Während der Einzelhandel leidet, profitiert der Onlinehandel
Amazon macht sich breit

Paderborn (WB). Der Versandriese Amazon gilt schon jetzt als Gewinner der Corona-Krise. Obwohl der Einzelhandel wieder geöffnet hat, stöbern viele Menschen offenbar lieber im Online-Shop, als unter einer Mund-Nasen-Maske eine neue Hose, Schuhe oder Bluse anzuprobieren. Uwe Seibel, Vorsitzender der Werbegemeinschaft Paderborn, weiß: Die Umsatzeinbrüche in der Paderborner City und den anderen Hochstift-Städten sind seit der Corona-Krise enorm.

Mittwoch, 10.06.2020, 10:00 Uhr
Im Gewerbegebiet Mönkeloh macht sich Amazon breit: Das Verteilzentrum hat eine Fläche von fast 10.000 Quadratmetern. Foto: Oliver Schwabe

Im ersten Quartal 2020 hat Amazon hingegen seinen Umsatz um 26 Prozent gesteigert, tausende neue Jobs wurden in Aussicht gestellt. Und auch in der Region OWL tut sich etwas. An drei Standorten – alle noch vor der Krise ausgesucht – wird gebaut. Ein vierter befindet sich in der Prüfung. Ein fünfter Amazon-Standort liegt in der Nachbarschaft zu Warburg. An der A44 bei Breuna (Kassel) entsteht ein Großlager, für das bereits Mitarbeiter gesucht werden.

Am weitesten voran geschritten sind die Arbeiten am neuen Logistikzentrum im interkommunalen Gewerbegebiet Aurea zwischen Oelde und Rheda-Wiedenbrück. Der Betrieb soll nach Angaben eines Unternehmenssprechers am 6. Juli starten.

150.0000 Quadratmeter großes Grundstück

„Wir suchen 1000 Mitarbeiter und sind aktuell dabei, Telefoninterviews mit den Bewerbern zu führen“, hieß es aus der Presseabteilung. In Oelde werden kleinere Artikel bearbeitet, heißt es. Unter anderem sollen dort Transportroboter zum Einsatz kommen, die den Mitarbeitern assistieren. „Von Oelde aus wird bei Vollbetrieb von montags bis samstags eine sechsstellige Anzahl an Paketen das Logistikzentrum verlassen“, heißt es aus dem Unternehmen. Es sollen Waren direkt an die Kunden versendet werden. Hierfür werden bei Vollbetrieb einige Millionen Artikel eingelagert sein. „Bis dahin wird es aber noch dauern, da wir die neuen Mitarbeiter nach dem Start erst anlernen und nach und nach mehr Artikel einlagern werden.“ Wie viele Lastwagen-Bewegungen sich daraus ergeben, dazu möchte sich Amazon derzeit nicht äußern.

Die Hallengrundfläche beträgt 47.000 Quadratmeter und das gesamte Grundstück ist 150.0000 Quadratmeter groß. Amazon hat nach eigenen Angaben einen langfristigen Mietvertrag unterzeichnet. Gestartet werde Anfang Juli zunächst mit einigen hundert Mitarbeitern, danach werde die Stellenzahl bis auf 1000 anwachsen.

Deutlich kleiner wird das in Bielefeld im Bau befindliche Verteilzentrum. Das Gebäude ist etwa 5000 Quadratmeter groß. Was dort geschehen soll, beantwortet Amazon so: „In einem Verteilzentrum sortieren wir Pakete aus den Logistikzentren für die Auslieferung an den Kunden (die sogenannte letzte Meile). Die Anlieferung der Pakete aus den Logistikzentren erfolgt vor allem nachts. Mit der Sortierung werden die Routen für die Auslieferung berechnet. Die Pakete und die Routenplanung übergibt Amazon dann an die jeweiligen lokalen Lieferpartner.“ Im Januar wurde mit dem Bau begonnen, die Eröffnung wird voraussichtlich im Herbst 2020 sein.

70 Arbeitsplätze in Bielefeld

Amazon wird in Bielefeld nach eigenen Angaben 70 Arbeitsplätze schaffen. Für die Auslieferung der Pakete an die Kunden werden bei den Lieferpartnern 300 Fahrer zuständig sein. Gesucht werden aktuell noch leitende Mitarbeiter. In zwei Monaten beginnt die Akquise der Sortiermitarbeiter.

Pro Tag werden hier 18 Lastwagen und 200 Lieferfahrzeuge vom Hof rollen. Die Lastwagen sollen gleichmäßig über die Nachtstunden verteilt werden, heißt es.

Doppelt so groß wie das Bielefelder Verteilzentrum wird das Gebäude in Paderborn-Mönkeloh mit einer Fläche von 9600 Quadratmetern. Gebaut und vermietet wird die Immobilie von der Paderborner Firma Bremer. Begonnen wurde im Februar 2020, die Eröffnung ist für Herbst 2020 geplant. 150 Mitarbeiter werden gesucht, hinzu kommen 450 Fahrer für die Auslieferung der Pakete. „Auch hier suchen wir aktuell nach leitenden Mitarbeitern“, sagt Amazon. Pro Tag werden in Mönkeloh im normalen Betrieb 27 Lastwagen erwartet, hinzu kommen 350 Routen für die Auslieferung.

Noch nicht in trockenen Tüchern ist aktuell der Standort für ein Logistikzentrum im lippischen Horn-Bad Meinberg. Dazu heißt es: „Amazon investiert weiter in Deutschland und sucht nach neuen Standorten, wo wir Vorteile für Kunden und für den Standort sehen. Horn-Bad Meinberg ist einer der Standorte, den wir gerade bewerten. Sobald es ein Ergebnis gibt, werden wir dazu auch alle Beteiligten informieren.“

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