Sechs Paderborner Bürgermeisterkandidaten diskutieren auf Bühne des Berufskollegs
Wirtschaft ist Sorgenkind

Paderborn (WB). Sechs Themen mit sechs Bürgermeisterkandidaten in 120 Minuten zu diskutieren ist sportlich. Der Integrationsrat hat sich der Herausforderung gestellt und am Dienstag Amtsinhaber Michael Dreier (CDU) und seinen Herausforderern Elke Süsselbeck (Linksfraktion), Martin Pantke (SPD), Dr. Klaus Schröder (Grüne), Alexander Senn (FDP) und Verani Kartum (Volt) auf den Zahn fühlen lassen.

Donnerstag, 02.07.2020, 09:19 Uhr aktualisiert: 02.07.2020, 09:22 Uhr
Integrationsratsvorsitzender Recep Alpan (Mitte) begrüßt die Bürgermeisterkandidaten (von links) Elke Süsselbeck (Linke), Dr. Klaus Schröder (Grüne), Amtsinhaber Michael Dreier (CDU), Martin Pantke (SPD), Alexander Senn (FDP) und Verani Kartum (Volt). Foto: Stahl

Der Schwerpunkt lag auf dem Komplex Wirtschaft und Arbeiten – dort hat die Corona-Krise Sorgen ins Zentrum gerückt, die für viele 2019 noch unvorstellbar waren. „Für 50 Prozent aller Arbeitsplätze im Kreisgebiet wurde Kurzarbeit angemeldet, 20 Prozent der Unternehmen sind von Insolvenz bedroht“, sage Bürgermeister Michael Dreier (59), der einen Schwerpunkt seine Arbeit in der Wirtschaftsförderung sieht. „Jetzt müssen alle Kräfte gebündelt werden, um die 75.000 sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze zu erhalten.“ Chancen sieht Dreier für die gut aufgestellte digitale Wirtschaft und weitere innovative Gründungen mit künftigen Flächen im Bereich der Barker Kaserne, wo ein zweiter Technologiepark entstehen soll, sowie auf dem 120.000 Quadratmeter großen Gelände Riemekestraße 160, das die Stadt gerne zusammen mit dem Investor, der dieses erwerben möchte, entwickeln würde.

20 Prozent der Unternehmen sind von Insolvenz bedroht.

Michael Dreier

Verani Kartum (51), Kandidat der Volt-Partei, macht sich für Beratungsgutscheine für Handwerk und Mittelstand ebenso stark, wie für einen Bürokratie-Abbau. „Wir haben im Moment zu wenig Bewegung, beispielsweise wenn es darum geht, Gastronomen schnellstens Außenflächen zur Verfügung zu stellen, damit nicht noch mehr aufgeben.“ Die Zukunft der Ausbildungsplätze liegt Dr. Klaus Schröder (51) am Herzen. „Derzeit gibt es 18 Prozent weniger Ausbildungsplätze als gewöhnlich, da müssen wir als Stadt reagieren und statt der geplanten 47 Jugendlichen noch mehr ausbilden“, forderte er. Alexander Senn (37, FDP) warnte allerdings davor, dass es nicht nur um Quantität gehen dürfe. „Die Auszubildenden müssen auch sinnvoll beschäftigt und gut betreut werden können.“ Elke Süsselbeck (54, Linksfraktion) möchte mehr Menschen in tarifgebundene Jobs bekommen. „Dazu gehört auch, dass wir als Kommune die Auftragsvergabe entsprechend steuern.“

Konkrete Ziele im Bereich Mobilität

Einig waren sich die Kandidaten, dass die Rahmenbedingungen stimmen müssen, um Unternehmer und damit Arbeitsplätze zu sichern. Neben sehr qualifizierter Bildung und Ausbildung sowie verbesserter Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf gehört dazu laut Martin Pantke (68, SPD) vor allem die Schaffung von ausreichend bezahlbarem Wohnraum. „Gerade der geförderte Wohnungsbau muss noch stärker forciert werden, das hat sich in den letzten sechs Jahren auf unser Drängen hin erst allmählich entwickelt“. In diesem Zusammenhang sagte Michael Dreier, dass die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) der Stadt 125 ehemals von den Briten genutzte Wohnungen angeboten habe, die diese kostenlos mit Flüchtlingen belegen oder zu einem „sehr günstigen“ Mietzins als Sozialwohnungen zur Verfügung stellen dürfe.

Integration als gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Konkrete Ziele nannten die Kandidaten im Bereich Mobilität. Elke Süsselbeck fordert kostenlosen ÖPNV, Martin Pantke will den ÖPNV in der Fläche attraktiver machen, Verani Kartum eine Umstellung des städtischen Fuhrparks auf CO 2 -Neutralität bis 2028 erreichen und Klaus Schröder den Radverkehr kindersicher und damit den Großteil der Elterntaxis überflüssig machen. Michael Dreier warb dafür, dass Grundstücksbesitzer der Stadt weitere Flächen für Fahrradabstellplätze in der Innenstadt zur Verfügung stellen. Lediglich Alexander Senn brach eine Lanze für einen „effizient gestalteten“ Autoverkehr. „Wir sollten nicht glauben, dass wir den ÖPNV in Paderborn zur ernsthaften Alternative zum Auto entwickeln können. Dann ist kein Geld für anderes da“, warnte er.

Für eine gelungene Integration als gesamtgesellschaftliche Aufgabe machten sich alle Kandidaten zur Freude von Gastgeber Recep Alpan stark, waren sich aber auch einig, dass Paderborn eine gute Willkommenskultur pflege.

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