Querende Gänse verursachen an Paderborner Fischteichen Rückstau
Kurioser Auffahrunfall vor Gericht

Paderborn (WB). Wildlebende Tiere haben mit dem Autoverkehr nichts am Hut. Das zeigt sich immer wieder auch an den Paderborner Fischteichen, wenn die dort lebenden Wasservögel auf benachbarten Straßen unterwegs sind. Ein Fall, in dem es – vielleicht wegen des unübersichtlichen Verhaltens einer Gänsefamilie – einen Unfall gab, hat jetzt das Landgericht Paderborn beschäftigt.

Freitag, 03.07.2020, 08:56 Uhr aktualisiert: 03.07.2020, 09:00 Uhr
Ein Schild warnt an der Dubelohstraße vor Enten und Gänsen, die die Straße überqueren können. Foto: Jörn Hannemann

Im Mai haben viele der an den Fischteichen lebenden Brutpaare Junge – und das fordert regelmäßig gerade auf der Dubelohstraße von Autofahrern erhöhte Aufmerksamkeit. So hatte auch Mitte Mai vergangenen Jahres eine größere Anzahl von erwachsenen Gänsen und deren Küken – später im Rechtsstreit vor der 4. Zivilkammer des Landgerichts stets als „Gänsefamilie“ bezeichnet – den Weg über die Straße gewählt. Das brachte kurzzeitig den Autoverkehr an der Ampelkreuzung Dubelohstraße/Nixdorf-Ring zum Stillstand, und als die Autos auf der Dubelohstraße wieder anfuhren, krachte es. Warum, und wer deshalb die Kosten für die erheblich demolierten Fahrzeuge zu tragen hatte, musste schließlich das Landgericht klären.

Fakt ist: Eine Frau aus Hövelhof war dem vor ihr fahrenden BMW einer Frau aus Bad Lippspringe aufgefahren – an ihrem Auto war ein Schaden in Höhe von mehr als 10.000 Euro entstanden. Die 43-jährige Hövelhoferin jedoch bestritt, alleine an dem Unfall Schuld zu sein, weil sie dem BMW aus Unachtsamkeit draufgefahren sei: Vielmehr habe die Fahrerin des BMW wegen der Gänse auf der Fahrbahn zunächst angehalten, sei dann wieder losgefahren und habe – trotz einer grünen Ampel – plötzlich und abrupt bis zum Stillstand abgebremst. „Da war überhaupt kein Ansatz zum Bremsen“, sagte die 43-Jährige in der Verhandlung zur Beweisaufnahme. „Ich hatte keine Zeit zu reagieren.“

Der BMW sei erst nach der Haltelinie zum Stehen gekommen. Die 43-Jährige klagte, weil sie bei der BMW-Fahrerin eine Teilschuld für den Unfall sah und von deren Versicherung die Hälfte des Schadens ersetzt haben wollte.

Das ist polizeilich dilettantisch aufgenommen worden.

Achim Niggemyer

Die junge BMW-Fahrerin hingegen schilderte den Vorgang anders: Nachdem die Gänse von der Straße weggewatschelt seien, habe sie ihr Auto langsam anrollen lassen und dann an der von weitem erkennbar roten Ampel gestoppt. Einen Augenblick später sei ihr das nachfolgende Auto ins Heck gekracht, mit solcher Wucht, dass der BMW über die Haltelinie geschoben worden und sie selbst mit dem Kopf aufs Lenkrad geprallt sei. Letztlich konnten auch die Erkenntnisse der Polizei den Verlauf des Unfalls nicht aufklären: „Das ist polizeilich dilettantisch aufgenommen worden“, kritisierte Rechtsanwalt Achim Niggemyer, der die Hövelhoferin vertrat.

Wie weit die Gänse und deren unklares Verhalten Schuld an dem Unfall gewesen sein könnten, ließ das Gericht schließlich offen. Es habe sich um einen Unfall gehandelt, bei dem beide Schilderungen der Beteiligten „gleichermaßen lebensnah und plausibel“ seien. Es sei daher nicht sicher festzustellen, ob die beklagte BMW-Fahrerin grundlos abgebremst habe oder wegen der roten Ampel. Die Zivilkammer wies die Klage der Hövelhoferin ab – sie bleibt auf ihrem Schaden sitzen.

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