen anschließend eine monatliche Ausleihgebühr von 29 Euro.

Wählscheibe erinnert an alte Zeiten

Beim Telefonieren bewegt sich übrigens eine virtuelle Wählscheibe auf dem Display – das ist zusammen mit dem klassischen Telefonhörer eine Reminiszenz an die alten Zeiten, die ältere Menschen noch gut kennen. Wenn es auf den Boden falle, gehe das Telefon nicht kaputt, beteuern Schmaltz und Disse, die sich bei der Ausbildung zum Programmierer im Paderborner Bib kennengelernt hatten.

Gerade in Zeiten von Corona sei ihr Telefon attraktiv, glauben die beiden: „Kontakthindernisse werden dadurch überwunden.“ Ihre Entwicklung werde derzeit von Seniorenheimen im bayerischen Ismaning getestet, erzählten sie. Den Anstoß, sich näher mit Seniorentelefonen zu befassen, gaben die Großeltern von Daniel Schmaltz, die bei der Videotelefonie mit ihren Handys überfordert gewesen seien.

Geschäftsräume fehlen noch

Bei „Nestor“, betonen die Programmierer, müssten Senioren nur noch den Hörer abnehmen und die jeweilige Kontaktkarte reinstecken. Als Start-up-Unternehmen hat Make-it-take-it zwar ein fertiges Produkt, aber noch keine eigenen Geschäftsräume. Mit „Nestor“ wollen Schmaltz und Disse durchstarten. Wer das Telefon testen möchte, kann sich unter 0152/24652587 oder mail@make-it-take-it.de melden.

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