Weiblicher Vogelnachwuchs aus Paderborn lernt jetzt das Fliegen und Jagen
Junger Dom-Wanderfalke ist ausgeflogen

Paderborn (WB). Das Schicksal des jungen Dom-Wanderfalkens beschäftigt viele Paderborner und Menschen weit über die Stadtgrenzen hinaus. Wie der Ornithologe Thomas Benkel auf WV-Anfrage berichtet, hat das junge Greifvogel-Mädchen ihre Bruchlandung am Donnerstag vergangener Woche und die Rettung durch die Feuerwehr gut überstanden. Inzwischen ist der zweite Flugversuch geglückt.

Freitag, 03.07.2020, 08:34 Uhr aktualisiert: 03.07.2020, 16:06 Uhr
Hoch oben über Paderborn befindet sich die Nische, in der die Wanderfalken gebrütet haben. Jakoba hat vor ihren ersten Ausflügen kräftig die Schwingen trainiert. Inzwischen ist sie zusammen mit den Eltern im Paderborner Luftraum unterwegs. Foto: Jochen Roth

Am vergangenen Montag habe Jakobus – so wurde das erste im Dom aufgezogene Wanderfalken-Junge von den Jakobuspilgern schon vor Wochen getauft – endgültig die Nisthöhle hoch oben im Turm verlassen. Seither fliege die junge Dame, die nach jüngsten Erkenntnissen eigentlich Jakoba heißen müsste, im Revier der Elterntiere herum und ist immer wieder mal in der Nähe des Doms zu sehen, berichtet Benkel.

Sie ist flügge und das ist gut so.

Thomas Benkel

„Sie ist flügge und das ist gut so“, stellt Benkel fest. Vergangene Woche Donnerstag war das Wanderfalken-Mädchen gleich beim ersten Ausflug auf dem benachbarten Schulhof notgelandet. Zwei beherzte Feuerwehrleute hatten den jungen Vogel anschließend wieder in die Nisthöhle gesetzt, die mit einer Webcam ausgestattet ist. Tausende Fans schauen täglich bei den Wanderfalken in die „gute Stube“. Derzeit sieht es dort allerdings sehr ungemütlich aus: Das Jungtier ist weg, zurückgeblieben ist ein abgenagtes Gerippe eines Vogels. „Die Bude ist nicht aufgeräumt, typisch Teenager“, meinte ein WV-Leser beim Blick in die Höhle schmunzelnd.

In den vergangenen Tagen hatte der große Greifvogel einige Flügelübungen vollführt und die Muskeln trainiert. Außerdem hätten am Montag ideale Windverhältnisse geherrscht, so dass Jakoba ihren zweiten Ausflug mit Erfolg absolvieren konnte.

Doch wie geht es jetzt mit der jungen Dame weiter? Nach Angaben des Ornithologen halten sich junge Wanderfalken bis zum Herbst in der Nähe der Eltern auf. Sie wird noch viel lernen müssen, denn Wanderfalken sind begnadete Jäger und Luftkämpfer.

Sie lernt jetzt, wie sie im Leben überlebt.

Thomas Benkel

Sie werde weiter Muskulatur aufbauen und Flugstunden nehmen. Benkel: „Sie wird lernen, den alten Tieren in der Luft Beute abzujagen. Sie wird sich mit der Höhe vertraut machen und lernen, wie sie sich in Richtung Boden stürzt, wofür Falken ja bekannt sind. Das bedarf eines intensiven Trainings. Sie lernt jetzt, wie sie im Leben überlebt.“ Danach werde sie abwandern – wohin, das sei völlig unklar. „Junge Wanderfalken streunen herum und ziehen nicht – wie die anderen Vögel – in den Süden. Im zweiten Jahr legt das Jungtier das Jugendgefieder ab. Zu 90 Prozent wird Jakoba nicht wieder nach Paderborn zurück kommen. Männliche Tiere siedeln sich im Umkreis von etwa 50 bis 100 Kilometern ihres Geburtsortes an, Weibchen eher bei 200 bis 300 Kilometern.“

Nach seinen Worten werden die Eltern von Jakoba dem Standort und dem Revier treu bleiben und vermutlich nächstes Jahr wieder hier im Dom nisten. „Es lohnt sich also, ein Fernglas mit in die Stadt zu nehmen und den Wanderfalken bei der Jagd zuzusehen“, sagt Benkel. Der Ornithologe wird demnächst die Höhle reinigen und dann auch die Kadaver der Beutetiere beseitigen. Für das kommende Jahr wünscht sich Thomas Benkel auch im Sinne der vielen Fans eine zweite Webcam, die die Perspektive auf die Nisthöhle von einem anderen Gebäude aus zeigt. „Ich hätte nie gedacht, dass sich so viele Menschen dafür interessieren“, ist der Ornithologe begeistert. Viele hätten offenbar die Corona-Krise genutzt, sich mit dem Leben der Greifvögel zu befassen.

Vor dem Hintergrund hat er noch einen Appell. Egal wo man Vögel – ob Amsel oder Falke – finde: Es sei in der Regel sinnvoll, sie dort zu belassen, wo man sie entdeckt habe. „Man sollte das Tier eine Zeit lang beobachten und feststellen, ob es verletzt ist und weiterhin versorgt wird.“ Wenn eine Gefahr durch Hund, Katze, Auto oder einen anderen Vogel drohe, könne man es in Sicherheit bringen. Denn: „Manchmal sind diese Vögel gar nicht so hilflos, wie man meint.“

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7478738?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2512560%2F
Touristen müssen bis 2. November raus aus Schleswig-Holstein
Hinweis auf die Maskenpflicht in Timmendorfer in Schleswig-Holstein Strand.
Nachrichten-Ticker