Black-Lives-Matter-Kundgebung in Paderborn an diesem Samstag um 14 Uhr
„Das sollte man sagen dürfen“

Paderborn (WB). Wenn Hannah Drath und Mela Marie Vollmer, die in Paderborn besser unter ihrem Künstlernamen Mela Kunis bekannt ist, sich etwas wünschen könnten, dann wäre das eine andere Fehlerkultur. „Wenn es den Menschen leichter fallen würde, einen Fehler einzugestehen, dann wäre das eine gute Voraussetzung gegen Alltagsrassismus“, sind die Studentinnen überzeugt. Sie unterstützen die Black-Lives-Matter-Bewegung, die sich auch in Paderborn gerade gründet und für diesen Samstag, 15 Uhr, zur bereits vierten Kundgebung vor dem Rathaus einlädt.

Samstag, 04.07.2020, 05:00 Uhr
Die Studentinnen Mela Kunis (links) und Hannah Drath engagieren sich in Paderborn für die Black-Lives-Matter-Bewegung in Paderborn. Für diesen Samstag ist um 15 Uhr eine weitere Kundgebung vor dem Rathaus geplant. Foto: Maike Stahl

Wenn Paderborn als bunte, tolerante und vielfältige Stadt beworben wird, sei das ja nicht falsch, stellen die Studentinnen klar. Dennoch haben sie in vielfältigen Situationen Rassismus erfahren müssen. „Selbst wenn es in vielen Fällen aus Unüberlegtheit oder vielleicht sogar guter Absicht passiert, schmerzt es unfassbar“, sagt Mela Kunis, die es leid ist, dass ihr allein aufgrund ihrer Hautfarbe bestimmte Eigenschaften zugeschrieben werden.

Jeder kann zu Wort kommen

„Weil aber niemand des Rassismus bezichtigt werden möchte, ist es andererseits auch ganz schwer, Menschen darauf hinzuweisen.“, hat auch Hannah Drath festgestellt. Sie würden sich als Reaktion auf so einen Hinweis wünschen, dass jemand einfach mal sagt: „Es tut mir leid, ich möchte Sie nicht verletzten“, und im besten Fall aus der Situation lernt. „Stattdessen reden wir über diese Dinge nicht mehr miteinander“, bedauert Hannah Drath die Situation, die sich endlich ändern soll.

Zu Wort kommen auf der Bühne vor dem Rathaus nicht nur „People of Colour“, also Menschen nicht-weißer Hautfarbe, sondern jeder, der etwas zur Diskussion, beitragen möchte, die von Mela Kunis und Nadine Dubberke moderiert wird. „Wir sind in gewisser Weise noch privilegiert, es gibt auch in Paderborn Menschen, die sehr viel stärker diskriminiert werden“, weiß Hannah Drath.

Besonders hart treffe es diejenigen, die aus verschiedenen Gründen benachteiligt werden, wenn sie beispielsweise neben einer dunklen Hautfarbe eine Behinderung haben oder sozial schwach sind. „Für sie können wir nicht sprechen, wir wollen ihnen aber ein Forum geben“, sagt Mela Kunis. Gleichzeitig sei ihnen aber auch bewusst, dass viele Angst hätten über ihre Erfahrungen zu sprechen, gerade auch, was das heikle Thema Polizeigewalt angehe.

Bewegung macht Mut

Sie selbst lernen gerade für sich zu sprechen und einzutreten. Die Bewegung macht ihnen Mut. „Bisher hatte ich vor allem gelernt, mich anzupassen. Ich weiß genau, wie ich mich kleiden muss, wie ich mich ausdrücken und auftreten muss, damit ich wahrgenommen werde. Aber ich sehe mich nicht als Opfer, sondern als starke Frau, die weiß, dass sie alles schaffen kann“, sagt Mela Kunis. Auf Unterstützung hoffen die beiden für alle, die mit Diskriminierungen zu kämpfen haben.

„Voraussetzung für echte Teilhabe ist eine offene Diskussion und Auseinandersetzung, die Bereitschaft, den anderen und seine Empfindungen zu respektieren“, ist Hannah Drath überzeugt. Dazu gehört nach Ansicht der Lehramtsstudentin auch eine Reform des Bildungssystems. „Struktureller Rassismus ist schließlich ein Folge des Kolonialismus. Doch die deutsche Rolle als Kolonialmacht wird beispielsweise kaum beleuchtet“, kritisiert Hannah Drath.

Allen, die sich mit dem Thema Rassismus intensiver auseinandersetzen möchten, empfehlen die Studentinnen die Lektüre von Tupoka Ogette „Exit Racism – rassismuskritisch denken lernen“, das auch als kostenloses Hörbuch verfügbar sei. Ogette arbeitet bundesweit als Expertin für Vielfalt und Antidiskriminierung.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7479767?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2512560%2F
Touristen müssen bis 2. November raus aus Schleswig-Holstein
Hinweis auf die Maskenpflicht in Timmendorfer in Schleswig-Holstein Strand.
Nachrichten-Ticker